1. März 2018
Start-up des Monats: Mercury.ai

Bielefelder Bots

Start-ups

Das Interesse an effizientem Kundenservice ist riesig. Warum also nicht einfach den Dialog mit den Kunden automatisieren. Chatbots können hier eine gute Lösung sein. Das haben sich auch sieben Bielefelder Gründer gedacht und im Juli 2016 Mercury.ai aus der Taufe gehoben.

Momentan ist nicht nur in der Bot-Szene „Kim“ in aller Munde. Die Abkürzung steht für „Kitchen Intelligence by Maggi“ und so hilft Kim bei Kundenanfragen im Online-Kochstudio von Maggi mit cleveren Rezeptvorschlägen – ganz direkt und schnell. Außerdem merkt sie sich Vorlieben und Allergien. Lernfähig ist sie also auch noch? „Ich würde lieber sagen, dass sie trainierbar ist“, erklärt Mitgründer Stefan Trockel. „Denn es sollte schon beaufsichtigt werden, was die Bots lernen sollen.“

Mercury.ai entwickelt die Softwareplattform und Kim ist eine mögliche Ausgestaltung. Ein überaus erfolgreicher Prototyp für den Lebensmittelriesen Nestlé. „Die Zusammenarbeit war ein großer Glücksfall, denn so mussten wir uns nicht auf die Suche nach einem Investor machen und konnten gleich mit der Entwicklung beginnen“, erinnert sich der studierte Linguist. Das junge High-Tech-Unternehmen ist übrigens eine Ausgründung aus dem Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (Citec) an der Uni Bielefeld. Neben Stefan Trockel sind noch Jens Kretschmann und Michael Franke von Publicis Pixelpark sowie Dr. Christina Unger, Sherzod Hakimov, Maximilian Panzner und Prof. Dr. Phillip Cimiano aus der Arbeitsgrupe Semanting Computing mit im Boot.

Neue Anwendungsfelder erschließen

Stefan Trockel und zwei andere Mitarbeiter sind in Vollzeit für Mercury.ai tätig. Wenn er nicht auf nationalen und internationalen Konferenzen unterwegs ist, steht sein Schreibtisch im Bielefelder Pioneers Club in der Altstadt. Von dort aus kümmert er sich um Akquise, Vertrieb und Marketing. Als Linguist mit viel Erfahrung im Bereich Digitalstrategieberatung versteht er seine Arbeit als Brückenfunktion. Als einer der Geschäftsführer fällt in seinen Bereich u. a. auch die Buchführung. „Das ist nicht der Teil, der den größten Spaß macht“, lacht er. „Am liebsten arbeite ich konzeptionell und überlege mir, welche neuen Anwendungsfelder erschlossen werden können.“ Aber auch über die Konsequenzen von Chatbots macht sich Stefan Trockel Gedanken. „Wir dürfen nicht so tun, als wenn durch die Digitalisierung keine Jobs wegfielen. Der Kundenservice wird sich verändern. Bots werden sicherlich nie die komplette Kommunikation übernehmen, aber Maschinen werden repetitive Tätigkeiten ausführen, die vielleicht zuvor von Menschen mit einer geringeren Qualifikation ausgeführt wurden. Hier müssen sich Gesellschaft und vor allem die Politik fragen, welche Jobperspektiven man alternativ bieten kann.“

„Unser Anspruch ist die Champions League“

Mercury.ai entwickelt Lösungen für hochkomplexe Anforderungen. Das haben die Bielefelder schon mit Kim unter Beweis gestellt. Aber auch Lösungen für kleinere oder mittelständische Unternehmen stehen im Fokus. „Hier ist es unsere Aufgabe Erwartungshaltung und Budget zusammenzubringen. Wir haben gezeigt, dass wir einen Porsche bauen können, das heißt auch dass wir sehr gute Kleinwagen bauen können“, nennt Stefan Trockel ein plastisches Beispiel und formuliert die Erwartung, dass Chatbots perspektivisch preisgünstiger werden.

Seit Kim ihre Dienste für Maggi verrichtet, haben schon Mercedes Benz und die Porsche Holding angefragt. Die Porsche Holding ist aktuell Kunde und für Mercedes Benz wurde bereits ein Projekt umgesetzt. Chatbots können branchenübergreifend eingesetzt werden, die Anwendungsgebiete sind vielfältig, aber ebenso flexibel sind die Lösungen, die Mercury.ai erarbeitet. Und wo sieht Stefan Trockel die Zukunft von Mercury.ai. „Wir möchten technologisch führend sein. Um ein Bild aus dem Fußball zu bemühen: Unser Anspruch ist die Champions League.“

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