Juwelen auf Rollen

Frank Becker besitzt das größte private Filmarchiv Nordrhein-Westfalens

In seinen Lagerräumen schlummern neben rund 60.000 Rollen Filmmaterial mehr als 10.000 Audio-Magnetbänder, 15.000 Schallplatten und 10.000 CDs – Frank Becker hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er archiviert, restauriert und digitalisiert Filme, darunter Kostbarkeiten wie Stummfilme von Dr. Oetker aus den 20er Jahren oder „Skeleton Dance“, der erste Tonfilm von Walt Disney. Der älteste Film in Beckers Archiv ist eine Deulig-Wochenschau von 1912. Unikate sind die 13 Folgen der Fernsehserie „Curd Jürgens erzählt“ die 1960 für die „Freie Fernseh Gesellschaft“ (FFG) von Konrad Adenauer produziert wurden und, da der Sender nicht in Betrieb gehen durfte, nie gesendet wurden.

Umfangreiches Know-how hat sich Frank Becker im Laufe der letzten 40 Jahre angeeignet. Seine Filmrollen lagern in drei Archiven von 1.000 Quadratmetern Gesamtfläche, wo das Material bei weniger als zehn Grad Celsius und einer hohen Luftfeuchtigkeit optimal aufgehoben ist. 2011 gründete er die Frank Becker-Stiftung, deren Zweck es ist, „die Herkunft sowie die Entwicklung der Kino-Kultur lebendig zu halten und zur Erfüllung dieses Zwecks archivarische und kulturelle Aufgaben zu erfüllen.“

Fast täglich rufen Redakteure von Fernsehsendern oder DVD-Produzenten an, die historische Aufnahmen für Reportagen oder Dokumentationen suchen und bei ihm ausleihen: Beckers Archiv hat in der Film- und Fernsehbranche längst einen Namen. Auch digitalisiert der Bielefelder Hausarchive von Unternehmen und Konzernen, wie beispielsweise für die Dr. Oetker AG. Kürzlich erst drehte der Fernsehsender ARTE aus Straßburg im MAB Studio in Brackwede eine Dokumentation zum Thema „Bahnhofskino in Deutschland“, die mit Filmmaterial aus den Brackweder Archiv bestückt wurde.   

1998 erfüllte sich Frank Becker einen Jugendtraum und eröffnete in einer Bielefelder Realschule das „Melodie-Filmtheater“ mit 628 Plätzen, das als besonderen Clou vor jedem Film die Wochenschau von vor genau 30 Jahren zeigt – bis heute bundesweit einzigartig. 

Foto: Sandra Sánchez

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