Prickelndes Start-up

Limoment

Noch nicht einmal ein Jahr liegt die Gründung des Start-ups Limoment zurück. Aus einer ursprünglichen Nicht-Schnapsidee – Gründer Janosch Kriesen ist bekennender Nicht-Trinker – hat sich ein prickelndes Geschäftsmodell entwickelt: Limonaden aus Zutaten aus der Region.

Die anfängliche Spaßaktion – die Limo war eigentlich nur für den Freundeskreis gedacht – hat einen Nerv getroffen. Nach der ersten Abfüllung posteten die vier Schulfreunde ein Bild von der ersten Flasche mit dem Bielefelder Jahnplatz im Hintergrund. Der WDR berichtete und daraufhin standen die Telefone nicht mehr still.

Drinkstarter

Janosch Kriesten (Erzieher), Moritz Kinder (BWLer), Kim Marcel Czesna (Designer) und Philipp Marsell (Soziologe) setzten sich hin und überlegten ganz in Ruhe, welche Strukturen sie brauchten, um das Geschäft mit der Limonade aufzubauen und weiter zu optimieren. Mittlerweile ist Limoment in vielen Geschäften und Gastronomie-Betrieben in der Region vertreten. Durch den Gewinn des bundesweiten Getränke-Wettbewerbs „Drinkstarter“ ist die Neugründung fortan bundesweit in 1.250 Fachmärkten vertreten. Zunächst ist das Listing auf sechs Monate begrenzt. Zeit für die vier Jungunternehmer, sich zu bewähren und ihr Getränk nachhaltig zu etablieren.

Wie sieht aber eigentlich ein Arbeitstag des geschäftsführenden Gesellschafter Janosch Kriesten aus?

„Einen normalen Arbeitstag gibt es eigentlich nicht“, lacht der ehemalige Erzieher. „Ich mache mir für jeden Tag einen Plan und dann kommt es ganz anders.“ Das erfordert Flexibilität und macht aber auch den Spaß an der Sache aus. Oft ist er in der Region unterwegs, spricht mit Filialleitern von Getränkemärkten, mit den Großhändlern, die die Auslieferung übernehmen und hat natürlich die Bestellungen im Blick. „Wir produzieren nur nach Bedarf“, so der 27-Jährige. „Wenn wieder eine neue Abfüllung ansteht, spreche ich mit der Mosterei Wernicke in Leopoldshöhe. Die haben aber signalisiert, dass sie immer ausreichend Apfelsaft da haben. Als Nächstes rufe ich die Privatbrauerei Hohenfelder in Langeberg an, um einen Termin für die Abfüllung zu vereinbaren. Die Etiketten haben wir aber tatsächlich auf Vorrat da. Darum muss ich mich im regulären Geschäft nicht kümmern.“ Wenn ein Termin gefunden ist, macht sich Janosch Kriesten auf in Richtung Rheda-Wiedenbrück, um bei der Abfüllung in Langenberg live vor Ort zu sein und das Getränk natürlich auch gleich zu verkosten. „Da es sich um ein Naturprodukt handelt, variieren Farbe und Geschmack schon mal. Meist sind das Nuancen. Je nach Ernte, haben Äpfel mal mehr, mal weniger Säure. Das muss man den Kunden natürlich auch erklären können.“

Für den Vertrieb ist Soziologe, Philipp Marsell zuständig, der nicht nur kommunikativ, sondern auch eine richtige Anpackmentalität mitbringt. Kim Marcel Czesna ist studierter Grafikdesigner und zeichnet für die Gestaltung von Etiketten, Werbematerialien, Website und Social Media verantwortlich. Moritz Kinder ist studierter BWLer mit dem Master in Marketing und kümmert sich nicht nur um die Außendarstellung, die richtige Ansprache der Zielgruppen, sondern ist zudem auch ein Meister der Zahlen. Bei der Buchhaltung eine gute Unterstützung für Janosch Kriesten, dem kreativen Kopf und Motor hinter der Idee.

„Mittels moderner Kommunikationstechnik können wir sehr transparent miteinander arbeiten“, erklärt Janosch Kriesten die Vorgehensweise. „In einem Kontakt-Programm sind alle Ansprechpartner samt Kontaktdaten hinterlegt. Hier können wir unsere Arbeit dokumentieren und jeder von uns kann jederzeit etwas ergänzen oder Fragen stellen. So sind wir immer alle auf einem Stand.“ Das Gespräch miteinander wird dadurch selbstverständlich nicht ersetzt. Immer montags am Abend findet das Teamtreffen statt – allerdings virtuell. „Das stammt noch aus der Zeit, als alle verstreut gewohnt haben. Wir haben das online beibehalten, weil es sich bewährt hat. Von jeder Besprechung gibt es ein umfangreiches Protokoll, an dem alle mitschreiben. Mittlerweile haben wir schon über 150 zusammen, damit ist eigentlich auch die komplette Entstehung unseres Unternehmens dokumentiert.“

Die Tage sind vollgepackt – nur freitags ist es etwas ruhiger. „Da sind unsere Kunden, die Getränkemärkte und Gastronomie-Betriebe, stark eingebunden. An diesem Tag können wir uns um andere Dingen kümmern.“

Oder es einfach auch mal etwas ruhiger angehen lassen. Den Kopf frei haben für neue Idee. Wie zum Beispiel Werbepostkarten, die in schönen Holzaufstellern in Kneipen und Restaurants für die nötige Aufmerksamkeit sorgen sollen. „Ich habe Kontakt zu proWerk in Bethel aufgenommen“, so Janosch Kriesten. „Dort habe ich seinerzeit meine Ausbildung zum Erzieher gemacht. Und jetzt werden die Aufsteller mit Holz aus Bielefelder Wäldern oder anderswo aus der Region in den Behindertenwerkstätten gefertigt.“ Eine tolle Wertschätzung der Arbeit, die Menschen mit Behinderung leisten. Es sind genau die regionalen Netzwerke, die Janosch Kriesten interessieren. „Ich glaube, so kann man etwas erreichen, wovon alle Beteiligten profitieren und es allen gut damit geht.“

Und wie geht’s mit Limoment weiter?

„Wenn ich irgendwann meinen Lebensunterhalt damit verdienen kann, habe ich alles erreicht.“

www.limoment.de

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