Gründer des Monats: Fachwerkraum

Raum zur Entfaltung

Die Metropolen dieser Welt wachsen weiter. Zürich ist mittlerweile die teuerste Stadt Europas, aber auch Frankfurt, Hamburg und München haben merklich angezogen. Entsprechend knapp und teuer ist in den Ballungsräumen schon heute das Angebot an Wohnraum.

„Daran wird sich auch in absehbarer Zeit nicht viel ändern“, ist Dominik Peitsch überzeugt. Der 47-Jährige hat, um vorhandenen Raum besser zu nutzen, ein seriell aufgebautes Möbelmodulsystem entwickelt. Fachwerkraum heißt das Bielefelder Start-up.

Klein, funktionell, schön. Fachwerkraum beweist, dass wenige Quadratmeter viel Raum zur Entfaltung bieten können. „Weniger Wohnraum heißt nicht unbedingt Verzicht“, betont der Bielefelder, der mit seinem modularen Möbelsystem die besonderen Eigenschaften kleiner Räume berücksichtigt. Vielmehr erzielt er durch den weitgehenden Verzicht von Vertikalen und Längslinien mehr Raum zum Leben.

Hochkant organisiert

Entwickelt hat der Bielefelder zwei Arten wandseitig zu befestigender Grundprofile. In diese lassen sich Eichenholzplatten und -leisten in unterschiedlichen Breiten und Längen einhängen oder einschieben. Die Steck- und Schubprofile bilden die Basis des modularen Möbelsystems. Zudem erfüllen sie gleich mehrere Funktionen. Sie geben nicht nur Halt, sondern sind strukturgebendes Raster für den Raum und sorgen für eine statisch optimale Senkrechtfixierung. Dabei werden die Edelstahlprofile jeweils parallel an gegenüberliegenden Wänden miteinander verschraubt. Das Schienensystem lässt sich dann individuell mit Holzplatten oder -leisten, wahlweise massives Eichenholz oder Schichtholz, aber auch mit Boxen, Gittern oder Glas ausfachen. „So entstehen Tische, Bänke, Betten, Garderoben oder Regale in immer gleicher, offener und den Raum breiter machender, sehr geradliniger Optik“, so Dominik Peitsch. Der große Vorteil: Der Boden bleibt frei. Optisch gewinnt jeder Raum dadurch an Größe.

Flexibel verankert

Die Idee für das modulare Möbelsystem entwickelte der erfindungsreiche Bielefelder, als er für einen seiner drei Söhne platzsparende, flexible und zeitlose Möbel suchte. Er feilte an seiner Idee und der Überlegung, die Wände der Räume mit einzubeziehen. „Ich habe schon immer gern Produkte gestaltet, wollte sogar ursprünglich einmal Tischler werden“, so der Bielefelder, der über 15 Jahre lang in der Radbranche den Bereich Export, Marketing und Produktentwicklung verantwortete und 2010 für den Entwurf eines Fahrradgepäcksystems mit dem „Red Dot“-Award ausgezeichnet wurde. Seine Vorliebe fürs Bauhaus im Gepäck entstand das minimalistische modulare Möbelsystem. Es fußt auf einem geradlinigen, reduzierten Design und – obwohl maßgefertigt – bringt es ein hohes Maß an Variabilität mit. Und Tragfähigkeit. Denn das System trägt 5 Kilogramm ebenso selbstverständlich wie eine Belastung von 500 Kilogramm.

Ressourcen schützen

Bei der Entwicklung des Möbelsystems wollte Dominik Peitsch allerdings mehr als nur ein modulares System für kleine Räume schaffen. Er setzte sich auch mit der Frage auseinander, wie sich ein schlichtes, möglichst natürliches, rohes System entwickeln lässt, das keinen Abfall produziert und sehr lange benutzt werden kann. „Ich wollte den Nutzer und dessen Kreativität einbeziehen und gleichzeitig die Wertschöpfungskette auch unter dem Gesichtspunkt ,cradle to cradle' möglichst breithalten“, betont der Bielefelder. Ressourceneffizienz und Lebensdauer sind ein wesentlicher Ansatz für Fachwerkraum und seine Produkte. Diese werden weder geschraubt noch geklebt; stattdessen gesteckt oder geschoben. „Dadurch gibt es keine Verschleißteile“, betont Dominik Peitsch, der bei der Entwicklung vieles ausprobiert und wieder verworfen hat. „In der Reduktion liegt oft der Schlüssel“, sagt er mit einem Lachen. Und bringt zudem weitere Vorteile mit. So erleichtert das einfache „Stecken“ und „Schieben“ des Systems auch bei Umzügen die Anpassung an neue Gegebenheiten.

Für die Vermarktung des Systems richtet sich das Bielefelder Start-up an den Möbelfachhandel, der beim Kunden auch Einbauten übernimmt. Gleichzeitig ist das System für Tischler, Architekten und Innenarchitekten interessant. „Die Vermarktung ist der wesentliche nächste Schritt“, weißt Dominik Peitsch, der bereits einige Aufträge realisiert hat. Produziert wird übrigens vor Ort in Bielefeld. Auch das gehört zur Philosophie des jungen Unternehmens. Fachwerkraum möchte die guten Strukturen Bielefelds und Ostwestfalens für seine Möbel, die zu schweben scheinen, gezielt nutzen.




EN