Der Blick durch die EggCam

Dem Osterei auf der Spur

Wenn der Eierverbrauch explosionsartig in die Höhe schnellt, kann das nur eins bedeuten: Es ist wieder Ostern. Normalerweise isst jeder von uns rund vier Eier pro Woche. In der Osterwoche sind es im Schnitt locker drei mehr. Bevor sich die Eier aber zu Ostern bunt gefärbt hinter Büschen, im Gras oder weiterverarbeitet in Fertigbackwaren oder Nudeln verstecken, hat ein Bielefelder Unternehmen seine Finger im Spiel.

Mit der EggCam bietet die insensiv GmbH eine speziell auf die Bedürfnisse in Ställen abgestimmte intelligente Bildverarbeitungslösung. In Verbindung mit einem Computer und entsprechender Software werden die Eier auf dem Transportband im Stall erkannt und gezählt. Doch die intelligente Kamera kann mehr: Sie erhebt weitere Daten, die dazu dienen, Prozesse im Stall zu optimieren, zu automatisieren und zu digitalisieren.

Neben der EggCam hat das mittelständische Unternehmen, das in Bielefeld rund 60 Mitarbeitenden beschäftigt, für unterschiedlichste Bereiche Bildverarbeitungslösungen entwickelt. „Wir arbeiten branchenübergreifend“, so Geschäftsführer Christian Gieselmann, der das Unternehmen 1996 gründete. Entstanden aus dem „Ingenieurbüro Gieselmann“, das sich bereits auf Automatisierungssysteme und Kameratechnik spezialisiert hatte. Seine Kompetenz, viele, schnelle und komplexe Bilder zu verarbeiten, nutzt insensiv aber nicht allein in der Landwirtschaft. Auch Industrie und Handel profitieren von der Kernkompetenz der Bielefelder: Bewegte Bilder bilden die Basis für Prozessoptimierung, Automatisierung und Digitalisierung.

Da insensiv kundenspezifische Produkte entwickelt, hat wohl jeder von uns schon einmal Kontakt mit den intelligenten Kameras des Bielefelder Mittelständlers gehabt. Auf die trifft man als Endverbraucher immer dann, wenn man seine leeren Pfandflaschen und –dosen entsorgt und sie in einen Rücknahme-Automaten schiebt. Während sich Flasche oder Dose durch den Eingabetunnel bewegen und sich drehen, schlägt die intelligente Bildverarbeitung des Bielefelder Unternehmens zu. Das Leergut wird dank seiner Sicherheitssignets wie dem Recycling-Symbol, den Barcodes sowie anhand seiner Kontur erkannt, bewertet und eingezogen. „Unser Spezialwissen setzen wir in anwendbare Produkte um und die finden sich eben auch in Pfand-Rücknahme-Automaten wieder“, so Christian Gieselmann, der mit seinem zweiten Unternehmen, der Venmatec GmbH, am selben Standort zuhause ist und längst auch in Eigenregie Automaten baut.

15 Softwareentwickler und ebenso viele in der Produktion sorgen bei insensiv dafür, dass am Standort Bielefeld alle Komponenten, von der Software bis zur Elektronik, entwickelt und überwiegend auch selber hergestellt werden. Die Fertigung der Mechanik überlässt das Unternehmen dagegen Zulieferern. Die Endmontage findet anschließend wieder in Bielefeld statt, um dem eigenen Qualitätsanspruch gerecht zu werden. „Unsere Kunden bekommen ein fertig gehaustes Produkt“, so der Geschäftsführer. Gearbeitet wird immer – egal, um welches Produkt und welche Branche es sich handelt nach einem Grundsatz: Bedarf erkennen, Markt definieren, Lösung entwickeln. Eben auch, wenn es um Eier geht, die aus den Betrieben ihren Weg zum Verbrauchern finden sollen. Ganz egal, ob aus Boden-, Freiland- oder Bio-Haltung. Dass die Deutschen ihr Frühstücksei lieben, macht übrigens der wachsende pro-Kopf Verbrauch deutlich. Er lag im letzten Jahr bei rund 235 Eiern. Erstaunlich ist allerdings, dass der Welt-Ei-Tag nicht Ostern stattfindet, sondern immer an jedem zweiten Freitag im Oktober. In diesem Jahr ist es der 11. Oktober.




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