Gründerin des Monats: Ergonomic Skills

Physiotherapie ist eine Dienstleistung

Wer morgens schon mal mit einer Blockade im Halswirbelbereich aufgewacht ist, der weiß, wie schmerzhaft das sein kann. Und er weiß auch, dass es im Normalfall illusorisch ist, am selben Tag einen Termin beim Orthopäden oder beim Physiotherapeuten, der schnell Abhilfe schaffen könnte, zu bekommen.

Zugegeben: Eine Blockade ist kein medizinischer Notfall, verursacht aber Schmerzen und führt unter Umständen dazu, dass man einige Tage nicht arbeitsfähig ist. Für Unternehmen sind das Ausfallzeiten, die vermeidbar wären. Hier setzt Janine Büscher an, die sich 2015 mit Ergonomic Skills in Bielefeld selbstständig gemacht hat. Sie möchte die Physiotherapie als Dienstleistung in die Unternehmen bringen. PhysioFirst heißt das Konzept und ist eigentlich ganz einfach: „Hat ein Mitarbeiter Beschwerden, meldet er sich unmittelbar nach Bemerken der Symptomatik bei Ergonomic Skills und bekommt noch am selben Vormittag eine physiotherapeutische Behandlung. Nach der Behandlung entscheidet der Mitarbeiter gemeinsam mit dem Physiotherapeuten, ob eine Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit noch am selben Tag möglich ist“, skizziert die ausgebildete Physiotherapeutin die Vorgehensweise. „Das ist eine Win-win-Situation. Die Unternehmen haben weniger Ausfallzeiten ihrer Mitarbeiter und dem Menschen, der Schmerzen hat, wird unmittelbar geholfen.“ Das alles funktioniert mittels eines digitalen Kalenders. Hier sieht der Betroffene auf einen Blick, welche Termine noch frei sind und trägt sich einfach ein. Eine Sache von etwa 20 Sekunden.

Individuelle Gesundheitsförderung

Für Janine Büscher und ihr Team heißt das höchste Flexibilität. Für Notfälle werden von vornherein Zeiten geblockt und ein Bereitschaftsdienst – wie es in anderen Berufen gang und gäbe ist – eingerichtet. „Notfälle kommen aber gar nicht so häufig vor, wie man meinen möchte“, sagt die engagierte Therapeutin mit Blick auf ein Pilotprojekt, das sie bereits durchgeführt hat. „Wir sensibilisieren auch mit Flyern und in Seminaren, was tatsächlich ein Notfall ist und natürlich behandeln wir auch längerfristige Beschwerden.“

Während PhysioFirst für Notfälle gedacht ist, geht Janine Büscher mit ihrem Konzept des Betrieblichen Gesundheitsmanagements konsequent einen Schritt weiter, denn hier wird nachhaltig gedacht. Sie geht in die Unternehmen und berät vor Ort in puncto ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung. Dazu gehören natürlich die Einstellung von Stuhl und Monitor. Ist das alles für den Mitarbeiter gut angepasst? „Eine individuelle Beratung ist ganz wichtig“, unterstreicht Janine Büscher, denn auch jedes Unternehmen und jede Branche ist anders. Ein Mitarbeiter in der Produktion hat eine andere Belastung als ein Fahrer oder jemand, der im Büro arbeitet.“ Außerdem werden Daten gesammelt, wie hoch beispielsweise der Krankenstand im Unternehmen ist.

Validierung ist alles

Im Januar 2019 bekam Janine Büscher ein NRW-Gründungsstipendium, das zunächst auf sechs Monate angelegt ist. Das damit einhergehende Mentoring läuft über die Founders Foundation in Bielefeld. „Das hilft ungemein, denn mit den Coaches wird immer wieder die Idee auf den Prüfstand gestellt. Ist die Idee gut genug? Wird das, was ich vorhabe, tatsächlich gebraucht. Und ganz wichtig ist die Validierung der Daten aus den Pilotprojekten, die ich bisher in den Unternehmen durchgeführt habe.“ Zum Mentoring gehören auch Ratschläge, wen sich Janine Büscher für Ergonomic Skills von außen dazu holt. Sei es, wenn es um die Steuerberatung, den Aufbau von Social-Media-Kanälen geht oder darum, die Strukturen der Dienstleistung zu digitalisieren. Momentan ist sie größtenteils mit Beratungsgesprächen und Organisation befasst. An der Bank steht sie als Therapeutin im Augenblick seltener. Aber so ganz den Patientenkontakt verlieren, möchte sie auch nicht. Dazu ist sie zu sehr mit Leib und Seele Physiotherapeutin. „Ich freue mich, dass wir mit Ergonomic Skills ein Konzept bieten, mit dem allen geholfen wird. Die Unternehmer reduzieren ihren Krankenstand, Mitarbeitern mit Beschwerden wird schnell geholfen und die Physiotherapeuten haben gute Arbeitsbedingen, weil sie Zeit haben dürfen für ihre Patienten.“




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