persomatch

Von der Landwirtschaft ins digitale Zeitalter

Die Idee der Unternehmensgründung hat Tristan Niewöhner schon immer fasziniert. Als kleiner Junge lief er durch die leeren Hallen des großelterlichen Betriebs. „Mein Opa hat nach dem Zweiten Weltkrieg einen Kartoffelroder namens Wühlmaus erfunden. Das Besondere daran war, dass diese Maschinen im Gegensatz zu den herkömmlichen unter der Erde arbeiten konnten.“ Bis in die 1990er bestand die Firma und noch heute findet man gebrauchte „Wühlmäuse“ in Internetportalen für Agrarmaschinen.

Heute ist der 30-Jährige Geschäftsführer von persomatch, gegründet im Januar 2017. Im Auftrag seiner Kunden schaltet Tristan Niewöhner Stellenanzeigen bei Google. Die Automatisierung der Mitarbeiterakquise für Konzerne, mittelständische Betriebe und Einzelhändler ist ein Markt, in dem das Bielefelder Start-up seine perfekte Nische gefunden hat.

Tristan Niewöhner

Auf dem Weg dahin hat der Jungunternehmer viele Erfahrungen gesammelt. Nach dem Abitur studierte er BWL in Paderborn, um möglichst breit aufgestellt zu sein. Zwei Auslandssemester absolvierte Tristan Niewöhner, eins in Peking und das andere in Normal, südlich von Chicago. Nach dem Studium durchlief er im Rahmen eines Trainee-Programms bei Gerry Weber alle Stationen innerhalb des Unternehmens und verbrachte einen Monat in Kopenhagen. „Ich hätte im Unternehmen bleiben können, aber ich entschied mich, zusammen mit ehemaligen Kommilitonen ein erstes Start-up zu gründen – einen Shop für Lieferservices. Denn bei den großen, bekannten Lieferdiensten blieb für den Pizzabäcker kaum etwas übrig. Er wurde durch die Verträge eher dafür bestraft, wenn er mehr Umsatz machte. Das wollten wir anders gestalten. Unsere Idee war gut, aber wir haben uns nicht ausreichend um den Vertrieb gekümmert. Und unser Werbeetat war natürlich nicht so üppig ausgestattet wie bei den großen Ketten. Aus dieser Zeit habe ich viel mitgenommen.“

Aus Fehlern lernen

Tristan Niewöhner ließ sich nicht entmutigen und gründete Loom Technologies – ein Unternehmen für Logistik-Software. Das lief gut und der ehemalige BWL-Student verkaufte später seine Anteile, um sich auf persomatch zu konzentrieren.

„In Deutschland wird das Scheitern einer Idee als etwas Schlimmes betrachtet. In den USA ist das ganz anders. Überspitzt gesagt: Wer dort nicht bereits mit drei Projekten gescheitert ist, wird eigentlich gar nicht richtig ernst genommen. Das heißt aber nicht, dass das gleich existenzbedrohend ist und man mit einem Haufen Schulden dasitzt.“ Um das Scheitern aus der Tabu-Zone zu holen, organisiert er heute gemeinsam mit Eyüp Aramaz (von) FoodTracks, ebenfalls ein Start-up aus Bielefeld, regelmäßig die Fuckup Night. Hier berichten Gründer von Fehlern, aus denen sie ganz viel gelernt haben.

Weitere Erfahrungen sammelte Tristan Niewöhner als Start-up-Coach bei der Uni Paderborn, (er) beriet junge Existenzgründer, hielt Vorträge und organisierte Veranstaltungen. Durch seine gute Vernetzung in der Szene entstand der Kontakt zur Bertelsmann Stiftung, die dann etwas später die Founders Foundation aus der Taufe hob. Hier war der heute 30-Jährige von Anfang an mit dabei und war im Jahr 2016 Entrepreneur in Residence – mit dem Ziel, nach diesem Jahr ein eigenes Start-up auf die Beine zu stellen. Das Ergebnis: persomatch – Personalanzeigen, die auf Google gefunden werden. Auch das ist die hohe Kunst, die eigene Gründungsidee in einem Satz auf den Punkt zu bringen. „Ich habe bei der Gründerberatung immer wieder gemerkt, dass es wichtig ist, die eigene Idee kurz und allgemein verständlich zu formulieren. Und das funktioniert. „Ich bin froh, dass wir ein kommunikatives Produkt haben. Wir machen Stellenanzeigen bei Google. Das versteht jeder.“




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