1. Februar 2021
Partner des Monats: Euscher GmbH & Co. KG

Die Bielefelder Tiefzieher

Partner

Mit technisch anspruchsvollen Blech- und Formarbeiten legte Ewald Euscher 1924 die Wurzeln für die Erfolgsgeschichte von Euscher in Bielefeld. Heute beschäftigt der ehemalige Einmann-Betrieb insgesamt 350 Mitarbeiter*innen – 250 am Bielefelder Standort und je 50 in den Werken in Tschechien und den USA – und agiert in einem sehr spezifischen Marktsegment. Die Kernkompetenzen liegen im Bereich Tiefziehen von Metall – und zwar in höchster Präzision und Qualität. Was mit dieser Technologie alles möglich ist, beweist das vor fast 100 Jahren gegründete Familienunternehmen tagtäglich. Jörn Euscher-Klingenhagen leitet es jetzt in dritter Generation.

Regional gewachsen – international am Markt: Die globalen Märkte verändern sich rasant. Welche Herausforderungen sind damit verbunden?

Die globalen Märkte haben sich verändert. Der Trend und die wirtschaftlichen Erfordernisse, Produkte vor Ort zu fertigen und zu beschaffen, wächst. Diesen wirtschaftlichen Parametern und Anforderungen folgend, haben wir im Jahr 2012 den Schritt nach Tschechien vollzogen und den Aufbau des Standortes in den USA im Jahr 2017 folgen lassen. Denn auch die Kunden in Nordamerika kaufen gerne lokal. Durch diese Geschäftspolitik erhalten wir die Kundenbindung und sichern zuletzt auch die Arbeitsplätze in Deutschland. Unsere Exportquote liegt bei rund 45 Prozent. Durch die Corona-bedingten Umstände und Einflüsse sind auch in unserem Unternehmen weitere große Herausforderungen entstanden: So fehlten im Bereich Automotive zeitweise zum Beispiel Komponenten, die üblicherweise aus Asien kommen, um Autos zu komplettieren. Die Fertigung und Ergänzung dieser Teileparameter galt es, innovativ und schnell zu lösen, damit die drohenden Engpässe der Fertigungsindustrien vermieden werden konnten.


Neben Tschechien und den USA, mit jeweils 50 Mitarbeitenden, sind wir inzwischen dabei, einen Standort in China aufzubauen. Es ist für uns ein sehr wichtiger wachsender Markt, der es ebenfalls erfordert, Produkte vor Ort zu fertigen und zu beschaffen.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den Märkten?

Als deutsches Unternehmen ist der europäische Markt zunächst für uns der wichtigste. Durch die Internationalisierung und Globalisierung wird sich das aber noch ein Stück weit verändern. Daher zeigen wir auch außerhalb Europas, wie in Nordamerika und künftig auch in Asien, Präsenz. Wir wollen und müssen uns insoweit auch für diese Anforderungen für die Zukunft aufstellen. Anpassen müssen wir uns dabei auch an die Mentalität und Kulturen in den unterschiedlichen Ländern, die weiteren Herausforderungen, die damit zusammenhängen, gilt es zu berücksichtigen und gemeinsam hier und vor Ort zu lösen.

Welche Weichen haben Sie für die Zukunft gestellt?

Wir sind seit 1924 ein Familienunternehmen, inzwischen in der dritten Generation. Nach dem Tod unseres Vaters haben mein Bruder und ich das Unternehmen gemeinsam geführt. Bereits vor zehn Jahren habe ich mit meinem Bruder, der 2016 verstorben ist, unsere Unternehmensstrategie „Wir 2024“ – das Jahr, in dem Euscher sein 100-jähriges Bestehen begeht – entwickelt und in der Folge umgesetzt bzw. implementiert. Gedanklich reichen die ursprünglichen Ansätze dieser unternehmerischen Strategie bereits über die Jahreszahl 2024 hinaus. Ziel ist es, das Unternehmen gerne auch in vierter Generation in Familienhand zu belassen. Dafür gibt es sich abzeichnende Perspektiven, die sich jedoch in der Zukunft zeigen werden. Die Strukturen unseres mittelständischen Unternehmens weiterhin zukunftsweisend und -fähig aufzustellen, ist jedoch aus heutiger Sicht entscheidend. Die Stärkung des Standortes Bielefeld mit der Ausrichtung auf die Auslandsmärkte bildet dafür die Basis.

