Aus „Spende dein Talent“ wird talee

Mitarbeiter mit Leidenschaft

Wollten Sie schon immer mal Mölkky spielen? Lernen, wie man Torten kunstvoll verziert? Wie InDesign funktioniert? Oder einfach regelmäßig mit den Kollegen Sport machen? Über die Plattform talee.de können sich Mitarbeitende vernetzen. So stellt eine MitarbeiterIn ein Event auf der Plattform vor und die KollegInnen können sich dafür anmelden.

Klingt ganz einfach, ist es auch. Hanna Drabon, seinerzeit IT-Projektmanagerin bei der Bielefelder Digitalagentur comspace, hatte die Idee zu dieser Erfolgsgeschichte. Mittlerweile versammeln sich über 1.400 Netzwerker auf der Plattform und es wurden rund 7.000 Vernetzungen innerhalb der Organisationen erreicht.

Bielefelder Unternehmen wie u. a. Oltrogge, Halfar, u + i, die Stadtwerke Bielefeld, der Pioneers Club und natürlich comspace sind mit dabei. „Das Netzwerken ist ein ur-ostwestfälischer Gedanke“, so Hanna Drabon. „Hier wird in Netzwerken gedacht und Wissen über Branchengrenzen hinaus ausgetauscht.“ Aber auch Unternehmen, die nicht in der Region beheimatet sind, zeigen zunehmend Interesse an dieser Form des Austausches.

Ursprünglich wollte Hanna Drabon mit „Spende dein Talent“ tatsächlich Spenden für Nepal sammeln, um nach diversen Naturkatastrophen den Menschen vor Ort zu helfen. Aus „Spende dein Talent“ wurde im Frühjahr 2018 „talee“ – talented employee network. „Wir haben uns für die Umbenennung entschieden, weil es der treffendere Begriff ist. Unsere Netzwerker haben nicht nur Talent, sondern auch Leidenschaft für eine bestimmte Sache“, erklärt Tilmann Missfeldt, der für die Produktentwicklung zuständig ist. „Es geht weniger um Spenden, auch wenn wir dankbar sind, dass einige Unternehmen das weiterhin tun. Außerdem sollte der Name der Plattform englischsprachig sein, weil viele Unternehmen, die sich über unsere Plattform vernetzen, international unterwegs sind.“

Stärkung der Unternehmenskultur

Insgesamt arbeiten vier feste Mitarbeiter daran, die Plattform weiter zu optimieren und zu vermarkten. „Bei Bedarf können wir auf das Know-how der Kollegen von comspace bauen“, erzählt Hanna Drabon. „Auch wenn wir als internes Start-up sehr eigenständig und losgelöst von comspace arbeiten dürfen, ist der Kontakt natürlich weiterhin sehr eng und wir werden sehr gut unterstützt.“ Das talee-Team hatte seine Base von Anfang an im Pioneers Club. Bis zu comspace ist es der sprichwörtliche Katzensprung – nur einmal über die Straße.

In Zeiten der digitalen und häufig virtuellen Kommunikation setzt talee auf das „echte“ Erleben bei Events, die von Mitarbeitenden firmenintern selbst initiiert und organisiert werden. „Es ist ein großer Unterschied, ob Firmenveranstaltungen ,von oben' angeschoben werden oder ob sich Mitarbeitende aus freien Stücken für ein Event entscheiden, das sie tatsächlich interessiert“, so Tilmann Missfeldt. „Unsere Idee ist dezentral gedacht.“ Dabei stehen Aspekte wie die Vernetzung von Mitarbeitenden und die Gestaltung der Unternehmenskultur im Vordergrund. Denn neben ganz viel Spaß haben die Events einen positiven Effekt für Unternehmen. „Wenn Kollegen zusammen angeln gehen oder einen Ausflug machen, lernen sie sich noch mal ganz anders kennen. Das stärkt den Zusammenhalt untereinander, erhöht die Bindung an das Unternehmen und wirkt sich somit insgesamt positiv auf die Unternehmenskultur aus“, erklärt Tilmann Missfeldt. „Außerdem kann man an der Herangehensweise gut erkennen, wie der Kollege tickt“, ergänzt Hanna Drabon. „Wenn beispielsweise ein Event zur Tortendekoration mit einer PowerPoint-Präsentation beginnt, sehe ich wie der Kollege Aufgaben löst.“

Authentisches Unternehmensbild

Viele sind überdies überrascht, welche Fähigkeiten, Talente oder Interessen die Kollegen haben. Auf der Plattform von talee sind die Aktivitäten der Unternehmen und auch das Feedback der TeilnehmerInnen sichtbar. Das ist für Unternehmen gut, denn so entsteht auf dem Unternehmensprofil ein authentisches Bild, das für die Außendarstellung und das Recruiting genutzt werden kann. „Unternehmenskultur ist der Teil des Unternehmens, der einzigartig ist, den man nicht einfach kopieren kann“, betont Tilmann Missfeldt. „Durch die Events zeigen sich die Mitarbeiter. Es wird sichtbar, wer hinter diesem Unternehmen steckt.“

Für die Bielefelder gab es für diese gute Idee und die Umsetzung den Personalmanagement Award 2016, der vom Bundesverband der Personalmanager (BPM) zusammen mit dem Human Resources Manager-Magazin vergeben wird in der Kategorie „Klein- und Mittelständische Unternehmen“. talee war übrigens der einzige Bewerber, der nicht aus dem HR-Bereich kam.

An den Events, die momentan primär firmenintern sind, dürfen Familie, Freunde und Partner teilnehmen. „Das Familiy Network Event vom Pioneers Club war beispielsweise ein großer Erfolg“, berichtet Tilmann Missfeldt, „denn die Kinder konnten so den Arbeitsplatz der Eltern mal kennenlernen.“ Für Kolleginnen im Mutterschutz oder die, die sich schon im Ruhestand befinden, sind die Events eine gute Gelegenheit, weiterhin Kontakt zum Unternehmen zu halten. Auf diese Weise kann auf einer informellen Ebene Wissen ausgetauscht werden. Und neue Kollegen können die anderen Mitarbeitenden in einem zwanglosen Rahmen kennenlernen. „talee ist ein nachhaltiger Gedanke, den wir digital übersetzt haben“, bringt es Tilmann Missfeldt auf den Punkt. Die Plattform ist lediglich das passende Tool. „Digitalisierung geht analog besser“, lacht der 53-Jährige, der sich bereits seit über 20 Jahren mit dem Internet beschäftigt.

Eine Antwort sind wir noch schuldig. Was ist Mölkky überhaupt? Das weiß Wikipedia: Mölkky ist ein im Freien gespieltes finnisches Geschicklichkeitsspiel, bei dem mit einem Wurfholz, dem „Mölkky“, auf zwölf hochkant stehende Spielhölzer geworfen wird. Das Ziel des Spiels ist es, exakt fünfzig Punkte zu erreichen. Nun wäre das auch geklärt.

www.talee.de




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