1. August 2018
DIE KULTURENVERSTEHER

FH-Modul zu „Interkultureller Kompetenz“

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Die meisten Touristen bereiten sich auf ihr Urlaubsland vor. Beschäftigen sich mit Gepflogenheiten und auch sogenannten No-gos. Schließlich ist man zu Gast und möchte nicht unangenehm auffallen. Was für den Freizeitbereich gilt, ist im Business aber noch viel wichtiger.

„Ohne die Fähigkeit, die Kultur des Partnerlandes zu verstehen, können internationale Projekte an Kleinigkeiten scheitern“, sagt Prof. Dr. Natalie Bartholomäus. Deshalb arbeitet die Professorin der Fachhochschule Bielefeld gemeinsam mit Prof. Dr. Riza Öztürk eng mit der regionalen Wirtschaft zusammen.

Eine Säule des entwickelten dreistufigen Kooperationsmodells war das Modul „Interkulturelle Kompetenz“, das im April 2018 startete. Hierbei lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Unternehmen aus Bielefeld und der Region den kultursensiblen Umgang im Geschäftsalltag. Eduardo Melgarejo, IoT-Specialist bei Parker Hannifin, war begeistert. „Ich hatte gedacht, wir lesen ein Buch und sprechen darüber, aber das Modul war viel lebendiger. In Rollenspielen haben wir Teilnehmer unterschiedliche Positionen eingenommen. Manche waren Manager oder Ingenieure, andere Mitarbeiter. Das fiktive Projekt war der Bau einer Brücke. Wir haben gelernt, dass man neben der technischen Seite kulturelle Aspekte, zum Beispiel bei der Recruiting Strategie, Arbeitsweise oder wie man ein Meeting leitet, berücksichtigen muss, damit das Projekt funktioniert. Frau Prof. Bartholomäus hat aus ihren konkreten Erfahrungen, die sie in Indien oder China gemacht hat, berichtet. Aus dem Modul konnte ich viel mitnehmen, was den sensibleren Umgang mit anderen Kulturen anbelangt. Weil wir alles fragen durften und aktiv mitgemacht haben, hat man sich auch viel gemerkt.“

Interkulturell unterwegs

Der gebürtige Mexikaner kam 2008/2009 durch einen von Rotary International organisierten Austausch nach Bielefeld und kann sich selbst noch gut an kulturelle Stolperfallen erinnern. „In Deutschland gibt man sich zur Begrüßung die Hand und küsst sich eben nicht auf die Wange“, erzählt er lachend von der anfänglichen Andersartigkeit der deutschen Kultur. „Sehr gefallen hat mir die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hier in Deutschland. Wenn die Bahn um 9 Uhr fahren soll, dann klappt das auch.“ Auch in die Stadt Bielefeld hat sich der heute 26-Jährige ein wenig verliebt. Deshalb hat er alles darangesetzt, um nach seiner Rückkehr nach Mexiko zum Studium nach Deutschland zurückzukommen. Hat alle nötigen Dokumente übersetzen und notariell beglaubigen lassen und eine ganze Weile in Mexiko Stadt gearbeitet, um Geld für den Flug zusammenzubekommen. An der FH Bielefeld studierte er Mechatronik. Als Werkstudent fing der heute 26-Jährige bei Parker Hannifin an, machte seinen Bachelor und beschäftigt sich nun mit dem Internet of Things. „Wir arbeiten an der Entwicklung von Sensoren, die anhand von Daten Auskunft über den Zustand von Maschinen geben. Mit diesen Informationen – einer Art Diagnose wie beim Arzt – kann unter anderem der Zeitpunkt der nächsten Wartung besser festgelegt werden und man bekommt schneller mit, wann eine Reparatur ansteht. Alles mit dem Ziel, teure Ausfälle zu vermeiden. Diese Technik ist auf Maschinen aller Art übertragbar.“

Investition in die Zukunft

Durch seinen Background, Eduardo Melgarejo spricht neben spanisch noch deutsch, englisch, französisch und ein wenig portugiesisch, ist er in einem so international ausgerichteten Unternehmen wie Parker Hannifin gut aufgehoben. Der führende Hersteller von Antriebs- und Steuerungstechnologien und –systemen ist weltweit mit 50 Standorten und rund 55.000 Mitarbeitenden vertreten. In Bielefeld-Windelsbleiche befindet sich die Unternehmensdivision High Pressure Connectors Europe (HPCE) – Marktführer bei der Entwicklung und Produktion von Verbindungselementen für hydraulische Anwendungen. Um diese Position weiter zu festigen, investiert das Unternehmen stark in Fort- und Weiterbildung. So wurde am 30. Juni 2018 das Technologiezentrum für die Zukunft mit einem großen Familienfest mit 1.400 Besuchern eingeweiht. Die „High Pressure Akademie“ ist das Kommunikationszentrum mit Fachveranstaltungen für Kunden, Händler und Universitäten. Ganz praktisch wird’s im „Training Center“. Hier werden Mitarbeitende von Kunden, Händlern und natürlich auch Parker-Mitarbeiter mit der großen Produktpalette vertraut gemacht. Das „Metals Innovation Center“ beherbergt das Oberflächenlabor und die Versuchsgalvanik, in dem neue Beschichtungstechnologien für Verschraubungen und andere Produkte vom Labor- in den Produktionsmaßstab überführt werden. „Jedes Jahr stellen wir sechs bis acht Auszubildende im gewerblichen Bereich ein. Dazu kommen vier duale Studierende“, berichtet Juliane Ibold aus der HR-Abteilung. „Das sorgt für jungen, frischen Wind.“ Sie muss es wissen. Schließlich hat sie – wie Eduardo Melgarejo – als Werkstudentin bei Parker in Bielefeld angefangen.

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