1. Oktober 2020
Open Innovation City

Gemeinsam, offen & transparent

Storys

Bielefeld ist die erste Open Innovation City Deutschlands. Das Prinzip der offenen Innovation wird hier erstmals auf eine ganze Stadt übertragen. Warum Bielefeld? Das ist schnell erklärt: Die Stadt war immer offen für Innovationen und hat den wirtschaftlichen Fortschritt Deutschlands mitgeprägt. Angefangen bei der Leinenindustrie Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur heutigen Industrie 4.0. Ein starker Mittelstand und eine interdisziplinär ausgerichtete Wissenschaftslandschaft bringen zukunftsweisende Produkte, bahnbrechende Forschung, wegweisende soziale Entwürfe sowie talentierte Köpfe hervor– Bielefeld ist traditionell innovativ. Genau hier setzt Open Innovation City an. 

Das Projekt geht davon aus, dass überall in einer Stadtgesellschaft innovative Ideen für die zukunftsweisenden Fragestellungen einer Stadt vorhanden sind. Das noch junge wissenschaftliche Prinzip der Open Innovation steht dabei für Offenheit, für die Vernetzung aller gesellschaftlichen Akteure, für die Verbindung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft sowie für die gemeinsame Nutzbarmachung der bestehenden Potenziale. Es geht also auch darum, noch mehr Menschen aus unterschiedlichen Bereichen in Innovationsprozesse einzubeziehen. 

Neben der Entwicklung zukunftsfähiger Formate für die stadtinterne und internationale Vernetzung gehört zu den geplanten Maßnahmen von Open Innovation City z.B. eine eigens entwickelte Plattform, die die aktuell entwickelten Innovationen der Stadt nach außen sichtbar darstellt und die Stadtgesellschaft für die gemeinsame Entwicklung von Innovationen einbindet. Zudem baut Bielefeld aus dem Innovation Office heraus internationale Innovationspartnerschaften zu Städten und Regionen in der Welt auf, durch die die Stadt und ihre Unternehmen und Institutionen ihr Innovationspotenzial dauerhaft steigern können. Bestehende lokale Initiativen und Formate sollen dabei angebunden, vernetzt und gestärkt werden. 

Das Pilotprojekt wird mit 5,4 Millionen Euro vom NRW-Wirtschaftsministerium gefördert. Partner sind die Fachhochschule des Mittelstands (FHM), die die wissenschaftliche Leitung innehat, die Founders Foundation, der Pioneers Club und OWL Maschinenbau. Wir haben mit Henning Duderstadt, Head of Innovation Office über Bielefelds, Innovationspotenzial gesprochen. 

Herr Duderstadt, Sie haben am 1.4. Ihre neue Position angetreten – mitten im Lockdown. Was konnte trotz – oder auch gerade wegen – Corona auf die Beine gestellt werden?

Trotz Corona haben wir die konzeptionelle wissenschaftliche Vorarbeit sehr schnell und effizient aufgenommen. Als Team zusammenzuwachsen und gemeinsam Visionen und Ideen in Projekte und Ergebnisse umzuwandeln, ist aus den jeweiligen Homeoffices natürlich nicht leicht. Das heißt, sich als Team zusammenzufinden und alles das erste Mal zu machen. Gerade auf Grund von Corona haben wir bereits in der Konzeptionsphase operative Projekte initiiert und uns den Herausforderungen der Pandemie gestellt, unter anderem zusammen mit dem Digitalisierungsbüro der Stadt Bielefeld im Rahmen des BIE-City Hackathons, um das „Neue Normal für Bielefeld“ zu gestalten. Hier haben wir die dezentrale, kollektive Innovationskraft der Stadtgesellschaft mit verschiedenen Instrumenten der „Open Innovation“ genutzt.

Mögen Sie ein kurzes Resümee zum BIE City Hackathon ziehen?

Der BIE-City Hackathon ist für uns ein hervorragendes Beispiel, wie das Projekt für die Stadt Wirkung entfalten kann. Erstens hat unser gemeinsamer Aufruf mit dem Digitalisierungsbüro zur Ideen-Einreichung gezeigt, wie viele und qualitativ hochwertige Ideen unsere Bielefelder Mitbürger*innen haben. Zweitens haben sich viele Partner*innen aus verschiedenen Bereichen eingefunden, die das Projekt gerne unterstützen wollten und die mit hohem Engagement dabei waren. Dies umfasst die Botschafter*innen der verschiedenen Themenfelder, die Mentor*innen des Hack-Wochenendes und auch alle weiteren Partner*innen, die das Projekt ermöglicht haben. Drittens wurden vier Lösungen/Ergebnisse erarbeitet, die sich zum Teil bereits in der konkreten Anwendung befinden. Ausnahmslos werden alle Ergebnisse in ihrer Entwicklung weiterverfolgt, und deren Teams bestehen nachhaltig fort. Um es ostwestfälisch zu sagen: Das war gar nicht schlecht (lacht).

