1. April 2020
Gründer des Monats: MChef

Das digitale Restaurant

Start-ups Story

Ein Konferenztisch auf dem Mond – festlich gedeckt für ein Candle Light Dinner. Ein Spaceshuttle liefert die kulinarischen Köstlichkeiten in einer schwarzen Box. Die Botschaft: Das Bielefelder Start-up MChef bringt Spitzengastronomie an jeden Ort.

„Ich weiß, dass der YouTube-Clip nicht ganz realistisch ist“, lacht Gründer Martin Eilerts. „Kerzen können auf dem Mond nicht brennen.“ Außerdem im Video zu sehen: Der Konferenztisch am Strand und mitten auf einer grünen Wiese. „Überall, wo eine Steckdose in der Nähe ist, kann unser Essen zum Genuss werden – ganz ohne Koch und Küche.“ Wie das funktioniert? Dahinter steckt ganz viel Erfindergeist, eine ausgefeilte Logistik und nicht zuletzt Hightech. Zusammen mit Miele gründete der gelernte Koch und studierte BWLer im Januar 2017 die MChef GmbH & Co. KG. Auf der Homepage von MChef wählt man aus der Speisekarte die gewünschten Gerichte aus. Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Vegetarisches, Veganes und auch Gerichte für Kinder stehen auf dem Programm. Ein leichtes Business-Lunch ist genauso bestellbar wie ein Menü. Und wenn man beispielsweise auf „Gebratene Perlhuhnbrust mit Kräuterkruste an Calvadossauce mit cremiger Morchel-Lasagne, glasierten Möhren und Pulled-Chicken-Praline“ klickt, erhält man eine passende Weinempfehlung und Angaben zu Nährstoffen, Allergeninformationen, Kalorien sowie sämtlichen Zutaten. Auch die Schokolade zum Kaffee kann gleich mitgeordert werden.

Aus Bielefeld auf den Tisch

Alle Komponenten – Fleisch, Fisch und Co. samt Beilagen – werden auf einem eigens entwickelten Porzellanteller angerichtet, verpackt und in der Regel innerhalb von 48 Stunden bundesweit ausgeliefert. Die ebenfalls speziell konstruierte Mehrwegbox ist Martin Eilerts ganzer Stolz. Bis zu acht Gerichte finden hier in vier Klimazonen Platz. „Vorspeisen und Hauptgerichte werden bei 6 °Grad gekühlt, während die Desserts – hierbei kommt auch Frischei zum Einsatz – tiefgekühlt transportiert werden“, berichtet der ehemalige Koch, der seine Gesellenzeit im Steigenberger Hotel, Bad Neuenahr, Brogsitter’s Sanct Peter, Walporzheim und im Hotel Park Lane in London absolvierte. Die Weine kommen übrigens servierfähig aus der Box, d. h. der Weißwein bei 10 °Grad, der Rotwein bei 16 °Grad.
Nach dem Essen packt der Kunde Teller, Abfall und Verpackung zurück in die Box, die von einem Paketdienstleister abgeholt wird. Apropos Verpackung: Hier hat Firmengründer Martin Eilerts sehr genau hingeschaut, um möglichst nachhaltig zu sein und wenig Müll zu produzieren. Und so sind auch die verwendeten Folien demnächst recyclingfähig – aus dem nachwachsenden Rohstoff Zuckerrohr.

Ohne Köche und Küche

Bei der Zubereitung kommt die technische Innovation der Firma Miele ins Spiel. Denn der mit einer Hochfrequenztechnologie ausgestattete Dialoggarer kann bis zu sechs unterschiedliche Gerichte auf den Punkt zubereiten. Egal ob Fisch, Fleisch, vegetarisch oder vegan – alle Komponenten, die auf dem Teller angerichtet sind, bekommen genau die Temperatur, die sie brauchen. In der Miele-App wird der Dialoggarer registriert und kann mit der MChef-App kommunizieren. In der Cloud sind alle Gerichte samt Beilagen hinterlegt. So werden die Zubereitungsparameter an den Dialoggarer übermittelt. Vor Ort braucht man damit tatsächlich weder Koch noch Küche, sondern lediglich eine Servicekraft, die das Paket in Empfang nimmt, die Gerichte auspackt und in den Dialoggarer stellt.
Ideal für eine kleine Gruppe von Geschäftsleuten, die aus unterschiedlichen Gründen den Konferenztisch nicht verlassen, aber dennoch nicht auf hochklassiges Essen verzichten möchte. „Für viele unserer Kunden sind die Faktoren Zeit und Diskretion entscheidend. Bei einer Konferenz kostet es mehr Zeit, wenn die Teilnehmer erst in ein Restaurant, das vielleicht weiter entfernt liegt, fahren müssen, um gut zu essen“, weiß Martin Eilerts. Die erste Kundin von MChef war als Pilotprojekt im Juni 2017 die Lufthansa First Class Lounge am Flughafen München. Mittlerweile zählen Großunternehmen, Banken, Dienstleister, der Mittelstand, Hotels, Restaurants, Fluggesellschaften und natürlich Privatpersonen in ganz Deutschland zur Kundschaft des Bielefelder Start-ups. Und wer weiß, vielleicht gibt’s auch bald die erste Lieferung ins All.

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