Gründer des Monats: Raum & Zeit Adventure Games

Ein Fall für zwei

Entkommen und zwar so schnell wie möglich. Mal geht es darum, aus einem Gefängnis auszubrechen, dann wieder muss ein Verbrechen aufgeklärt oder verhindert werden. Seit 2007 in Japan die ersten Escape Rooms eröffneten, hat der Freizeittrend die Welt erobert. In Bielefeld lädt Raum & Zeit Adventure Games zu Live Escape Games ein. Die Gründer: zwei Bielefelder Studenten. Auch bei ihnen sorgt das Zeitlimit für den Adrenalinschub.

„Eine gute Idee reicht nicht, um sich selbstständig zu machen. Man muss sie auch mit Leben füllen“, unterstreichen Sebastian Keller und Michael Wabiszczwicz. Die beiden Freunde, die sich seit über 15 Jahren kennen, haben genau das getan. Sie feilten gemeinsam an der Idee für ihr Start-up. Der Schritt in die Selbstständigkeit war ihr Traum. Sie wagten ihn vor zwei Jahren.

Am Businessplan gefeilt

Die Idee, selbst zu gründen, entstand bei den befreundeten Studenten, als in Städten wie München und Berlin gerade die ersten Escape Rooms eröffneten. „In Michaels Schublade lag bereits der Businessplan dafür“, erzählt Sebastian Keller, der vor seinem BWL-Studium eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketing und Kommunikation absolvierte. „Ich hatte diesen anhand des Beispiels von Escape Games bereits für eine Semesterarbeit entwickelt“, erklärt Michael Wabiszczwicz, der Wirtschaftsingenieurswesen studiert und sich inzwischen auf der Zielgeraden zum Master befindet. Die beiden 28-Jährigen erkannten sowohl die Marktlücke als auch das Potenzial in Bielefeld und passten den Businessplan ihren Bedürfnissen an.

Sieben Monate später, am 11. November 2015, wurde Raum & Zeit Adventure Games dann gegründet. Fünf Tage später fand die Eröffnung an der Stapenhorststraße statt. „Wir sind mit einem Escape-Raum und dem Fall Schwartz gestartet“, erinnert sich Sebastian Keller. Heute läuft nicht nur ihr „Krimi-Raum“ gut. Auch „Der Sullivan Versuch“, in dem der ambitionierte Prof. Dr. Henry Sullivan forscht und dabei Grenzen überschritten hat, bietet knifflige Rätsel und viel Spannung. In ihn investierte Zeit & Raum Adventure Games seine ersten Einnahmen. Nicht nur, um sich zu vergrößern, sondern auch, um Team-Events möglich zu machen. Damit haben wir uns einen weiteren, neuen Markt für Firmen und Teambuilding-Events erschlossen“, so die Gründer.

Eine gute Story

Da Stillstand nicht ihr Ding ist, haben die beiden Bielefelder den Fall Schwartz außerdem zur Trilogie um den stadtbekannten Enthüllungsjournalisten Erik Bloomberg wachsen lassen. Leidenschaftlich kämpft der sich durch einen Sumpf aus Wirtschaftskriminalität und Geheimdienstverschwörungen. Sein Gegenspieler ist Viktor Schwartz, Kopf einer weltweit operierenden Organisation, die es jetzt auch auf Bielefeld abgesehen hat. „Spiele, bei denen die Teilnehmer in die Rolle eines Detektivs schlüpfen, bieten viel Platz für spannende Geschichten“, wissen die beiden Bielefelder aus Erfahrung. Mit „Die fünf Schatten“ knüpfen sie jetzt an die Story ihres ersten Kriminalfalls an. „Eine Trilogie zu konzipieren macht nicht nur uns Spaß, auch für die Spieler ist es interessant und weckt den Appetit auf mehr“, so die geschäftstüchtigen Gründer.

Die Zeit läuft

Inzwischen begrüßen die zwei Jungunternehmer allein an einem Samstag fünfzehn Gruppen und bringen es seit der Eröffnung auf 15.000 Gäste. Die sind so zufrieden, dass TripAdvisor – ein Reisedienstleister – das Start-up gerade mit dem „Zertifikat für Exzellenz“ ausgezeichnet hat. „Und zwar neben der Sparrenburg, dem Botanischen Garten und Olderdissen. Das hat uns sehr gefreut und wird wirklich nicht jedem in die Hand gedrückt“, unterstreichen Sebastian Keller und Michael Wabiszczwicz, die multimedial unterwegs sind, um auf sich aufmerksam zu machen.

Die Zielgruppe, die sie mit ihrem Freizeitangebot erreichen, ist weit gefächert. „Von 14 Jahren bis Mitte 70“, umreißt Sebastian Keller die Altersspanne. „Häufig bilden auch mehrere Generationen ein Team“, so Michael Wabiszczwicz. Zu studieren und gleichzeitig ein Unternehmen aufzubauen, ist für die beiden Bielefelder immer wieder ein Spagat. „Ich trete bei meinem Studium zurzeit etwas kürzer“, erklärt Sebastian Keller. „Sonst wäre es noch schwieriger.“ Rund 60 bis 80 Stunden Arbeitszeit investieren die beiden pro Woche. Freizeit ist ein rares Gut. Vor allem an Wochenenden. „Da sind natürlich wir gefragt, um unseren Gästen ein tolles Freizeit-Event anzubieten“, sagen die Experten für Freizeitgestaltung.




EN