Jörn Euscher-Klingenhagen

Inwieweit ist die Digitalisierung für die Euscher-Gruppe ein Thema?

Das ist letztlich ein weiter Begriff, aber natürlich ein wichtiges Thema und muss von jedem Unternehmen individuell in der Anwendung und im Gebrauch selbst definiert werden. Schnelle PCs allein verstehen wir sicher nicht darunter. Vielmehr geht es bei uns um die Vernetzung von Prozessen und Abläufen, um die Effizienz und Qualität zu steigern. In diesen Prozessen sind wir drin und auf einem guten Weg – auch im Bereich der Verwaltung. Digitalisierung immer da, wo sie den Menschen entlastet und effizient ist, aber den Menschen auch als Teil des Ganzen mitnimmt.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Ziel der Euscher-Gruppe ist es, das Thema Digitalisierung um das Schlagwort Transformation zu erweitern. Denn mit der Automobilwende werden sich im Bereich Automotive die Antriebsvarianten und damit auch die Komponenten verändern, die bisher nur für den Verbrennungsmotor benötigt werden. Erste Projekte laufen bereits dazu. Das Versprechen der Politik, den Mittelstand bei der Transformation zu unterstützen, hat bislang allerdings wenig Wirkung gezeigt. Entsprechende Fördermaßnahmen ausfindig zu machen, gestaltet sich bisher nicht ganz einfach. Und: Es fehlen klare Signale, wie es ablaufen soll. Im Moment gehen wir davon aus, dass es neben dem Verbrennungsmotor sowohl batteriebetriebene als auch wasserstoffbasierte technologische Lösungen geben wird. Fest steht jedoch: Daran hängen viele Arbeitsplätze in Deutschland. In unserem Produktmix – dazu gehören Produkte für den Aerosol-, Kosmetik, Elektronik- und den Konsumgüterbereich – macht allein der Automobilbereich rund 35 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Er ist auch aus technologischer Sicht für uns künftig äußerst interessant.

Was heißt es für Sie als innovativer Partner Ihrer Kunden zu agieren?

Wir müssen uns in Gänze auf die Normen und die Bedürfnisse unserer Kunden konzentrieren und einrichten. Diese gilt es mit unserer innovativen technologischen Ausrichtung in Bezug auf Planung, Konstruktion, Maschinen und Anlagen zu überzeugen und ausgerichtet an deren Prozesse einzugliedern. Wir sind nah am Kunden und am Markt und sehen uns – mit Blick auf die Produkte, die wir bis hin zur Serienreife bringen – auch als Entwicklungspartner.

Wie entstehen innovative, neue Ideen in Ihrem Segment?

Häufig gemeinsam mit den Kunden, aber auch in Teams aus dem Bereich Technologie. Wir verfügen über einen eigenen Werkzeugbau und entwickeln und konstruieren hier unsere Werkzeuge, die ein wesentlicher Faktor für unsere Produkte sind. Uns intern zu verbessern, daran arbeiten wir kontinuierlich. Das heißt auch, sich mit neuer Werkstofftechnik sowie neuen Hilfs- und Betriebsstoffen auseinanderzusetzen, um sich vom Markt abheben zu können.

Welche Rolle spielen für Sie Nachhaltigkeit und der verantwortungsbewusste Umgang mit Ressourcen?

