1. August 2019
Gründer des Monats: Biofidus AG

Proteinen auf der Spur

Start-ups

Arzneimittel ist nicht gleich Arzneimittel. Das wissen auch die Expert*innen der Biofidus AG. Die Expertise des jungen Bielefelder Unternehmens in der Auftragsanalytik ist gefragt. Es bündelt mehr als 40 Jahre bioanalytische Erfahrung und liefert seiner Kundschaft aus der Pharmaindustrie Lösungen für bioanalytische Projekte. „Wäre ein kleines Molekül ein Rad, dann würden Proteintherapeutika in ihrer Komplexität einem Flugzeug gleichen“, sagt Dr. Benjamin Müller, Geschäftsführer und einer der Gründer.

Dr. Benjamin Müller

Es gibt Originale, Generika und Biosimilars. Bei Arzneimitteln, deren Wirkstoffe chemisch hergestellt werden, bezeichnet man das Nachahmer-Medikament als Generikum. Nicht so leicht kopieren lassen sich jedoch Biopharmazeutika, die auf Basis von Bakterien, Hefen oder Säugetierzellen entwickelt werden. Denn: Sind die Herstellungsverfahren nicht wirklich identisch, sind es auch die Wirkstoffe nicht. „Es entstehen Mikroheterogenitäten“, formuliert Dr. Benjamin Müller das Problem. Ein Weg, um von einem Original eine möglichst ähnliche Nachbildung zu entwickeln, sind Biosimilars. Denn für die Biosimilars sind für die Zulassung deutlich kleinere klinische Studienprogramme notwendig, als es der Originalhersteller vorweisen muss, allerdings nur, wenn die molekulare Vergleichbarkeit zum Originalprodukt gezeigt werden kann. Hier kommt das Bielefelder Unternehmen Biofidus ins Spiel.

Komplexe bioanalytische Methoden

„Wir unterstützen die pharmazeutische Industrie durch ein vielfältiges Angebot an komplexen bioanalytischen Methoden bei der Entwicklung und Herstellung biopharmazeutischer Medikamente“, erklärt Dr. Benjamin Müller, neben Dr. Heino Büntemeyer, der im wissenschaftlichen Vorstand sitzt, Geschäftsführer der Biofidus AG. Dabei konzentriert sich das junge Bielefelder Unternehmen zum einen auf die Proteinanalytik, ein Schwerpunkt von Dr. Benjamin Müller, zum anderen auf die Spent-Media-Analytik, wo Dr. Heino Büntemeyer zuhause ist. Ein drittes Feld, auf dem sich das Start-up bewegt, ist die Polymeranalytik. Im Bereich der Biotherapeutika machen proteinbasierte Medikamente einen Großteil aus. „Zum Einsatz kommen proteinbasierte Medikamente sowohl im onkologischen als auch im rheumatologischen Bereich. Epo ist das wohl bekannteste Beispiel“, so Dr. Benjamin Müller.

Von der Analyse bis zum Produkt

Dabei reicht das Spektrum von der Analyse der Medikamente bis zur Unterstützung im präklinischen Bereich. Im Gegensatz zu anderen kleinen bis mittelgroßen Bioanalytikunternehmen, die meist auf verschiedene Teilbereiche der Bioanalytik spezialisiert sind, bietet Biofidus eine analytische Unterstützung sowohl für den Produktionsprozess als auch das Produkt selbst an. Darüber hinaus entwickelt es speziell im Kundenauftrag auch neue Methoden. Die Aufgabenstellungen sind in aller Regel komplex. „Da kann eine Analyse auch schon mal vier Wochen dauern“, betont Benjamin Müller. Häufig steht den Wissenschaftler*innen weniger als 1 ml für Analysen zur Verfügung. „Wir haben mit winzigen Mengen zu tun“, so der Wissenschaftler, der an der Uni Bielefeld studiert und in Biotechnologie promoviert hat. Erfahrungen sammelte er in der Wirtschaft als Applikationsspezialist und Teamleiter. „Mein Schwerpunkt war schon da die Auftragsanalytik“, erzählt der 36-Jährige, der schnell erkannte, dass dies ein stark wachsender Markt ist. „Dadurch war das Risiko, was man sonst bei Gründungen hat, wesentlich geringer.“

„Als Ausbildungsstätte für qualifizierten Nachwuchs haben wir Zugriff auf hervorragende Fachkräfte. Bielefeld ist groß genug, um viel akademischen Nachwuchs hervorzubringen.“

Gute Gründungsbedingungen

Die Idee zu gründen, entstand durch sein Netzwerk aus Studienzeiten, nahm schnell konkrete Formen an und mündete schließlich in einem Businessplan. „Das Gründungsteam ist in den vielen Methoden der Zellkulturtechnik erfahren und durch komplementäre Schwerpunkte im Team passen wir alle gut zusammen“, fasst er die guten Ausgangsvoraussetzungen zusammen. Ein weiteres Plus: Biofidus hatte die Möglichkeit im Umfeld der Uni die Gründung voranzutreiben. Hier ist das Unternehmen auch heute noch zuhause. Denn ein Standortvorteil für das 2015 gegründete Start-up ist die Universität selbst. „Als Ausbildungsstätte für qualifizierten Nachwuchs haben wir Zugriff auf hervorragende Fachkräfte“, so der Wahl-Bielefelder und fügt hinzu: „Bielefeld ist groß genug, um viel akademischen Nachwuchs hervorzubringen.“

Mittlerweile beschäftigt das Jungunternehmen, das sich auf Wachstumskurs befindet, zwischen 10 und 15 Mitarbeitende. Das zieht auch Platzprobleme nach sich. Glücklich ist der Geschäftsführer eine Lösung mit dem Innovationszentrum an der Morgenbreede gefunden zu haben. „Dort können wir uns vergrößern – sowohl mit Büros als auch Laboren. Der Umzug ist im Herbst dieses Jahres geplant“, freut sich Benjamin Müller auf den neuen Standort.

www.biofidus.de

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