Gründer des Monats: Semalytix GmbH

KI ist nichts Böses

Auch ohne BWLer lassen sich Unternehmen erfolgreich gründen. Den besten Beweis dafür liefern vier Informatiker, die hinter dem Bielefelder Start-up Semalytix stehen. Neben Janik Jaskolski, der das Gesicht des Unternehmens nach außen ist, Philipp Cimiano, Matthias Hartung und Roman Klinger. Künstliche Intelligenz ist ihr Metier.

„KI ist nichts Böses“, betont Janik Jaskolski, der die strategische Entwicklung und das Wachstum der Semalytix GmbH vorantreibt. Das junge Bielefelder Unternehmen setzt für seine Kunden aus der Pharmaindustrie auf Schlüsseltechnologien wie Machine Learning, Deep Learning, Knowledge Graphs, Natural Language Processing, Predictive Analytics, Statistical Inference und Data Visualization. „Durch unsere End-to-End Datenanalyse und -visualisierung gehen wir nicht nur der Entwicklung von Statistiken auf den Grund, sondern erforschen das ‚Warum‘ von Trends in der Pharmaindustrie“, so Janik Jaskolski. Grob vereinfacht heißt das: Semalytix hat eine intelligente Software entwickelt, mit der Computer Texte lesen und verstehen. „Das geschieht auf Basis komplexer Algorithmen und Tools, mit denen man Muster und Zusammenhänge in niedergeschriebenen Diskussionen und Unterhaltungen erkennen kann.“ Mit Pharos® – die Plattform nimmt Informationen aus verschiedenen pharmarelevanten Quellen auf – hat Semalytix das Ohr direkt an der globalen Konversation über die Pharmawelt, analysiert und erklärt Entwicklungen über den Medikamenten- und Markenwert in Echtzeit. Hat ein Unternehmen ein neues Medikament auf den Markt gebracht, kann das Bielefelder Unternehmen herausfinden, wie es beurteilt wird. Weltweit und aus den Blickwinkeln verschiedenster Gruppen, von Pharmaunternehmen über Patienten bis hin zu Fachkräften aus dem Gesundheitswesen. Dafür durchforstet Semalytix Milliarden von Dokumenten für seine Auftraggeber.

Raus aus der Uni, rein ins eigene Unternehmen

Der Startschuss für Semalytix fiel 2015. Janik Jaskolski – für seinen Master beschäftigte er sich mit Kognitiver Informatik und Intelligenten Systemem – entwickelte während eines Praktikums in einem Pharmaunternehmen ausgeklügelte Algorithmen, die auf großes Interesse bei der Unternehmensführung stießen. Das Innovationpotenzial wurde sofort erkannt. Der erste Kunde war gewonnen. „Damit begann die Verkettung wunderbarer Zufälle“, stellt der 31-Jährige fest, der mit Philipp Cimiano, Matthias Hartung und Roman Klinger schnell die Entscheidung traf, Semalytix zu gründen. Das junge Bielefelder Unternehmen entstand als Spin-off der Semantic Computing Research Group am CITEC, dem Cognitive Interaction Technology Center of Excellence der Universität Bielefeld. Durch die Zusammenarbeit mit der Uni konnte Semalytix zunächst dort arbeiten. Als die Räume dort zu klein wurden und das schnell wachsende Team teilweise im Schichtbetrieb arbeiten musste, folgte im August 2017 der Umzug in Räume der alten Bogefabrik. Mittlerweile sind auch sie mit Tischen, MitarbeiterInnen und Leben gut gefüllt, und sogar angrenzende Räume dazu gemietet worden. Denn aus einer Handvoll MitarbeiterInnen ist ein Team von 60 KollegInnen aus 18 verschiedenen Herkunftsländern gewachsen. Sie pflegen Verbindungen zu führenden Forschern und führenden Pharmaunternehmen weltweit. 

Schlüsseltechnologien sorgen für Wachstum

Die hochspezialisierten ExpertInnen treiben den Fortschritt in Schlüsseltechnologien voran. Geblieben ist die Konzentration auf das Pharmageschäft, wo Semalytix durch angewandte Business Intelligence Prozessinnovationen unterstützt und seit Gründung mehr als 25 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 2,8 Mio. EUR mit Kunden aus der Pharmaindustrie abgewickelt hat.

Unsere Produkte verfügen über beispiellose maschinelle Lesefähigkeiten.

... betont Janik Jaskolski. „Sie sind in der Lage pharmaspezifische Sprachnuancen über den gesamten Lebenszyklus pharmazeutischer Daten mit maschineller Skalierung zu verstehen.“ Mit seiner Erfahrung in der praktischen Entwicklung von Machine Reading Algorithmen, der Skalierung intelligenter Systementwicklung und der Verknüpfung solcher Systeme mit etablierten Geschäftsprozessen bringt Janik Jaskolski die strategische Entwicklung und das Wachstum von Semalytix voran. Das Gros der Aufträge, rund 90 Prozent, erhält das Unternehmen noch durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Moderne Führungsmethoden, gearbeitet wird mit agilem Projektmanagement nach Scrum, sind ein wesentlicher Baustein für den Erfolg des Unternehmens. „So entsteht eine Gemeinschaftsatmosphäre, die zu viel größerer Produktivität anregt“, erklärt Janik Jaskolski. Damit ein solches gemeinsames Arbeiten ohne feste Arbeitszeiten funktioniert, ist Kommunikation für ihn wesentlich. „Kompakt und trotzdem inhaltsreich zu kommunizieren üben und praktizieren wir jeden Tag. Nur so lassen sich flache Hierarchien, schnelles Wachstum und komplizierte Arbeit unter einen Hut bringen. Wir nutzen dazu unseren eigenen Mix aus etablierten Co-Working-Strategien: Firmen-Chats, Videokonferenzen und tägliche Stand-Ups und reflektieren regelmäßig in gemeinsamen Runden über unsere Arbeit- und Arbeitsweise, um Probleme gar nicht erst aufkommen zu lassen.“




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