Eine immer größere. Es ist ein Bereich, der sich durch Gesetze und Kunden ebenfalls dynamisch entwickelt. Daher gehört für uns mehr dazu, als die Umweltnorm DIN ISO 14001 zu erfüllen und ein Umwelt-Audit durchzuführen. Unsere Anstrengungen gehen darüber hinaus. Das Thema Nachhaltigkeit spiegelt sich beispielsweise auch bei der Entsorgung der Abfälle, so nutzen wir zum Beispiel eine sogenannte Komprimierungspresse, um das Öl besser abscheiden zu können. Wir setzen aber auch auf einen immer höher werdenden Anteil recycelter Materialien und reduzieren Energie durch die Optimierung von Prozessen und Maschinen. Es bedarf des ganzheitlichen Ansatzes und das Stellen verschiedener Schrauben und Parameter, um uns auch ökologisch für die Zukunft aufzustellen. Denn schließlich müssen sich die Generationen nach uns mit dem auseinandersetzen, was wir gemacht haben.

Sehen Sie sich als Familienunternehmen in einer besonderen Verantwortung?

Auf jeden Fall! Und zwar nicht nur gegenüber der eigenen Familie und somit der nächsten Generation, sondern besonders auch im Sinne unserer Mitarbeitenden und deren Familien. Ich möchte Dinge nach vorn bringen und den Familien auch in Zukunft einen sicherenArbeitsplatz bieten – so handele und lebe ich und so haben auch die Generationen vor mir das Unternehmen gesehen und geleitet.

Was schätzen Sie am Standort Bielefeld?

Die Region OWL und besonders das Oberzentrum Bielefeld ist stark geprägt durch seine mittelständischen Unternehmen, die gerne auch als „Hidden Champions“ bezeichnet werden. Die ostwestfälische Mentalität, kurze Entscheidungswege und verschiedenste Netzwerke – von Das kommt aus Bielefeld über die IHK bis hin zum Unternehmerverband. Der Austausch untereinander unterscheidet uns von anderen Regionen und ist sehr positiv. Arminia Bielefeld ist ebenfalls ein wichtiger Faktor für den Standort Bielefeld. Fußball ist natürlich immer ein Thema und durch den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga trägt Arminia den Namen unserer Stadt und somit auch deren Unternehmen noch positiver als zuvor in die Medien und Öffentlichkeit.

Ist der viel diskutierte Fachkräftemangel für Sie ein Thema und was heißt für Sie Nachwuchsförderung?

Ja, der Fachkräftemangel ist ein wichtiges Thema. Damit eng verzahnt ist auch das Thema Ausbildung und Nachwuchsförderung. Gerade im Bereich der technischen Berufe werden qualifizierte Mitarbeitende benötigt, die entweder eine Ausbildung, eine Fach- oder Meisterprüfung bis hin zu einem Ingenieursstudium absolviert haben. Wir bilden seit mehr als 70 Jahren – auch mein Vater hat hier 1946 von der Pike auf gelernt – Werkzeugmechaniker aus. Trotz der aktuellen Pandemie haben wir die Zahl unserer Auszubildenden nicht reduziert. Wie in jedem Jahr haben zum Ausbildungsbeginn 2020 wieder fünf Auszubildende im gewerblichen und eine Auszubildende im kaufmännischen Bereich begonnen. Das ist die Zukunft und die Basis, um technologisch gut aufgestellt in die Zukunft gehen zu können, da wir unsere selbst ausgebildeten Mitarbeitenden gern übernehmen.

Was bedeutet für Sie die Partnerschaft mit Das kommt aus Bielefeld?

Das kommt aus Bielefeld ist ein wirksames Tool, dass die Region in den Fokus rückt, die Stärken der hiesigen Wirtschaft abbildet und dabei deutlich macht, womit sich Bielefeld als Region absetzt. Auch für unsere Kunden ist dies wichtig. Das muss weiter propagiert werden. Die Unternehmen stark einzubinden – online, aber auch in Form von Partnertreffen und Unternehmensbesichtigungen –, halte ich für eine gute Idee.

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