1. März 2021
Gründung des Monats: Keep Ya Hands Clean

Eine Hand wäscht die andere

Start-ups Story

Pflegend, bio, vegan, nachhaltig verpackt und natürlich nachfüllbar – das Bielefelder Start-up Keep Ya Hands Clean setzt auf (Hand-)Hygiene-Produkte, die die Haut pflegen und die Umwelt schonen. 80 Prozent Bio-Alkohol sorgen für eine gründliche hygienische Reinigung, ätherische Öle und pflegende Essenzen übernehmen den Pflegepart. „Zudem spenden wir mit jedem verkauften Produkt die gleiche Menge an Hand-Hygiene-Produkten an Gesundheitszentren in Kambodscha“, so Gründerin Jenny Adamczak. Für sie ist soziales Engagement eine weitere wichtige unternehmerische Komponente.

Die Händereinigung und das Maske-Tragen zählen zu den wichtigsten Maßnahmen, um Infektionsketten zu unterbrechen. Dieses Wissen ist nach einem Jahr Corona tief in uns verankert. Das Bielefelder Start-up Keep Ya Hands Clean ist in dieser Zeit „geboren“ und trägt diesen Appell bereits in seinem Firmennamen nach außen. Ein Gründerstipendium hat den Start des jungen Bielefelder Unternehmens im Herbst 2020 beflügelt. „Dadurch kann ich mich voll und ganz auf den Auf- und Ausbau konzentrieren“, stellt Jenny Adamczak fest. „Ich möchte die Zukunft mitgestalten und Zeichen setzen und da stehen Themen wie Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ganz oben auf der Agenda. Viele Gründerinnen, mit denen ich im Kontakt bin, haben ein ähnliches Mindset. Es ist schön zu sehen, dass immer mehr Frauen – speziell im Bereich Social Start-up – gründen und so für andere zum Vorbild werden. Dann fällt es auch anderen Frauen leichter, diesen Schritt zu machen.“

Produkte neu denken

Bevor sie ihr Social Start-up gründete, arbeitete sie nach ihrem dualen Studium im Bereich International Business in verschiedenen Start-ups von Bielefeld bis London. „In London habe ich bei einem Social Start-up Erfahrungen gesammelt und mich intensiv mit Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Naturkosmetik beschäftigt. Da kommt man quasi von ganz allein auf den Gedanken, auch ein eigenes Unternehmen aufzubauen.“ Mit der Corona-Krise entwickelte sich durch das Thema Handhygiene schließlich die Idee zum Produkt. „Die hatte mir bis dahin gefehlt. Es war dann einfach der richtige Zeitpunkt: Die Relevanz für das Produkt war da und es gab noch keine adäquate Lösung auf dem Markt“, macht die 25-Jährige den impulsgebenden Moment aus. Sie legte los, recherchierte und konkretisierte nach und nach ihre Idee. „Learning by doing“, so beschreibt sie rückblickend den Weg von der Idee zum Produkt.
Fest stand für sie allerdings von Anfang an, dass das Produkt Hand-Hygiene neu gedacht werden muss. „Eine der drei Säulen, auf denen Keep Ya Hands Clean ruht, sind die Inhaltsstoffe des Produkts“, so Jenny Adamczak. Und so kommen neben bio-zertifizierten Rohstoffen, pflegende und gut duftende Komponenten zum Einsatz. „Es sind wenige, sehr hochwertige, traditionelle und rein natürliche Wirkstoffe, wie ätherische Öle und einen Birkenzucker-Pflegekomplex“, so Jenny Adamczak. Dabei versteht es sich fast von allein, dass die Produkte frei von Farbstoffen, Parabenen, Mineralöl, Aluminium, Silikonen, Weichmachern, Formaldehyd und PEGs sind und natürlich ohne Tierversuche auskommen. „Mit unserer Hand-Hygiene lassen sich die Hände ohne Wasser und Seife reinigen“, unterstreicht Jenny Adamczak.

