Himmelsstürmer

Die längste Rolltreppe

Bälle rollen, Steine rollen und ja, auch Treppen. Rolltreppen sind ein sicheres Zeichen für Urbanität. Und die Längste in OWL befindet sich seit Ende Oktober in Bielefeld. Das Loom – eines der modernsten Shopping-Center Deutschlands – ist Heimat des 23 Meter langen Express‘. Unter der beeindruckenden 15 Meter langen Kuppel werden Einkaufsenthusiasten damit vom Erdgeschoss bis in die zweite Etage gebracht.

Eine Rolltreppe ist laut nüchterner Definition übrigens ein Personenbeförderungsmittel zur Überwindung einer Höhendistanz, bei dem sich bewegende Metall- oder früher Holzsegmente Treppenstufen bilden. Um den Titel „längste Rolltreppe der Welt, Europas oder Deutschlands“ konkurrieren so einige rollende Treppen. Dabei ist es eine Sache der Definition. Ist es eine zusammenhängende Treppe? Ist sie freischwebend? Und wie viel Höhenmeter werden damit eigentlich überwunden?

Locker in die Höhe

Besonders beeindruckende Exemplare finden sich z. B. in Hongkong und in Russland. Reiseexperten sind sich einig, dass Russlands Metro-Stationen allein schon eine Reise wert sind. In der Station Admiralteiskaya in Sankt Petersburg fährt man auf einem 137 Meter langen zusammenhängenden Treppensystem. Und die Central Mid-Levels Escalator in Hongkong kann gar stolze 800 Meter vorweisen. Hiermit überbrückt man 135 Höhenmeter. Da es aber nur ein Band gibt, kann immer nur in eine Richtung gefahren werden. Morgens geht's für wenige Stunden runter, ab dem Vormittag bis Mitternacht dann wieder hinauf. Da sie auf diversen Ebenen mehrfach unterbrochen ist, bleibt ihr der Titel „längste Rolltreppe der Welt“ allerdings verwehrt.

Die kleinste Rolltreppe der Welt befindet sich angeblich in Kawasaki in Japan. Man überwindet mit dieser Fahrtreppe innerhalb eines Kaufhauses nur eine Höhendifferenz von 83cm.

Bielefeld rollt

Da kann die 23 Meter lange zusammenhängende Rolltreppe des Loom natürlich ganz locker mithalten. Insgesamt 21 Rolltreppen wurden bei diesem millionenschweren Investitionsprojekt in der einstigen City Passage eingebaut. Und die verrichten ihren Dienst höchst energiesparend – sie rollen nur dann, wenn sie auch wirklich benutzt werden. Während der Bauphase staunten die BielefelderInnen nicht schlecht, als die Rolltreppen nach und nach einschwebten. Mit Kränen wurden die 1,5 Tonnen schweren Personenbeförderungsmittel hochgehievt und in ein großes Loch – hier entstand später die Glaskuppel – in der Mitte des neuen Shopping-Centers vorsichtig heruntergelassen.

Bei der großen Eröffnung des Loom, das 110 Shops, Cafés und Restaurants unter einem Dach vereint, zeigten sich die knapp 100.000 Besucher begeistert von der Architektur des Gebäudes. Dieses beherbergte einst Bielefelds erste Nähmaschinenfabrik. Und deshalb griffen die Innenarchitekten der  neuen Einkaufswelt Leinen und Stoffe sowie die Anmutungen an Industrie-Lofts und Industriebauten auf und schlugen eine Brücke von der Historie zur Moderne.

Die erste Rolltreppe Deutschlands soll kurz vor Weihnachten im Jahr 1898 im Kaufhaus Polich in Leipzig in Betrieb genommen worden sein. Damals wie heute werden die rollenden Treppen gern in Kaufhäusern eingesetzt, um den Kunden ein Höchstmaß an Bequemlichkeit zu bieten. Happy Christmas Shopping!




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