Gründer des Monats: CollarCare

Die Uhr tickt

Die Uhr tickt runter. Nicht langsam, sondern gefühlt immer schneller. Vier Bielefelder Start-ups befinden sich momentan im Camp der Founders Foundation. Innerhalb von sechs Monaten muss das Gründerquartett von CollarCare seine Idee vom smarten Hundehalsband zur Martkreife bringen. Auf einer digitalen Anzeige lässt sich die verbliebene Zeit ablesen.

Das erzeugt auch ein bisschen Druck. In 70 Tagen 12 Stunden und 37 Minuten werden die Ergebnisse auf den Prüfstand gestellt. Worum geht’s bei Collarcare? „Wir wollen Hunden eine Stimme geben“, sagt Lukas Tenge, Co-Founder und bei CollarCare für das Marketing verantwortlich. Dabei liegt der Fokus auf dem gesundheitlichen Wohlbefinden des Hundes. Ein mit Sensoren ausgerüstetes Halsband soll Daten rund um den Vierbeiner sammeln, um Aufschluss über seine Fitness zu bekommen und die individuelle Hundegesundheit zu bewerten.

Wir haben sehr viel Spaß an der Entwicklung und wir lernen gerade so viel, wie man in keiner Ausbildung und keinem Studium lernen würde

Lukas Tenge

Eine gute Idee – das fand auch die Landesregierung und stattete die Bielefelder mit dem Gründerstipendium.NRW aus. Eine tolle Auszeichnung für Martin Fenkl, Ursula Moos, Mike Langendorf und Lukas Tenge, die für ihre Gründungsidee brennen. Sie arbeiten meist 12 Stunden am Tag, Wochenende war früher und dabei verdienen sie noch keinen Cent. Ein Nebenjob bei dem Pensum? Schwierig. „Aber das spielt momentan keine Rolle. Wir haben sehr viel Spaß an der Entwicklung und wir lernen gerade so viel, wie man in keiner Ausbildung und keinem Studium lernen würde“, so der Marketingfachmann bei CollarCare.

Erste App auf dem Markt

Mitte Oktober steht der erste entscheidende Schritt an. Die erste App kommt auf dem Markt.

Hiermit können sich Hunde vernetzten, denn alles findet aus der Sicht des Hundes statt. Man kann Rudelfreunde hinzufügen, die zurückgelegte Strecke nachhalten und die Gassirunde als virtuelle Alpenüberquerung von München nach Venedig angehen, damit die ewig gleichen Spaziergänge ein bisschen mehr von Abenteuer bekommen. Das große Plus: Herrchen und Frauchen sind so mit mehr Spaß an der Sache dabei und der Hund bekommt Bewegung. Steht hier noch die Gamification im Vordergrund, so soll es im nächsten Schritt ab Anfang 2019 klar in Richtung Health Care gehen. „Mit dem digitalen Halsband können wir individuelle Echtzeitdaten des Tieres erheben. Momentan bauen wir mit der Unterstützung von Tierärzten eine Datenbank auf, in der die Echtzeitdaten ausgelesen und die Veterinäre oder Hundetrainer Empfehlungen aussprechen können. Die Tierärzte finden unser Thema extrem spannend, da gerade die Tiermedizin noch kaum digitalisiert ist.“

Wir möchten Hundebesitzer dabei unterstützen, ihren Vierbeiner mit Hilfe von Insights besser zu verstehen und seine Bedürfnisse zu erkennen

Lukas Tenge

Vorreiter mit Hund

Das ist also eine echte Pionierarbeit, die das Bielefelder Start-up hier leistet. Dabei bleibt das Gründerquartett aber sehr geerdet. „Digitalisierung ist nicht das das Allheilmittel. Wir wollen den Hundebesitzern auch nicht die Verantwortung für ihr Tier abnehmen. Wir möchten sie dabei unterstützen, ihren Vierbeiner mit Hilfe von Insights besser zu verstehen und seine Bedürfnisse zu erkennen“, so Lukas Tenge. „Hunde begleiten den Menschen seit zigtausend Jahren. Früher hatten sie eine Aufgabe, haben die Herde gehütet, Ratten gejagt oder den Hof bewacht. Nun sind eigentlich arbeitslos. Mit unserer App kann man leicht herausfinden, ob die Hunde ihrem Alter und der Rasse entsprechend ausgelastet sind, also ob sie genug Bewegung oder auch ausreichend Ruhephasen bekommen.“ Natürlich gibt es auch eine GPS-Tracking-Funktion, falls der treue Begleiter mal auf Abwege gerät, die mittels einer sicheren Funkübertragung auch in entlegenen Gebieten funktioniert.

Positives Feedback

Diverse Pitches hat CollarCare mit seiner Gründungsidee schon absolviert und erfolgreich abgeräumt. So darf sich CollarCare als „bestes Accelerator Start-up in NRW“ bezeichnen. Und es gab schon einige interessante Einladungen, wie zum Beispiel nach Berlin. Die Zeitschrift „Business Punk“ widmete den Bielefeldern gleich eine ganze Doppelseite und stellte sie vor eine eher ungewöhnliche Challenge: „Mit einem Redakteur und einem Fotografen ging es durch die Berliner Nacht. In Szene-Läden in Kreuzberg und Friedrichshain galt es, möglichst viel Alkohol zu trinken und zufälligen Kneipenbesuchern die eigene Start-up-Idee ungefragt zu erklären. Das war nach einigen Stunden schon eine echte Herausforderung“, lacht Lukas Tenge.

Dabei werden die jungen Gründer jeden Tag vor neue Aufgaben gestellt. „Manchmal kommt man morgens rein und denkt: Yes, das wird heute der Tag, an dem alles klappt. Mittags fragt man sich: Wie soll das alles gehen? Und abends denkt man sich: In fünf Jahren können wir damit vielleicht Geld verdienen. Ich bin sehr froh, dass wir hier im Camp der Founders Foundation so großartig unterstützt werden. Wir können von dem Netzwerk profitieren, kommen sehr leicht mit Experten und potenziellen Investoren ins Gespräch. Das hilft ungemein weiter.“

www.collarcare.com




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