Glas statt Plastik

Eine zweite unternehmerische Säule ist das Thema Nachhaltigkeit. Die Hände reinigen und dabei die Umwelt verschmutzen? Das kommt für die Gründerin nicht in Frage. Und so verfolgt sie konsequent die Devise: „Life in Plastic ist alles andere als fantastic!“ Folgerichtig kommt ihre Bio-Hand-Hygiene in 50 ml- und 500 ml-Glasflaschen daher, die zu Hause oder in Unverpackt-Läden nachgefüllt werden können. Nachfüllen ist für sie das neue Wegschmeißen. Müll vermeiden, wann immer es geht, heißt für sie daher auch: Große Flaschen sind sexy. Das schont den Geldbeutel und die Umwelt. „Dabei ist Glas für uns aktuell die ökologisch sinnvollste Verpackung“, macht sie deutlich und fügt hinzu: „Wir haben die Verpackungsalternativen im Vorfeld kritisch hinterfragt.“ In der Kombination aus „Mehrweg“ und „Regionalität“ – Keep Ya Hands Clean bezieht seine Flaschen aus Deutschland – hat das Start-up seinen Weg hin zur Kreislaufwirtschaft gefunden. Plastik um keinen Preis heißt dies im Umkehrschluss übrigens nicht. Der Sprayaufsatz sowie der Pumpspender sind aus Kunststoff. „Diese Plastikkomponente muss man nur einmal anschaffen, denn die Nachfüller sind mit Schraubverschlüssen ausgestattet“, erklärt Jenny Adamczak. Produziert und abgefüllt wird – ebenfalls mit Blick auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit – in Deutschland.

„Ich möchte Lösungen für Bereiche anbieten, in denen vernünftige, nachhaltige Produkte fehlen.“

– Jenny Adamczak

Crowdfunding als kreative Lösung

Mit einem mittelständischen Unternehmen, das sich auf Naturkosmetik spezialisiert hat, entwickelte das Bielefelder Start-up die Rezeptur. „Im Laufe dieses Prozesses eine Marke zu etablieren, war schon ein Wort“, unterstreicht die Gründerin. Ein Budget fürs Marketing war noch nicht vorhanden. Es brauchte kreative Ansätze. Die Lösung für Keep Ya Hands Clean: eine Crowdfunding-Aktion. „Wir hatten zwar ein gewisses Startkapital, aber wir mussten die erste Charge ja auch vorfinanzieren“, so die Bielefelderin. Gleichzeitig nutzte sie das Crowdfunding, um das Produkt bekannt zu machen. „Wir haben unsere Sichtbarkeit erhöht und darüber hinaus einen Blick dafür bekommen, wie das Produkt bei den Kundinnen und Kunden ankommt. Unsere Unterstützer, die wir mit Starter-Paketen versorgt haben, waren Läden, aber auch Privathaushalte, die die Mission hinter unserer Gründung gut fanden.“ Auch lokale Kooperationspartner*innen holte die Gründerin ins Boot. „Dort habe ich Keep Ya Hands Clean persönlich vorgestellt“, so die 25-Jährige, die auch beim Thema Design und Ästhetik einen hohen Anspruch hat und den Vertrieb zweigleisig aufgestellt hat. Neben dem Online-Shop vertreibt sie die Hand-Hygiene über Unverpackt- und Bioläden sowie Concept Stores. Ein eigener Social-Media-Kanal trägt ebenso zur Verbreitung der Marke bei. „Gerade in Lockdown-Zeiten läuft der Vertrieb über den Online-Shop gut, aber diejenigen, die schon immer bewusst lokal eingekauft haben, tun dies, um den lokalen Handel zu stützen, auch weiterhin“, macht sie deutlich.
Künftig möchte sich Jenny Adamczak aber nicht nur auf Produkte für die Hand-Hygiene beschränken. Im zweiten Schritt bietet sich eine Handseife an, um die Produktlinie zu vervollständigen. „Das ist auch für Hotels und Gastronomie ein schönes Duo“, so Jenny Adamczak. „Ich möchte Lösungen für Bereiche anbieten, in denen vernünftige, nachhaltige Produkte fehlen.“ Und wie gesagt: Als Social Start-up ist es Jenny Adamczak wichtig, nicht nur ihr Start-up engagiert voranzutreiben. Im Rahmen einer langfristig angelegten Zusammenarbeit unterstützt Keep Ya Hands Clean deshalb die Organisation Kleine Hilfsaktion e.V. Mit jedem verkauften Produkt spendet das Bielefelder Start-up die gleiche Menge an Hand-Hygiene-Produkten an Kindergärten, Schulen und Gesundheitszentren. Mit den WaSH Projekten des Vereins erhalten Menschen in Kambodscha dadurch Zugang zu Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene. Denn rund drei Milliarden Menschen haben keine hygienische Basisversorgung und können sich zuhause nicht die Hände mit Wasser und Seife säubern. „Das zu ändern ist mir eine Herzensangelegenheit!“, betont Jenny Adamczak.

keep-ya-hands-clean.com

Weitere Informationen zum Start-Up
Noch mehr News & Stories aus Bielefeld