appweeve

Aus der Welt nach Bielefeld

„Wir versuchen nun auch schon mal einen Abend ohne Arbeit miteinander zu verbringen“, lacht Daniel Tucholko. Gar nicht so einfach, wenn drei kreative Köpfe genau diese zusammenstecken und immer wieder neue Ideen entwickeln.

Vor etwas über einem Jahr haben sich der technikaffine studierte Künstler, der Informatiker Simon Pamiés und der Biotechnologe Julian Mayland zusammengetan und appweeve gegründet. Es geht um Big Data, Cloud-Lösungen und natürlich Apps.

Der Name setzt sich zusammen aus app für Applikation und eine angedeutete Form des englischen Webens. Und tatsächlich geht es bei appweeve um die übersichtliche Aufbereitung großer Datenmengen, die sinnvoll verknüpft und visualisiert werden – hier kommt übrigens der Künstler ins Spiel. Ihre Aufgabenteilung vergleichen die drei Gründer mit einem Bauprojekt: „Simon Pamiés als klassischer Informatiker ist Architekt und Bauleiter des Projekts, Julian Mayland managed die Programmierung und Analysen und schafft damit die Raumaufteilung und die Feinheiten, während Daniel Tucholko sich um das Design kümmert, damit auch alles schön aussieht.“ Übertragen auf den IT-Bereich heißt das: Große Datenmengen werden gesammelt, blitzschnell ausgewertet und so dargestellt, dass der Kunde auf einem Blick das sieht, was er wissen möchte. Der Bedarf bzw. die Anforderungen werden vorab in ausführlichen Gesprächen vor Ort geklärt. „Ich bin meist am Anfang und am Ende eines Projekts beim Kunden mit dabei“, erklärt Daniel Tucholko. „In der Projektphase selbst ist dann meist ausschließlich IT-Know-how gefragt.“

Daniel Tucholko, Julian Mayland & Simon Pamiés

Internationaler Start

Es ist schon ein wenig ungewöhnlich, dass appweeve mit seinem ersten Projekt gleich international gestartet ist. Und so ging es los: Die Firma SAP suchte Unterstützung bei der Entwicklung von Software zur Analyse von Segelregatten. Wie wird beispielsweise der Wind aufgenommen und mit welchem Luftwiderstand ist zu rechnen? „Die Boote heute sind so technologisiert wie bei der Formel 1. Ein Boot liefert 500 Datenpunkte pro Sekunde, da hat man schnell sehr viele Daten, die sinnvoll verbunden werden müssen“, berichtet Julian Mayland, der auch schon live an Bord dabei war. „Die Segelteams fanden, dass ich mitkommen sollte, damit ich möglichst nah dran bin“, lacht er, obwohl er nach dieser Erfahrung natürlich keinen trockenen Faden mehr am Leib hatte. Bei Geschwindigkeiten von etwa 36 Knoten – fast 67 km/h – ist das auch kein Wunder.

Weltweit unterwegs

Julian Mayland ist für die junge Firma häufig in der ganzen Welt unterwegs. Australien, China, Russland, USA und Europa. „Ich habe im Büro eine große Karte hängen. Da kann ich immer die Länder freirubbeln, die ich besucht habe.“ Manchmal klappt es, dass der studierte Biotechnologe noch ein paar Urlaubstage dranhängen kann. Etwa zwei bis drei Monate ist der 35-Jährige im Jahr on tour.

Trotz aller Außentermine ist eigentlich immer einer der drei Applikationsweber im Büro in Bielefeld zu finden. Unterstützt werden die Gründer von einem wachsenden Team an Programmierern, Datenbank-Experten und einer Assistenz, die sich um die Finanzen, Dokumente und Reiseplanung kümmert. Montags ist das Status-Meeting, damit alle – auch die projektbezogenen Mitarbeiter – wissen, was gerade ansteht.

Und mittelfristig, da sind sich die drei Gründer einig, soll das Geschäft auch in der Region Ostwestfalen-Lippe stattfinden. Denn es gibt viele Anknüpfungspunkte zur lokalen Wirtschaft, auch wenn ein Fokus auf dem Bereich Sport Analytics für u. a. Fußball, Tennis und Reitsport liegt. Unabhängig davon, ob es sich um ein Segelboot, eine Maschine oder einen Transport-Lkw handelt, es geht um einen nutzbringenden Umgang mit großen Datenmengen und der sichere Umgang damit. „Daten sind nicht die Lösung, sondern ein Mittel“, verdeutlichen die drei von appweeve ihre Philosophie. „Im Mittelstand finden sich viele spezialisierte Zulieferer, die ebenso spezialisierte Lösungen benötigen. Existierende Software benötigt mindestens Anpassung, wenn nicht maßgeschneiderte Erweiterungen“, machen die App-Experten deutlich.

Warum eigentlich Bielefeld? „Wir hätten auch nach Berlin gehen können, da gibt es eine gute Infrastruktur für Start-ups“, so Daniel Tucholko. „Aber die Stärke Ostwestfalens ist unbestritten der Mittelstand mit vielen starken Unternehmen und Handwerksbetrieben. Wir fühlen uns mit der Stadt verbunden. Das ist schon nett hier. Warum also nicht in Bielefeld ein kleines Silicon Valley gründen?“

www.appweeve.com

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