1. Juni 2020
Gründer des Monats: BitVox connected acoustics GmbH

Sprache macht die Arbeit smarter

Start-ups

Sie heißen Alexa oder Siri. Auf Nachfrage erklären sie uns, wie das Wetter wird, spielen auf Zuruf unseren Lieblingssong oder schalten die mit ihnen vernetzten Geräte wie Backofen, Rasenmäher oder Waschmaschine ein. Intelligente Kommunikationslösungen machen unser Leben und Arbeiten flexibler und sind auch das Ding des Bielefelder Start-ups BitVox. Es konzentriert sich schwerpunktmäßig auf akustische Assistenzsysteme in der industriellen Anwendung: von der Sprachsteuerung über die Dokumentation bis hin zur Sprachbenachrichtigung.

2019 ging das vierköpfige Gründerteam um Tobias Lehmann und Dennis Kaupmann mit der BitVox connected acoustics GmbH an den Start. „Eigentlich reichen unsere Wurzeln aber weiter zurück“, sagt Geschäftsführer Tobias Lehmann. Denn schon zwei Jahre vorher, angedockt an die FH Bielefeld, setzten die Bielefelder mit HEA²R, einem Headset for Augmented Auditive Reality, auf die Kraft der Sprache. 

Innovative Kommunikationslösungen

Das Gründerteam, dazu gehören neben Tobias Lehmann und Dennis Kaupmann auch Ingenieurinformatiker Timo Kölling und Wirtschaftsingenieur Joel Sprenger, entwickelte im Rahmen eines Projekts einen intelligenten Gehörschutz. Neben dem Anspruch, die dort Beschäftigten vor Lärm zu schützen, sollten diese auch von einer integrierten Kommunikationslösung profitieren. Und zwar, ohne den Gehörschutz abzunehmen. Möglich machen dies aktive Algorithmen und passive Maßnahmen, die für eine effektive Unterdrückung von Lärm sorgen, der durch Maschinen oder Lüfter im industriellen Umfeld entsteht. „Wir haben dafür viel ‚gerechnet‘“, erzählt Tobias Lehmann mit Blick auf das Projekt, das am Institut für Systemdynamik und Mechatronik (ISyM) der Fachhochschule Bielefeld angegliedert war. Eine für alle positive Anbindung. „Dadurch konnten wir auf die umfangreiche Expertise, insbesondere in den Bereichen mechatronischer Systementwurf, digitale Signalverarbeitung und eingebettete Systeme zurückgreifen“, betont Tobias Lehmann. Für die Nutzer*innen des Prototyps HEA²R heißt das konkret: Sie können trotz der Lärmreduktion ohne Zusatzgeräte natürlich mit ihrer Umgebung kommunizieren und mit anderen Mitarbeitenden in ihrem Umfeld sprechen. Dabei erkennt das intelligente System die Sprache und andere wichtige Warn- und Hinweistöne, trennt diese vom Lärm und gibt sie optimiert an die Träger*innen weiter. Neben diesen Grundfunktionen des HEA²R kann das System um weitere Anwendungen in der Cloud erweitert werden und bietet den Nutzer*innen individuelle Assistenzfunktionen. Das Spektrum ist vielfältig, reicht von akustischen Arbeitsanweisungen über ereignisorientierte Benachrichtigungen in Produktionsprozessen bis hin zu Pick-by-Voice-Anwendungen. 

