1. Februar 2017
Start-up des Monats: Upstream

Die Blaue aus Bielefeld

Start-ups

Jeder hat eine. Jeder liebt sie. Jahrzehntelang stand sie für den Dresscode der Unangepasstheit. Rebellisch und so gar nicht Mainstream ist auch die Blaue aus Bielefeld. Ein Geniestreich von Andreas Güntzel, der die Lieblingshose auch ökologisch gut dastehen lässt. Ganz gleich, ob auf Taille oder Hüfte sitzend, mit oder ohne Stretch. Das junge Bielefelder Unternehmen produziert seine Jeans nachhaltig, individuell und vor Ort. 

Jede Jeans ist handgefertigt. Jede Einzelne kommt hochwertig und dabei klangvoll daher. Ob Kraftpaket, Blauer Freund, Stiefelknecht, Lieblingsblau oder Freudentanz. „Ökologische Mode muss nicht bieder sein“, findet Andreas Güntzel. „Unsere Geniestreiche sehen gut aus und der Gedanke an Umwelt, Natur und qualitätsbewusste Produktion geht dabei nicht verloren.“ Ein Anspruch, der nicht immer leicht zu erfüllen, aber für den Bielefelder die Sache wert ist.

Ökologisch und nachhaltig

Zum Einsatz kommen nach GOTS und OekoTex zertifizierte Rohstoffe, die die junge Bielefelder Manufaktur mit größter Sorgfalt auswählt. Und ist davon überzeugt, dass von einer Jeans, die gut sitzt und die keine Schadstoffe enthält, sowohl Käufer als auch Umwelt profitieren. Der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch, wo mehr als 1.000 Menschen starben, brachte Andreas Güntzel 2013 nicht nur zum Nachdenken. Er handelte. Suchte nach Möglichkeiten, um Jeans menschenwürdig und nachhaltig zu produzieren. Der BWLer, der als Geschäftsführer bislang Unternehmen in der Metallindustrie geleitet hatte, wog Fakten ab. Entschlossen Neues in Angriff zu nehmen. Heute besetzt er eine Nische. „Es war das sichere Gefühl, dass ich mich ärgere, wenn ich es nicht mache“, stellt der Inhaber der Upstream GmbH rückblickend zufrieden fest. Auch ohne modischen Know-how.

Drei Mitarbeiter zählt das junge Unternehmen heute. Neun industrielle Nähmaschinen bilden die Hardware für die Produktion der ökologischen Jeans „made in Bielefeld“. Elf Monate nach Unternehmensgründung liefen die Nähmaschinen, nach weiteren sechs Wochen hielt Andreas Güntzel die erste Jeans in den Händen. Der erste Schnitt war in Zusammenarbeit mit der FH Bielefeld entstanden. „2014 haben wir dann mit zwei Herren- und zwei Damenschnitten mit der Bemusterung begonnen, ein kleines CAD gekauft und die Schnitte digitalisiert“, erklärt der Inhaber. „Sie waren in jeweils zehn Größen und zehn Längen verfügbar.“

Individuell und vielfältig

Längst hat sich die Kollektion weiterentwickelt. Mit über 200.000 möglichen Varianten. Für Damen, Herren und selbst für den Nachwuchs. Entwickelt hat die Jeans-Manufaktur nah am und mit ihren Kunden. Mit Kraftpaket gibt es beispielsweise eine Jeans für Sportler mit kräftigeren Oberschenkeln. Die Idee den Bio-Jeans durch farbige Nähte ein individuelles Gesicht zu geben, stammt wiederum von einem Freund. Der Ferrari-Fan wünschte sich eine Hose mit roter Naht. Schnell wurden daraus 20 verschiedene Nahtfarben. Rot, Gelb, Grün oder Neon – alles kein Problem. Individualität ist eine große Stärke des jungen Bielefelder Unternehmens, das auch für Industrieunternehmen Hosen fertigt. Sakkotauglich und mit Firmenlogo, beispielsweise für einen einheitlichen Messeauftritt. Längst gibt es neben Denims in unterschiedlichen Farben und Gewichtsklassen auch zahlreiche Cordvarianten. „Unsere Fachkräfte verwandeln Stoffe und Fäden in atemberaubende Mode“, betont Andreas Güntzel, für den der Direktvertrieb über die Manufaktur besonders wichtig ist. Bundesweit läuft der Vertrieb über Händler, aber auch online kommen die Hosen ins Haus. Der vierte Platz auf der Utopia-Bestenliste, der Website für nachhaltigen Konsum, bestärkt den Gründer aus Bielefeld den Weg mit seinen Bio-Jeans und dem Alleinstellungsmerkmal „in Deutschland produziert“ weiterzugehen. 

Schließlich trat die legendäre 501, die von Stoffhändler Levi Strauss aus Buttenheim und Schneider Jacob Davis 1873 patentiert wurde, damals auch ihren weltweiten Siegeszug an. „Heute bieten wir Jeans, die zu unseren Kunden passen und zu der Welt, in der wir alle leben“, betont Andreas Güntzel mit Blick auf sein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Seinem „Blauen Freund“ – das Modell mit geradem Schnitt – ist Andreas Güntzel übrigens seit Anfang an treu. Seiner Frau Julia hat er dagegen mit „Freudentanz“ eine zweite Lieblingsjeans kreiert.

www.geniestreich-jeans.de

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