Ausgezeichneter Kreislauf

ZF ist nachhaltig effizient

„Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare.“ So heißt es bei Erich Kästner. Beim Bielefelder Standort der ZF Friedrichshafen AG dagegen gilt: „Von der Wiege zur Wiege“. Die sinngemäße Übersetzung von „cradle to cradle“ mit „vom Ursprung zum Ursprung“ bringt etwas mehr Licht ins Dunkle: Damit wird eine konsequente Kreislaufwirtschaft bezeichnet und genau dafür gab es nun den Umwelt- und Klimaschutzpreis 2018 der Stadt Bielefeld.

Die industrielle Wiederaufarbeitung (Remanufacturing) von gebrauchten Antriebskomponenten spielt am ZF-Standort Bielefeld seit vielen Jahren schon eine wichtige Rolle. Dieses Engagement in Sachen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung würdigte Oberbürgermester Pit Clausen anlässlich der Preisverleihung. „ZF verfügt über eine langjährige Expertise in Sachen Wiederaufarbeitung und Recycling. Daher war es für uns naheliegend, dieses Engagement zu würdigen, da wir sorgfältig mit unseren Rohstoffen umgehen müssen und die Unternehmen ermutigen wollen, in der Zukunft noch stärker auf solche Konzepte zu setzen.“ Über den Umwelt- und Klimaschutzpreis freuten sich die 250 Mitarbeitenden am Standort Bielefeld.

Als einer der weltweit führenden Automobilzulieferer betreibt das Unternehmen in Bielefeld-Brackwede bereits seit 1963 ganz bewusst Reycling – oder treffender Remanufacturing. Der Nutzfahrzeugtechnik-Hersteller baut in Bielefeld Kupplungen für den Markt. Sind diese verschlissen, nimmt das Unternehmen die Aggregate zurück und fertigt aus den Altteilen, die zu Rohstoffen werden, neue Produkte. Der Kreislauf schließt sich. 95 Prozent des Materials werden so wiederverwertet. Dabei wird lediglich ein Zehntel der Energie verbraucht, die man für eine Neuproduktion von Kupplungen aufwenden muss. „Die Kreislaufwirtschaft wird immer wichtiger“, berichtet Jörg Witthöft, Leiter des Standorts Bielefeld der ZF Friedrichshafen AG. „Rohstoffe werden immer knapper und teurer. Bei einigen ist es schon absehbar, dass in nur einigen Jahrzehnten die Preise durch die Ressourcenknappheit sehr stark ansteigen.“ Täglich werden bei dem Bielefelder Unternehmen etwa 50 Tonnen Altteile angeliefert, sortiert und aufbereitet. Die jährlich eingehende Menge entspricht übrigens dem Gewicht des Eiffelturms.

Von der Wiege …

Der Umwelt- und Klimaschutzpreis der Stadt Bielefeld ist nicht die erste Auszeichnung für den ZF-Standort Bielefeld: Das Cradle to Cradle Products Innovation Institute mit Sitz im US-amerikanischen Oakland, Kalifornien hat de Bielefeldern für die Aufarbeitung von Kupplungsdruckplatten und Drehmomentwandlern bereits Cradle-to-Cradle-Zertifikate für ihre konsequente Kreislaufwirtschaft verliehen. Die Zertifikate werden jeweils für zwei Jahre verliehen und berücksichtigen unter anderem, ob für die Produkte umweltfreundliche oder nicht belastete Chemikalien verwendet wurden. Nun ist die Aufarbeitung von Kupplungsscheiben mit „Gold“ zertifiziert worden. Dies ist die zweithöchste Zertifizierungsstufe, die besagt, dass im Sinne der Kreislaufwirtschaft rund 95 Prozent der Materialien wiederverwendet werden. „Mit dem Ausrücksystem ConAct planen wir, die Aufarbeitung eines weiteren Produkts zertifizieren zu lassen“, sagt Standortleiter Witthöft. „Das ist eine ganz neue Herausforderung, weil hier erstmals auch elektrische Bauteile, die viele unterschiedliche Materialien beinhalten, dem Prüfverfahren unterliegen. Doch wir sind zuversichtlich, das mit unserer Erfahrung erfolgreich zu meistern.“




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