Henning Duderstadt

Wie sieht ganz allgemein die Resonanz der Bielefelder*innen in Sachen aktiver Mitgestaltung aus?

Wir freuen uns, dass es bereits viele interessierte Innovator*innen gibt, die sich mit eigenen Projekten bei uns melden oder an Formaten teilnehmen wollen. Eine aktive und große Innovatoren-Community in Bielefeld muss also nicht erst aufgebaut werden, sondern ist mit Open Innovation City zu vergrößern und systematisch zu vernetzen. Bald werden wir dazu strukturierte und transparente Zugänge in der analogen und digitalen Welt vorstellen, die die verschiedenen Arten der Teilhabe am Projekt ermöglichen.

Internationale Partnerschaften waren geplant. Konnte daran auch während Corona weitergearbeitet werden? 

Ja, mit Tel Aviv in Israel und Tampere in Finnland haben wir bereits zwei innovative Standorte, mit denen wir intensive Gespräche führen, gemeinsame Projekte planen und die für Bielefeld, die Region, die Bürger*innen und Unternehmen greifbare Vorteile schaffen. Wir wollen hier für Bielefeld neue formelle Partnerschaften errichten, deren Wert sich aber insbesondere auf einer aktiven, operativen Arbeitsebene bemisst. Mit unserer Veranstaltung „Open for Innovation – Mittelstand meets Israel“ am 20.8. haben wir erste direkte Verknüpfungen für die mittelständischen Unternehmen in OWL aufgezeigt, die wir in den kommenden Monaten vertiefen werden. Knapp 70 Teilnehmer schalteten sich in das Online-Event ein und erhielten Einblicke in das israelische Ökosystem. Hierbei wurden wichtige Partner für die deutsche Wirtschaft in Israel vorgestellt. Zudem haben zwei Unternehmen aus OWL und NRW aus der Praxis von ihren Erfahrungen in Israel berichtet. Natürlich fehlen die persönlichen Gespräche. Denn nichts ersetzt den persönlichen Kontakt und die Wertschätzung eines Besuchs vor Ort. Den Verknüpfungen per Videochat, E-Mail oder Telefon sowie den ersten digitalen Formaten sollen daher bald auch persönliche Gespräche vor Ort folgen, soweit dies die Infektionsraten und Reiseregelungen erlauben. 

Das Office Opening war mal für Herbst/Winter 2020 geplant. Können Sie Näheres verraten?

Gut Ding will Weile haben. Zurzeit sitzen wir mit dem Team meist in der Founders Foundation und dem Pioneers Club, so haben wir immer mindestens ein Ohr am innovativen Puls der Stadt. Der Ein- und Umzug hängt noch von einigen Faktoren ab, die wir nur bedingt in der Hand haben. Soviel kann ich an dieser Stelle aber verraten: Die Räumlichkeiten stehen fest. Eine feierliche Eröffnung mit Gästen ist noch nicht wirklich planbar, wird aber nach Möglichkeit umgesetzt. Trotz der aktuellen Situation werden wir bald im Stadtbild sichtbar werden. Ich freue mich sehr auf unser Innovation Office im Herzen der Innenstadt. Aber das ist ja klar, als Head of Innovation Office will man ja auch ein Office haben.

Open Innovation City ist auch Partner von DAS KOMMT AUS BIELEFELD. Was hat Sie dazu bewogen?

Bielefeld ist für dieses Projekt die Pilotstadt. Wir wollen hier mit und für Bielefeld etwas Innovatives und Einzigartiges schaffen. Mit „Das kommt aus Bielefeld“ eint uns insbesondere, dass wir beide sichtbar machen, was alles in dieser Stadt und Region steckt. Spätestens, wenn klar wird, dass die Idee einer offenen Innovationsstadt funktioniert – wovon wir überzeugt sind – werden wir das Open Innovation City Konzept anderen Städten für deren Innovationsentwicklung zur Verfügung stellen. Und dann ist eines klar: „Open Innovation City? Das kommt aus Bielefeld!“

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