11. April 2022
23. Virtuelles Partnertreffen

Die eigene Klimaschutzstrategie: von der Erfassung, Reduktion und Vermeidung bis hin zur Kompensation

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„Wir sind uns alle einig, dass der Klimawandel von uns verursacht wurde. Die gute Nachricht dabei ist, dass wir etwas dagegen tun können“, beginnt der Nachhaltigkeitsexperte Peter Frieß, Geschäftsführer Fokus Zukunft GmbH & Co. KG, seinen höchst spannenden Impulsvortrag. Die Zeit zu handeln sei genau jetzt. Unternehmen aller Branchen erführen zunehmenden Druck – sowohl von außen in Gestalt von Kunden, Investoren, Lieferanten, Geschäftspartnern sowie gesetzlichen Vorgaben und Regularien als auch von innen, durch die Mitarbeitenden. Gerade habe zudem die US-Börsenaufsicht gefordert, dass börsennotierte US-Firmen ihre Emissionen offenlegen sollen.

Der Handlungsdruck wächst, nachdem die Politik lange Zeit untätig zugesehen hat. Die erste politische Initiative, der Klimagipfel 1992 in Rio de Janeiro, blieb fünf Jahre erfolg- und folgenlos. Auch wenn das 1997 in Kyoto geschlossene Abkommen eher als „stumpfes Schwert“ zu betrachten sei, wurden seinerzeit die Spielregeln festgelegt, nach denen heute gehandelt wird. „Wir müssen Länder zwingen, ihre CO2-Bilanz zu erfassen“, so Peter Frieß. Außerdem habe sich die Überzeugung durchsetzen können, dass die Industriestaaten die Kosten des Klimawandels schultern müssen – die Geburtsstunde der Klimaschutzzertifikate. „Wir müssen den zu entwickelnden und den Schwellenländern helfen, damit diese die finanziellen Mittel bekommen, um sich für umweltschonendere Energieerzeugung entscheiden können.“

1,5 oder 2 Grad?

Bei der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris haben fast alle Staaten der Welt einen Vertrag unterzeichnet, nach dem sie Anstrengungen zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels unternehmen wollen. „Man muss schon ein Fantast sein, um zu glauben, dass dieses Ziel noch zu erreichen ist“, sagt Peter Frieß. Wenn man von einem 2-Grad-Ziel ausginge, müssten bis 2050 zusätzlich 500 Mrd. Tonnen CO2 eingespart werden.

Was aber können Unternehmen tun? Der Dreiklang besteht aus erfassen, vermeiden & reduzieren sowie kompensieren von CO2. Dabei ist die Berechnung des eigenen CO2-Fußabdrucks keine banale Angelegenheit. „Der Fußabdruck ist das Maß für die Menge an Treibhausgasemissionen, die direkt und indirekt durch eine Aktivität, eine Handlung oder einen Prozess entsteht“, definiert der Nachhaltigkeitsexperte den Begriff. Dazu müssen zunächst die Systemgrenzen abgesteckt werden. Der nächste Schritt ist die Erfassung der Verbrauchsdaten sämtlicher Geschäftsaktivitäten, die mittels Emissionsfaktoren in CO2-Äquivalente umgerechnet werden. Da es neben CO2 noch fünf weitere Treibhausgase (Methan, Lachgas, Kältemittel, NF3 und SF6) gibt, werden diese zwecks Vergleichbarkeit in CO2-Äquivalente (CO2e) umgerechnet.

So werden Teilergebnisse für Scope1, 2 und gegebenenfalls 3 ermittelt. Zu Scope 1 gehören Wärmeverbrauch, Kraftstoffverbrauch, Gasleckagen (Kältemittel); zu Scope 2 Stromverbrauch und Fernwärme. Bei Scope 3 geht es u. a. um die komplexe Thematik der vorgelagerten ergebnisbezogenen Emissionen (Stichwort Lieferketten) sowie um Geschäftsreisen, An- und Abreise der Mitarbeitenden, Wasser und Abwasser, Abfallaufkommen, Papierverbrauch sowie Hardware und Investitionen.

Wichtig sei, dass Unternehmen überhaupt erst mal anfangen. Nicht jede Organisation könne gleich alle drei Scopes angehen. „Und es ist nicht dramatisch, wenn man bei der Berechnung vergisst, das Toilettenpapier mit einzurechnen“, sagt der Geschäftsführer von Fokus Zukunft. „Entscheidend sind die Zahlen vor dem Komma und nicht die dahinter.“ Wesentlich für den Corporate Carbon Footprint sei die Vollständigkeit aller definierten und relevanten Emissionsquellen, die Nachvollziehbarkeit und Genauigkeit der Ergebnisse sowie die Konsistenz, da die Berechnungen und Systemgrenzen für alle Jahre gleich sein sollten. 

Gut fürs Klima – gut fürs Marketing

Eigentlich stellt sich die Frage nicht, warum Unternehmen ihre Emissionen reduzieren sollten. „Denn sie werden künftig nicht mehr darum herumkommen“, sagt Peter Frieß. Eine verbesserte Energiebilanz ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch fürs Image und senkt langfristig die Kosten. Für Unternehmen, die ihre Klimaneutralität erreicht haben, gibt es u. a. Siegel und Urkunden, die das Marketing für die Kommunikation nach außen nutzen kann.

Wer seine CO2-Emissionen erfasst hat, erkennt auch die größten Treiber, die es idealerweise zu vermeiden oder zu reduzieren gilt. Nicht vermeidbare Emissionen können kompensiert werden. Es ist wichtig zu wissen, dass der Begriff „klimaneutral“ verwendet wird, wenn Emissionen durch

eine Maßnahme ausgeglichen werden. „Kompensationen werden häufig als Greenwashing verteufelt, dabei hat das nichts mit einem modernen Ablasshandel zu tun, sondern ist eine sehr sinnvolle Maßnahme“, betont Peter Frieß. Seiner Meinung nach geht es hierbei um Gerechtigkeit und die Übernahme von Verantwortung. „Wer viel Geld hat, hat hohe Emissionen und viel Einfluss

Wer kein Geld hat, hat geringe Emissionen und wenig Einfluss und leidet am stärksten unter den Folgen des Klimawandels, wie beispielsweise Fidschi.“ Klimaschutzzertifikate seien ein probates Mittel, um zu entwickelnde und Schwellenländer in ihren Bemühungen zu unterstützen, beispielsweise im Bereich der Energieerzeugung auf Windparks und nicht auf Kraftwerke setzen zu können. Bei den 8.000 weltweit zugelassenen Klimaschutz Projekten gelten hohe Standards, so dass sich die Käufer*innen der Zertifikate sicher sein können, dass ihr Geld ankommt und in sinnvolle, geprüfte Projekte investiert wird. Die Projekte umfassen unterschiedliche Bereiche, wie z. B. Biomasse, Kochöfen, Solarenergie, Waldschutz, Wasserkraft oder Windenergie. 36 Prozent der CO2-Projekte zielen auf erneuerbare Energien ab. Abschließend appelliert Peter Friess an die Unternehmen: „Begreifen Sie sich als Teil der Lösung.“

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