Gründer des Monats: Third Element Aviation

Abheben, nicht abgehoben

Für manche ist es Science Fiction, für Marius Schröder und Benjamin Wiens die natürlichste Sache der Welt. Der Einsatz von Industriedrohnen im Arbeitsprozess. Mit ihnen kann auch unwegsames Gelände deutlich schneller vermessen werden, als es ein Ingenieur am Boden vermag. Das ist nur ein Beispiel für die vielen Einsatzmöglichkeiten von Drohnen. Mit neun Mitarbeitern in Bielefeld entwickelt Third Element Aviation hochspezialisierte Lösungen für ihre Kunden.

Fast jeder Tag bringt eine neue Herausforderung für das junge Unternehmen, das sich in der Nähe des Technologieparks angesiedelt hat. Die Entwickler sitzen in der Werkshalle und tüfteln an neuen Ideen, ein 3D-Drucker fertigt nebenan Teile für einen Prototypen. Es herrscht konzentriertes Schweigen. Clevere Lösungen für kundenspezifische Probleme werden gesucht: Inspektion, Vermessung oder Sicherheit –, um nur einige zu nennen. Die beiden Bielefelder Gründer fokussieren sich ganz bewusst auf diese Nischen. „Drohnenhersteller gibt es viele. Mit der Konkurrenz aus China können wir preislich nicht mithalten. Unsere Stärke ist nicht allein die Drohne, sondern das, was in ihr steckt“, bringt es Benjamin Wiens, der für den technischen Aufgabenbereich bei Third Element Aviation verantwortlich zeichnet, auf den Punkt. Marius Schröder ist für den kaufmännischen Bereich zuständig und kümmert sich um Marketing, Vertrieb, Strategie und After-Sales-Dienstleistungen. Auch wenn das Unternehmen selbst jung ist, so verfügen Benjamin Wiens und Marius Schröder aufgrund ihrer vorherigen Berufstätigkeit bei einen Drohnenhersteller über viel Erfahrung auf dem Gebiet.

Jeden Tag was Neues

„Wir wissen eigentlich nie, was der Tag an spannenden Anfragen von den Kunden bringt“, erzählt Marius Schröder. Aktuell ist das Team von Third Element Aviation damit beschäftigt, eine Transportlösung für einen großen Zulieferer für Antriebs- und Fahrwerktechnologie in Friedrichshafen zu konzipieren. „Wenn es bei großen Unternehmen zu Maschinenstillständen kommt, sind die Ausfallkosten enorm“, so Benjamin Wiens. „Dabei sind es häufig nur kleinere Reparaturen, die vorgenommen werden müssen. Über 90 Prozent der Ersatzteile wiegen weniger als zwei Kilogramm.“ Das perfekte Einsatzgebiet für eine Industriedrohne. Denn so muss der Techniker für eine Handvoll Schrauben nicht mehr quer über das riesige Werksgelände, sondern fordert die nötigen Teile an, die in einen Behälter gepackt und von der Drohne zum Einsatzort geflogen werden. Eine Lösung, die einen riesigen Zeitvorteil schafft. „Anstelle von zwanzig Minuten braucht man nun nur noch “, sagt Marius Schröder.

Die dänische Connection

Eigentlich wollten Marius Schröder und Benjamin Wiens keine eigene Firma gründen, doch als ihr ehemaliger Arbeitgeber seinen Firmensitz nach Düsseldorf verlegte, wurde die Frage: Was tun? drängender. Ein dänischer Projektpartner ermutigte die beiden bei ihrer Gründungsidee. Von dort kam auch die erste finanzielle Unterstützung – das Seed-Kapital. Und die Bielefelder können heute im alltäglichen Geschäft auf die Ressourcen von Blue Ocean Robotics zurückgreifen. „Wir haben in Dänemark Zugriff auf 70 Robotikentwickler. Das ist ein Riesenvorteil, andere Firmen müssen das entweder intern lösen oder extern suchen. Auch das Repräsentantennetzwerk läuft über die dänische Firma.“ International hat das Label „Made in Germany“ noch immer ein gutes Standing, das kommt Third Element Aviation zugute – bei Gesprächen mit den Kunden. Hier verfolgen die beiden Gründer eine ganz eigene Strategie. „Wir machen unsere Kunden zu Mitentwicklern. Da wir an hochspezialisierten Lösungen in der Nische arbeiten, ist der Markt für eine bestimmte Applikation überschaubar. Wenn der Kunde Mitentwickler ist und an folgende Gewinne beteiligt wird, ist er auch motiviert, neue Kontakte in seiner Branche zu knüpfen oder bestehende zu nutzen. Uns erleichtert das den Marktzugang und unser Kunde profitiert auch davon.“

Auf Augenhöhe

Und nicht nur mit den Kunden, sondern auch mit den Mitarbeitenden wird auf Augenhöhe kommuniziert. Täglich findet eine Projektrunde mit dem gesamten Team statt, damit alle auf einem Wissensstand sind. „Wir halten die Hierarchien bei uns bewusst flach“, skizziert Marius Schröder die Unternehmensphilosophie. „Wir haben bei uns Vertrauensarbeitszeit und zahlen unseren Mitarbeitern faire Löhne.“ „Wir sind immer offen für den Austausch“, ergänzt Benjamin Wiens. „Es wäre schlimm, wenn ein Mitarbeiter eine gute Idee hat, sich aber nicht traut, damit zum Chef zu gehen. Die Tür darf nicht mit zu viel Respekt oder Angst beklebt sein. Chancen und Potenziale gehen dadurch verloren.“

Ebenfalls zur Philosophie gehört, dass Third Element Aviation auch in puncto Drohnenführerschein ausbildet. Und zwar nicht online, sondern in einer mehrtägigen Schulung. „Wir begrüßen sehr, dass es mittlerweile mehr Regularien gibt. Das erhöht sowohl die Sicherheit als auch die Verlässlichkeit, denn der Gesetzgeber unterscheidet nicht zwischen privaten und gewerblichen Drohnen “, betont Benjamin Wiens.

Dass in naher Zukunft Drohnen die Pakete bringen, das sehen die Bielefelder Gründer zwar noch nicht, aber dass den Industriedrohnen mit speziellen Applikationen die Zukunft gehört, das würden die beiden jederzeit unterschreiben. Die Entwicklung im Bereich Industrie 4.0 ist schließlich rasant.




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