World Architecture Award 2017

Bielefelder Entwurf nominiert

Vom schwimmenden Wohncontainer in Kopenhagen, der lächelnden Londoner Aussichtsplattform „The Smile“ über ein pflanzenbewachsendes Bürohochhaus in Tokio bis hin zum surrealen Automobil-Museum in Los Angeles – über 1.000 Arbeiten aus 68 Ländern wurden in diesem Jahr beim World Architecture Festival eingereicht. Prämiert werden jetzt am 17. November in Berlin sowohl fertiggestellte Bauwerke als auch konzeptionelle Projekte. Als einer von 14 Finalisten und nominiert für den „Residential Future Project Award 2017“ stellt das Bielefelder Architekturbüro Wannenmacher + Möller seinen Entwurf für die Umnutzung des Telekom-Hochhauses noch einmal persönlich in Berlin vor. Und steht der Jury am 15. und 16. November Rede und Antwort.

In diesem Jahr präsentieren sich bereits zum zehnten Mal bemerkenswerte Bauprojekte aus aller Welt beim World Architecture Festival. Mit dem „Residential Future Project Award“ wird regelmäßig ein noch unvollendetes Projekt ausgezeichnet. 2016 hieß der Preisträger Design & More International (DMI). Das saudische Architekturbüro wurde für sein Projekt „Uptown Makkah“, das für ein 80.000 Quadratmeter großes Areal geplant wurde, prämiert. In diesem Jahr zählt das Bielefelder Architekturbüro Wannenmacher + Möller mit seinem Entwurf für das 78 Metern hohe und damit zweitgrößte Gebäude der Stadt zu den Nominierten. Der Entwurf sieht vor, das zum Teil leer stehende Telekom-Hochhaus umzubauen, einer Wohnnutzung zuzuführen und dabei auch den angrenzenden Kesselbrink zu beleben.

Bielefelder Solitär, der in den Himmel wächst

Hochhäuser in New York sind anders als die in Köln oder Bielefeld. Immer aber üben sie eine Faszination des Über-der-Stadt-Schweben aus. Und sie erleben eine Renaissance – haben den Mief und das Negativ-Image der 1960er und 70er Jahre hinter sich gelassen. Nicht zuletzt, weil sie in den Metropolen unserer globalisierten Welt Stadtteile neu erschließen und aufwerten. Denn die Zeiten, in denen Hochhäuser als schlichte wie unästhetische Kästen daherkommen, sind vorbei. Den neu gestalteten Kesselbrink in einen qualitativen Stadtplatz zu verwandeln, ist auch Ziel des Entwurfs von Wannenmacher + Möller. Durch ein Wohngebäude sollen mehr Menschen diesen städtischen Raum nutzen und dazu beitragen, den Kesselbrink zu beleben. 1974 wurde das Bauwerk am größten innerstädtischen Platz der Stadt mit 18 Stockwerken fertiggestellt. Anfangs beherbergte es das Fernmeldeamt, mittlerweile steht es seit mehreren Jahren leer.

Den Kesselbrink beleben

Der Entwurf Wannenmacher + Möllers verfolgt ein additives Konzept. Vorgesehen ist, die für Bürobauten der 60er Jahre typische monotone Gebäudefassade zu entfernen und durch raumhohe Schiebeelemente aus Glas zu ersetzen. In einem zweiten Schritt sorgen dann unterschiedlich breite und geschosshohe vorgefertigte Module, die an die vorhandene Tragkonstruktion aus Stahlbeton angefügt werden, als Wintergärten, Loggien oder Gärten für eine Erweiterung der Wohnflächen. Dabei bricht die unregelmäßige Verteilung die Monotonie der Fassade und verleiht ihr ein lebendiges und abwechslungsreiches Erscheinungsbild. Unterschiedlich große Wohnungen sorgen wiederum für eine vielfältige Bewohnerstruktur. Der nominierte Entwurf des Bielefelder Architekturbüros sieht darüber hinaus im ersten Obergeschoss, das mit dem angrenzenden Parkhaus verbunden ist, auch Platz für ein Restaurant vor, während das Dach des Hochhauses den Bewohnerinnen und Bewohnern als Garten und Terrassenfläche dient. Auch die ehemaligen Antennenaufbauten hat Wannenmacher + Möller in seiner Konzeption berücksichtig. Hier könnte ein viergeschossiges Appartement mit eigenem Dachgarten entstehen. Strategien für eine nachhaltige Architektur – das Vermeiden von Abrisskosten sowie der nachhaltige Umgang mit materiellen Ressourcen – gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ebenso wie die Bereitstellung erschwinglichen Wohnraums. Auch das sind Aspekte, die bei der Vergabe von Architekturpreisen längst berücksichtigt werden.




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