Mitarbeiter entlasten und unterstützen

Bereits im Laufe des Projekts erkannte das interdisziplinär aufgestellte Team schnell das Potenzial des Projekts und überführte die Tätigkeiten in die BitVox connected acoustics GmbH. „Also eine klassische Hochschulausgründung. Wir hatten durch das Förderprogramm Zeit, um unsere Ideen weiterzuentwickeln. Das Prinzip lässt sich auch auf andere industrielle Arbeitsplätze übertragen. Eine natürliche Sprachkommunikation vereinfacht einfach Arbeitsabläufe“, bringt Tobias Lehmann den entscheidenden Vorteil auf den Punkt. Ein weiterer Pluspunkt: Diese können auch in der Muttersprache der Nutzer*innen erfolgen. Schließlich lautet das Ziel des Bielefelder Start-ups, die Mitarbeiter*innen bestmöglich zu entlasten und zu unterstützen. Denn im Mittelpunkt der Arbeit steht für das Bielefelder Gründerteam immer der Mensch. Die Kommunikation untereinander, vor allem aber auch zwischen Menschen und Maschine mittels künstlicher Intelligenz möglich zu machen, ist die treibende Kraft für das junge Start-up, das im Innovationszentrum Campus Bielefeld (ICB) zuhause ist. Ging es bei dem über zwei Jahre laufenden Projekt HEA²R anfangs noch darum, Mitarbeitende im produzierenden Gewerbe mit dem hybriden Gehörschutz vor Lärmbelästigung zu schützen, ist das Start-up heute einige Schritte weiter. 

Eine natürliche Sprachkommunikation vereinfacht einfach Arbeitsabläufe.

Tobias Lehmann

Zeitersparnis und Arbeitserleichterung

Positiv ist, dass immer mehr Menschen die Vorzüge digitaler Sprachassistenten kennen und – auch durch den privaten Gebrauch von Siri, Alexa und Co. – schätzen gelernt haben. „Schneller, einfacher, intuitiver. Das ist auch der Grund, warum der Einsatz digitaler Sprachassistenten im beruflichen Kontext zu Zeitersparnis und Arbeitserleichterung führt“, unterstreicht der 31-Jährige. Neben Bedienvorgängen, die einfacher und schneller per Sprachkommando ausgeführt werden können, wickelt ein digitaler Sprachassistent auch Dokumentationsprozesse wesentlich schneller ab. Zudem können die Informationen Hands- und Eyes-Free bereitgestellt werden. „Immer maßgeschneidert, abgestimmt auf den jeweiligen Bedarf und das Gesamtsystem“, so Tobias Lehmann mit Blick auf mögliche Soft- aber auch Hardwarelösungen. „Letztendlich vereinfachen wir dadurch Anlagenprozesse und erhöhen die Produktivität.“ 

Wir konzeptionieren und entwickeln Sprachassistenzsysteme für verschiedene Produkte, Maschinen und Software zur Optimierung bestehender Prozesse. Diese sind auch für den Einsatz im Gesundheitswesen denkbar.

Tobias Lehmann

BitVox will mit innovativen Sprachinterfaces alle Mitarbeitenden mitnehmen. Nicht nur in der produzierenden Industrie. „Wir konzeptionieren und entwickeln Sprachassistenzsysteme für verschiedene Produkte, Maschinen und Software zur Optimierung bestehender Prozesse. Diese sind auch für den Einsatz im Gesundheitswesen denkbar“, erklärt Tobias Lehmann. Sowohl in Arztpraxen als auch in Kliniken oder in Pflegeheimen, könnten durch intelligente Sprachassistenzsysteme Absprachen vereinfacht und Dokumentationen schneller abgewickelt werden. „Und zwar um mehr Zeit für den Menschen, den Patienten, zu haben“, betont Tobias Lehmann. Noch steckt dieses Projekt bei BitVox in den Kinderschuhen. „Wir führen zurzeit viele Expertengespräche, um uns einen grundsätzlichen Eindruck zu verschaffen, zu sehen, wo die Bedarfe liegen und zu verstehen, wie gearbeitet wird“, sagt der 31-Jährige. Die Corona-Krise nutzt das Start-up. „Wir haben etwas mehr Zeit, um tiefer in dieses innovative Projekt einzutauchen, da Innovationsprojekte in der Industrie zurzeit etwas hintenangestellt werden“, so Tobias Lehmann, der die Flexibilität, die das Start-up mitbringt, als Potenzial begreift. Dass dieses preiswürdig ist, belegen mittlerweile einige Auszeichnungen. Zuletzt durfte sich das BitVox-Team über den OWL-Innovationspreis Marktvisionen 2019 freuen.

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