1. März 2020
Zirkulär, digital, zukunftsfähig

Raus aus der Rohstoff-Falle

DKAB Storys

Wir leben in einer Welt mit endlichen Ressourcen. Um einen Weg aus der Rohstofffalle zu finden, braucht es nachhaltige Lösungen über das klassische Rohstoff-Recycling hinaus. Das Konzept einer zirkulären Kreislaufwirtschaft geht diesen Schritt weiter und schließt alle Maßnahmen ein, die die Ressourceneffizienz steigern. Unter der Überschrift „Wir ändern den Kurs – zirkulär.digital.zukunftsfähig.“ setzen Akteure wie das Unternehmen ZF Friedrichshafen, der VDI, aber auch regionale Innovationsnetzwerke und Verbände aus Bielefeld am 25. März 2020 in der Wissenswerkstatt Impulse. Sie wollen das Cradle-to-Cradle-Prinzip zusammen mit Kooperationspartner*innen in der Region vorantreiben.

Ohne Anfang, ohne Ende. Die umgekippte „8“ – das Logo der zirkulären Wertschöpfung –symbolisiert, was eine zirkuläre Wertschöpfung ausmacht. In Zeiten, in denen Ressourcenknappheit und Klimawandel nicht nur bloße Schlagworte sind, erinnert es daran, dass Produkte am Ende ihres Lebenszyklus nicht entsorgt oder aufbereitet werden sollten. Vielmehr sollten sie von Anfang an so konzipiert sein, dass sie sich entweder in anderer Form weiterverwenden oder aber kompostieren lassen. Damit steht das zirkuläre dem linearen Wirtschaftsprinzip, bei dem Unternehmen Rohstoffe verarbeiten, aus ihnen Produkte herstellen, die wir kaufen, verwenden und am Ende entsorgen, entgegen.

Dass eine zirkuläre Wirtschaftsweise eine Win-Win-Situation für alle – persönlich, wirtschaftlich, sozial und ökologisch – ist, dafür steht auch die Veranstaltung in der Wissenswerkstatt Bielefeld. Angesiedelt in einer starken Region, die aber eben auch ein rohstoffabhängiger Produktions- und Technikstandort ist. Und, wenn es nach seinen Akteuren geh, Bielefeld und das Umland als Modellregion für zirkuläre Wertschöpfung weiter etablieren soll. Dafür müssen Wertstoffe qualitativ hochwertig im Kreislauf erhalten bleiben. Der Nutzen und der Wert aller Produkte, Teile und Materialien sollte möglichst lange auf einem hohen Standard gehalten werden. Der Schlüssel dazu lautet: Reparieren, Aufarbeiten und Wiederverwenden. Praktisch heißt das: Es gibt (fast) keinen Abfall mehr, sondern nur noch Ressourcen, die immer wieder und länger zum Einsatz kommen. In einer zirkulären Wirtschaft spielt Recycling erst dann eine Rolle, wenn alle anderen Nutzungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Prof. Dr. Michael Baumgart, der seit Jahrzehnten das Cradle-to-Cradle-Designkonzept pioniert und an der Rotterdam School of Management der Erasmus Universität den Lehrstuhl für Cradle-to-Cradle für Innovation und Qualität leitet, zeigt als Referent im Rahmen der Veranstaltung auf, wie Unternehmen den Ansatz einer öko-effektiven Produktentwicklung als Qualitäts- und Innovationstreiber nutzen können.

Jedes Jahr ein Eifelturm.

Jörg Witthöft, Werkstattleiter bei ZF Friedrichshafen

Eine Reihe von Unternehmen setzen bereits auf Nachhaltigkeitsstrategien oder Ansätze einer zirkulären Wertschöpfung und nutzen diese bewusst als Qualitäts- und Innovationstreiber. So wie die ZF Friedrichshafen AG, die am Standort Bielefeld bereits seit vielen Jahren zirkuläre Ansätze außerordentlich erfolgreich bei Kupplungen und Drehmotorenumwandlern umsetzt. „Jedes Jahr ein Eifelturm“, beschreibt Werkstattleiter Jörg Witthöft die Menge an verarbeiteten Altteilen. Er berichtet praxisnah vom Prinzip Wiederverwertung im Rahmen seines Vortrags. Und stellt damit beispielhaft vor, wie Umdenken dazu führt, Herausforderungen anzunehmen und Prozesse grundlegend zu verändern, um Rohstoffe mit gleicher Wertigkeit wieder in den Kreislauf zu bringen. Allerdings hat dieser Kreislauf des Recyclings von Wertstoffen durchaus wirtschaftliche, energetische und ökologische Grenzen. Auch künftig werden wir auf die Zuführung von Primärrohstoffen nicht verzichten können. Doch deutlich verringern lassen sie sich schon.

Die ZF Friedrichshafen AG setzt am Standort Bielefeld bereits seit vielen Jahren zirkuläre Ansätze außerordentlich erfolgreich bei Kupplungen und Drehmotorenumwandlern um.

Die neue Form des Wirtschaftens im Sinne einer „Circular Economy“ verändert nicht nur Produktionsprozesse, sondern auch gesellschaftliche Wertvorstellungen und Konsumansprüche. Und fordert damit alle Beteiligten heraus: Wissenschaftler*innen ebenso wie Produktentwickler*innen, Industrie, Abfallwirtschaft und Verbraucher*innen. Und macht vor unserer digitalen Welt nicht Halt. Prof. Dr. Maja Göpel, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), arbeitet an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zum Thema Nachhaltigkeitstransformation. Sie beschäftigt sich in ihrem Vortrag damit, warum digitale Innovationen Nachhaltigkeitszielen dienen müssen, wenn aus der Klimakrise heraus eine lebenswerte Zukunft ermöglicht werden soll. 

In einer abschließenden Gesprächsrunde diskutieren neben den Referent*innen auch Ralf Appel, VDI e.V. Düsseldorf, Prof. Dr. Eva Schwenzfeier-Hellkamp, Fachhochschule Bielefeld, Klaus Meyer, CirQualityOWL sowie Brigitte Meier, WEGE mbH Bielefeld, über die Chancen und Herausforderungen der zirkulären Kreislaufwirtschaft. „Als Wirtschaftsförderung wissen wir, dass sich Unternehmen immer stärker mit der Frage nachhaltiger Produkte und Prozesse auseinandersetzen und Strategien für Nachhaltigkeit entwickeln. Diese Veranstaltung schafft einen Rahmen für gemeinsames Handeln, für das wir uns gerne engagieren“, erklärt Brigitte Meier.

Termin:

*UPDATE: Der Veranstaltungstermin wird aufgrund der derzeitigen Situation verschoben. Wir informieren Euch, wenn es einen neuen Termin gibt!*

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