3. März 2020
Gründerin des Monats: dreiplus

Das Kind im Fokus

Karin Siebert

Start-ups

Dreiplus ist eine ordentliche Note in der Schule. Das Plus steht zudem für ein Mehr an Ideen, die Gründerin Karin Siebert in die Inklusionsberatung und -dienstleistungen einbringen möchte. Mit innovativen Ansätzen und professionellem Personalmanagement soll die Schulbegleitung – so der herkömmliche Begriff – auf eine neue Qualitätsstufe gehoben werden, um die Stärken von Kindern mit Förderbedarf bestmöglich, das heißt individuell, zu unterstützen.

Und so ist der Firmenname dreiplus kein Zufall. Ebenso wenig ist Bildung ein Zufall. So das Credo von Karin Siebert, die den Inklusionsgedanken mit Leben füllt. Denn nicht die Schüler*innen müssen sich den Strukturen der Bildungseinrichtung anpassen, sondern Schule muss auch dafür sorgen, dass alle Kinder mit ihren jeweiligen Fähigkeiten und Talenten am Unterricht teilnehmen können, dass ist keine leichte Aufgabe, bei der Anzahl der Schüler*innen und deren jeweiligen Anforderungen. Hier braucht es eine gute Unterstützung. 

Das Kind steht im Mittelpunkt und die Fachkraft muss zum Kind und seinen individuellen Bedürfnissen passen.

Karin Siebert

 „Deshalb sprechen wir auch nicht von Schulbegleitung, sondern von Inklusionsfachkräften“, so die engagierte 50-Jährige. „Das Kind steht im Mittelpunkt und die Fachkraft muss zum Kind und seinen individuellen Bedürfnissen passen.“ Deshalb liegt ein Fokus auf Personalbildung und dem professionellen Personalmanagement. Bildungsinfos wurden erarbeitet und den Inklusionsfachkräften an die Hand gegeben, um methodisches Vorgehen zu sichern. „Ganz wichtig ist, dass wir ständig in Kontakt mit den Fachkräften sind, deshalb wird jede Fachkraft mit einem Tablet ausgestattet. Die wöchentlichen Berichte, die in der Schulzeit des zu begleitenden Kindes von der I-Kraft geschrieben werden, sehen wir sorgfältig durch, so dass schnell und flexibel darauf reagiert werden kann, wenn neue Situationen in Schule oder KiTa entstehen.“

Lernfähig und offen sein

Zwischen August 2018 und Dezember 2019 hat Karin Siebert über hundert Vorstellungsgespräche geführt. Daraus sind 40 Beschäftigungsverhältnisse entstanden. Was müssen die Fachkräfte mitbringen? Das ist schnell auf den Punkt gebracht. „Sie müssen lernen wollen und gut zuhören. Denn wer gut zuhört und lernfähig ist, kann unsere Methode gut umsetzen, ist damit handlungsfähig und kann gut mit dem Kind arbeiten.“

Ihr Arbeitstag lebt von Gesprächen. Intensive Vorstellungsgespräche sind an der Tagesordnung, denn Karin Siebert möchte gern noch zehn weitere Integrationsfachkräfte einstellen. Und sie hat ein gutes Gespür dafür, welche Fachkraft zu welchem Kind passen könnte. Die Arbeitszeiten der I-Kräfte richten sich nach den Schulzeiten und betragen zwischen 15 und 32 Stunden in der Woche. 

Die Begleitung der Kinder kann drei Monate, aber auch bis zu zwei Jahre dauern. „Bei einem Kind haben wir sehr schnell festgestellt, dass kein Förderbedarf bestand. Es kam in der Schule nur aus dem Grund nicht mit, weil es schlecht sah und eine Brille brauchte. Deshalb frage ich in Elterngesprächen immer auch gleich, ob schon Seh- und Hörvermögen untersucht wurden.“ 

Herausforderungen meistern

Manchmal jedoch ist die Lösung nicht so naheliegend. „Ist ein Kind dauerhaft aggressiv, ist es meine Aufgabe die Integrationsfachkraft darin zu unterstützen, Ruhe in die Situation zu bringen. Dann schicke ich auch schon mal eine zweite Kraft mit in die Schule. Das ist wirtschaftlich unsinnig, aber für das Kind ist das gut.“ Gesellschaftliche und ökologische Verantwortung zu übernehmen, ist Karin Siebert wichtig. Das Personal wird professionell und umfassend geführt unter systemisch, salutogenem Personalmanagement innerhalb einer lernfähigen Organisation. Das erfordert Flexibilität und Zeit der Führungskraft.

Ich brauche kein Konzept für eine Work-Life-Balance. Ich bin Work-Life-Balance

Karin Siebert

„Ich mag gern arbeiten“, sagt Karin Siebert, die ihre Selbstständigkeit mit vielen neuen Ideen und Gestaltungswillen angegangen ist. Manchmal arbeitet sie sechs, an anderen Tagen zwölf Stunden. „Wenn ich eine Pause brauche, gehe ich mit dem Hund raus. Ich brauche kein Konzept für eine Work-Life-Balance. Ich bin Work-Life-Balance“, lacht die Gründerin. „Wichtig bei der Selbstständigkeit ist ein stabiles Umfeld. Ohne die Unterstützung der Familie wäre es nicht gegangen.“ 

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