6. Januar 2020
ShopMyCity

Die Digitalisierung der Einkaufsstraßen

DKAB

Jannik Koletzko und Henrik Schmidt kennen sich seit Kindertagen, sind Nachbarn und haben schon gemeinsam ein Auto gebaut. Fast jedenfalls. Noch fehlt die Elektrik. Das Projekt „Auto“ steht momentan allerdings nicht ganz oben auf der Agenda, denn die beiden haben gerade erst „ShopMyCity“ gegründet. Eine Plattform zur digitalen Vernetzung des Einzelhandels mit der Kundschaft.

Es war die Unzufriedenheit mit dem Online-Shoppen, die sie zurück in die lokalen Läden geführt hat. Oft stimmte die Qualität nicht oder der Artikel sah „in echt“ ganz anders aus als im Netz. Mit „ShopMyCity“ möchten sie die Vorteile des Online-Shoppings mit der Einkaufsstraße vor Ort kombinieren. Man informiert sich zu Hause, geht gezielt los und kann das gewünschte Produkt im Laden begutachten, anfassen und kaufen. Dabei spielt auch der Umweltgedanke eine Rolle. Durch den explodierenden Paketversand steigen die Emissionen. Außerdem werden zurückgeschickte Waren zum Teil vernichtet. Da ist es doch einfacher zu gucken, ob der Einzelhandel vor Ort nicht genau das im Sortiment hat, was man gerade haben möchte. Im ersten Schritt haben Jannik Koletzko und Henrik Schmidt überlegt, was die die Plattform können muss. Sie wollten es dem Einzelhandel so einfach wie möglich machen, sich auf „ShopMyCity“ zu präsentieren.

Posten leicht gemacht

„Einzelhändler*innen können sich eine Online-Referenz einrichten und anschließend Anzeigen, wie zum Beispiel Produktneuheiten oder Angebote, posten“, erklärt Henrik Schmidt die Vorgehensweise. Wir bieten unterschiedliche Abo-Pakete, die jeweils eine gewisse Anzahl an Posts enthalten.“ Die Erstellung eines Posts nimmt nur wenige Minuten in Anspruch und die Einzelhändler*innen können so mit wenig (Zeit-)Aufwand mehr Menschen erreichen und letztlich ihren Bekanntheitsgrad und ihren Umsatz steigern.

Etwa ein halbes Jahr haben die Freunde an der Plattform getüftelt, bevor sie im Mai 2019 offiziell ihre GbR angemeldet haben. Learning by doing oder auf Deutsch „einfach mal machen“ war die Devise. Jannik Koletzko kümmert sich um das Design, während Henrik Schmidt vorwiegend für die technische Seite von ShopMyCity zuständig ist. Durch Informatikkurse an der Schule waren Grundkenntnisse bei der Programmierung vorhanden. Aber den Rest mussten sich die technikaffinen Gründer selbst erarbeiten. Ihre Investitionskosten hielten sich in Grenzen. „Geld haben wir bislang für das Hosting der Website, für rechtliche Beratung, die Apple-Lizenz und Flyer ausgegeben“, so Henrik Schmidt, der neben der Selbstständigkeit Maschinenbau studiert. Im Keller von Jannik Koletzko haben sie mittlerweile ein kleines Büro eingerichtet und dort nächtelang an der Erstellung des Flyers gearbeitet.

Kommunikation ist alles

Kontakte knüpfen war ein weiterer wichtiger Baustein – zu der Kaufmannschaft und auch zur Presse – für Jannik Koletzko und Henrik Schmidt, die die Gründungsberatung der IHK, die in der FH stattfand, in Anspruch genommen haben. „Leider bietet die Founders Foundation keine externe Beratung an. Die Programme sind nur für Interne und da waren wir mit unserer Idee schon zu weit“, bedauert Henrik Schmidt. Und was würden sie anderen raten, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen? „Es ist auf jeden Fall gut, mindestens zu zweit zu gründen. Man muss über die Idee mit möglichst vielen Menschen sprechen und immer wieder neu darüber nachdenken. Sonst kommt man womöglich nur auf die erstbeste Lösung, nicht aber auf die beste. Man muss so lange validieren, bis man auf alles eine Antwort hat. Wir haben in den vergangenen Monaten unseren Lernhorizont ungeheuer erweitern können.“

Jetzt heißt es bekannter werden und Reichweite generieren, damit möglichst viele Bielefelder Shops auf der Plattform zu finden sind. „Unsere Vision wäre es, dass die Menschen mit ihrem Handy durch die Stadt gehen, gezielt shoppen und unsere App auch noch als Stadtplan nutzen. Oder ihren Einkaufs-Trip effektiv damit planen. Außerdem könnten Einzelhändler*innen Angebote für eine begrenzte Dauer, zum Beispiel von ein bis zwei Stunden, einstellen. Das wäre dann wie eine kleine Schatzsuche.“

Wie man sieht, mangelt es den beiden Gründern nicht an weiteren Ideen. Man darf gespannt sein, wie und wohin sich ShopMyCity noch so entwickelt. Schließlich wäre das Konzept ja auf jede andere Stadt übertragbar.

www.shopmycity.de

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