Gründer des Monats: Zahnarzt-Helden

Rezeptfrei

Heldenhaft entwirren sie den oft stressigen Alltag ihrer Kunden. Die können sich auf ihre Patienten in den Behandlungsstühlen konzentrieren, ohne Vertrieblern die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Denn die Zahnarzt-Helden, hinter dem jungen Bielefelder Start-up stecken Carsten Janetzky, Philip Pieper und Martin Wertgen, kommen mit ihren Angeboten online zu ihnen. Ganz ohne Rezept.

Die Zahnarzt-Helden setzen auf die Digitalisierung des Dentalmarktes. Über ihr Portal erhalten Zahnärzte Angebote für teure Dentalgeräte – von Autoklaven und Thermodesinfektoren über Röntgengeräte bis zu Behandlungsstühlen. Ihre Wunschgeräte können Zahnärzte bei den Zahnarzt-Helden einfach online bestellen. Das Team der Zahnarzthelden kümmert sich darum, die passenden Anbieter nach den Spezifikationen ihrer Kunden zu finden. Die müssen sich im Vorfeld lediglich drei Minuten Zeit nehmen, um einen detaillierten Fragebogen für ihr gewünschtes Dentalgerät auszufüllen. Auf den persönlichen Draht zum Kunden verzichtet aber auch das junge Start-up nicht. Direkt nach der Anfrage rufen die Zahnarzt-Helden ihre Kunden an, um den Bedarf und ihre individuellen Wünsche noch besser zu verstehen. „Das ist weniger zeitaufwendig als ein klassischer Vertrieb mit Außendienst“, erklärt Carsten Janetzky die Idee, die hinter dem Bielefelder Business steckt.

Strategisch unterwegs

Eine Idee, auf die der BWLer übrigens durch seinen Bruder stieß. Der arbeitet als Vertriebler für Medizintechnik im orthopädischen Bereich. „Am meisten frustriert ihn, dass er beim Arzt anscheinend nie zum richtigen Zeitpunkt kommt. Die sind tagsüber natürlich mit ihren Patienten beschäftigt“, so Carsten Janetzky, der in Paderborn BWL studierte und bereits zwei Start-ups – 2014 die Viveroo und 2016 die Vazoo GmbH – erfolgreich auf den Weg gebracht hat. Dass, was im Nachhinein logisch erscheint und sich einfach anhört, war für die Founder der Zanhartz-Helden allerdings ein „ extrem langweiliger und strategischer Prozess“. „Wir haben uns verschiedene Märkte und Branchen angeschaut und damit auch das, was dort gut und was schlecht läuft“, erklärt Carsten Janetzky, der auf wertvolle Erfahrungen in den Bereichen Start-up, Investorenakquise und strategischer Unternehmensaufbau zurückgreifen kann. Eine Chance sahen die Gründungswilligen in der Dentalbranche. „In der Branche behaupten viele, dass das immer noch das Fax das Tool ist, obwohl die meisten Zahnärzte technikaffin unterwegs sind und iPhone & Co. nutzen“, so Carsten Janetzky.

Zahnarzthelden-Team

Im Rahmen eines Ideenwettbewerbs der Founders Foundation in Bielefeld feilten zunächst Philip Pieper und Carsten Janetzky an der Idee, den Einkauf von Dentalgeräten zu digitalisieren. Nach ihrem Sieg bei der Founders Academy startete das Team dann Ende letzten Jahres – inzwischen zu dritt – mit dem Founders Camp, dem Accelerator Programm der Founders Foundation, in Vollzeit durch. Drei Gründer plus zwei Vollzeitkräfte und drei Werkstudenten – das sind die Zahnarzt-Helden heute. Inzwischen haben sie zwei weitere Pitch-Wettbewerbe, die Startup Night_OWL und das NRW Hub-Battle, gewonnen. „Nachdem wir jetzt in Düsseldorf den Digihub gewonnen haben, brennt bei uns der Baum“, freut sich Carsten Janetzky. Die wohl größte Herausforderung bis zum offiziellen Start im Dezember 2017 meisterte das Start-up ebenfalls. Es überzeugte den mit einem klassischen Vertrieb arbeitenden Fachhandel ihren Online-Kanal zu nutzen.

Gut aufgestellt

Eine klar strukturierte Aufgabenteilung hilft den drei Gründern inzwischen bei der täglichen Arbeit. Carsten Janetzky ist das Gesicht nach außen. Er übernimmt den Vertrieb. „Ich hole quasi alles von außen rein“, sagt er. Philip Pieper organisiert als Leiter Operations & Key-Account bei den Zahnarzt-Helden dagegen das Kerngeschäft des jungen Unternehmens. Mit seinen analytischen Fähigkeiten und einer Marathon würdigen Ausdauer sorgt er dafür, dass alle Abläufe reibungslos ineinandergreifen. Der gebürtige Sauerländer, der viele Jahre in einem Berliner Start-up den Finance-Bereich leitete, ist der Operations-Held. Martin Wertgen Leiter Produkt & Marketing, kommt als Diplom-Wirtschaftsingenieur aus einem technischen Umfeld und kombiniert dies mit einer großen Vorliebe für nutzerzentriertes Design. Er ist für das Thema Growth-Hacking zuständig. „Wir haben das wunderschön aufgeteilt. Das funktioniert extrem gut, wenn man das Team zusammenhat“, unterstreicht Carsten Janetzky. „Vor allem aber haben wir ein Auge für Ineffizientes entwickelt.“

Ambitionierte Ziele

Visionen haben die Zahnarzt-Helden natürlich auch. „In drei Jahren wollen wir der größte Anbieter für Dentalgeräte in Europa sein“, formuliert Carsten Janetzky das ambitionierte Ziel. Doch damit nicht genug. Die Zahnarzt-Helden klopfen gerade Branchen ab, auf die sie das Vertriebs-Prinzip übertragen können. „Die „Agrar-Helden“ haben wir uns schon gesichert. Dafür geht demnächst ein neues Start-up an den Markt“, verrät Zahnarzt-Held Carsten Janetzky. Doch neben der Motivation viel Zeit in das eigene Unternehmen zu investieren – und keinen normalen 9-to-5-Job zu absolvieren – muss vor allem die Chemie untereinander stimmen. „Man muss von seinen Gründern selbst ,Fan' sein und Lust haben, mit ihnen nach der Arbeit noch gemeinsam ein Bier trinken zu wollen“, betont Carsten Janetzky und spricht damit auch für die anderen Zahnarzt-Helden. „Wir bauen unser Unternehmen für unsere Beschäftigten – das ist unsere große Vision. Deshalb achten wir extrem auf unser Team und den Zusammenhalt.“

 




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