Das kommt aus Bielefeld | Story
Geniestreiche von Upstream

Blaues Wunder aus Bielefeld

Der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch war für ihn vor vier Jahren der Auslöser, sich bewusst mit der Herkunft seiner Jeans zu beschäftigen. „Ich suchte damals eine neue Hose und wollte keine an der ‚Blut‘ klebt“, betont Andreas Güntzel mit Blick auf Arbeitsbedingungen in Ländern wie China, Bangladesch, Indien oder Kambodscha.

Ärger, Überzeugung, es kam vieles zusammen, was den Bielefelder motivierte sich beruflich neu zu orientieren. Heute produziert der 49-Jährige in seiner Bielefelder Manufaktur Upstream seine eigenen Geniestreiche. „Bio-Jeans“ mit klangvollen Namen wie Stiefelknecht, Blaues Wunder, Freudentanz oder Kraftpaket.

Julia & Andreas Güntzel

Den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, hat er nicht bereut. „Ich hatte zwar keine Verbindung zur Mode, aber das sichere Gefühl, dass ich mich ärgere, wenn ich es nicht mache“, sagt er mit Blick auf seine bis dahin modefreie berufliche Laufbahn. Als Betriebswirtschaftler war er in leitender Funktion in der Metallindustrie zuhause, zunächst im Bereich Möbelbeschläge, dann im Sondermaschinenbau. Andreas Güntzel kniete sich in die neue Materie. Er recherchierte, entwickelte einen Businessplan, suchte nach Lieferanten, konzipierte eine Marketingstrategie. Tatkräftig unterstützt durch seine Frau Julia. Drei Mitarbeiter beschäftigt das Jungunternehmen inzwischen.

Früher Start in den Arbeitstag

Der Tag beginnt für den vierfachen Familienvater morgens um 6 Uhr. Bis die Kinder wach sind, schreibt er bereits die ersten Mails. Ab 7.30 Uhr startet er dann so richtig durch. „In großen Unternehmen ist die Arbeit auf viele Abteilungen und Schultern verteilt, bei mir laufen noch alle Fäden zentral zusammen“, erklärt Andreas Güntzel. Von der Suche nach Lieferanten, die GOTS und OekoTex zertifizierte Rohstoffe liefern über die Produktion bis hin zum Kundenkontakt, bedient er alle Bereiche. „Der Arbeitseinsatz ist schon enorm“, so der Jungunternehmer. Und auch planbar ist nicht immer alles. Flexibilität ist gefragt.

Auch von der Familie. Denn Wohn- und Kinderzimmer mussten der Geschäftsidee weichen. Neun industrielle Nähmaschinen bilden die Hardware für die Produktion der ökologischen Jeans „made in Bielefeld“. Elf Monate nach Unternehmensgründung liefen sie, nach weiteren sechs Wochen hielt Andreas Güntzel die erste Jeans in den Händen. Der erste Schnitt war in Zusammenarbeit mit der FH Bielefeld entstanden. „2014 haben wir dann mit zwei Herren- und zwei Damenschnitten mit der Bemusterung begonnen, ein kleines CAD gekauft und die Schnitte digitalisiert“, erklärt der Inhaber, der mittlerweile natürlich auch schon selbst an der Nähmaschine gesessen hat.

Zertifizierte Rohstoffe

Die nach GOTS und OekoTex zertifizierten Rohstoffe – Stoffe, aber auch Garne und Patches – wählt das junge Bielefelder Unternehmen mit größter Sorgfalt aus. „Wir achten genau darauf, was wir woraus und wie wir unsere Produkte herstellen“, betont der Geschäftsführer der Upstream GmbH. „Davon profitieren Käufer und Umwelt. Wir besetzen mit unseren Jeans „made in Bielefeld“ nicht nur eine Nische, wir passen unsere Geniestreiche bei Bedarf auch am Kunden individuell an. Gleichzeitig geht der Gedanke an Umwelt, Natur und qualitätsbewusste Produktion nicht verloren.“ Ein Anspruch, der nicht immer leicht zu erfüllen, aber für den Bielefelder die Sache wert ist.

Große Bandbreite

Mittlerweile gibt es über 200.000 verschiedene Möglichkeiten. Für Sie, für ihn und selbst für den Nachwuchs. Jede Jeans ist handgefertigt und damit einzigartig. Die Kollektionsvielfalt ergibt sich aus der Vielzahl der Modelle, Größen, Längen, Stoffe, Nahtfarben und Ausführungen, plus der Möglichkeit von individuellen Stickereien. „In den vergangen zwei Jahren haben wir unsere Jeans-Modelle gemeinsam mit unseren Kunden weiterentwickelt“, unterstreicht Andreas Güntzel. Offen für Kundenwünsche zu sein, ist für das kleine Unternehmen essentiell. Kraftpaket ist beispielsweise die Jeans für Sportler mit kräftigeren Oberschenkeln. Auch farbige Nähte – auf Wunsch grün, rot, gelb, orange oder neonfarben – verleihen jeder Jeans ein individuelles Gesicht. Individualität ist eine Stärke des jungen Bielefelder Unternehmens, das inzwischen auch für Industrieunternehmen Hosen fertigt.

Unterschiedliche Vertriebskanäle

Der Vertrieb erfolgt direkt über die Manufaktur. Bundesweit werden die Jeans „made in Bielefeld“ von Freising bis Aurich und Dresden bis Saarbrücken über Händler vertrieben. Parallel dazu läuft der Online-Vertrieb. „Die Website haben wir schon mit der Unternehmensgründung konzipiert“, so Andreas Güntzel. Besonders freut sich der Unternehmensgründer über die Platzierung seiner Geniestreiche auf der Utopia-Bestenliste. Auf der Website für nachhaltigen Konsum katapultierte sich das Bielefelder Unternehmen mit seinen Bio-Jeans und dem Alleinstellungsmerkmal „in Deutschland produziert“ auf Platz vier.

Die Jeans ist für das junge Bielefeld Unternehmen wie geschaffen dafür, ein nachhaltiges und langlebiges Kleidungsstück zu sein. Seinem „Blauen Freund“ – das Modell mit geradem Schnitt – ist Andreas Güntzel übrigens seit Anfang an treu. Seiner Frau Julia hat er dagegen mit „Freudentanz“ schon eine zweite Lieblingsjeans kreiert. Leidenschaft für das Produkt ist für das junge Unternehmen der Antrieb. Und so sprudeln die Ideen trotz langer Arbeitstage.

www.geniestreich-jeans.de

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