1. Oktober 2020
Gründungsstory Algenium

Mikroalgen sind kleine Alleskönner

Start-ups Story

Es ist ein idyllisches und inspirierendes Arbeitsumfeld, in dem das Bielefelder Start-up Algenium sich der Kultivierung von Mikroalgen widmet. Auf dem Gelände des traditionsreichen ostwestfälischen Hofes Meyer zu Bentrup – umgeben von Teichen, Wiesen, Feldern und Pferden – im sonst von der Industrie geprägten Osten der Stadt haben die drei Gründer und Geschäftsführer Dr. Johann Meyer zu Bentrup, Dr. Dominik Cholewa und Dr. Viktor Klassen ein Gebäude bezogen.

„Das deckte sich sehr gut mit unserem Anspruch, nachhaltig produzieren zu wollen“, erklärt Dominik Cholewa. „Wir haben hier alles, was wir brauchen: Bio-Gas für den Strom, Wärme, Wasser und CO2.“ Genau über die Nutzung dieser Ressourcen hatte Landwirt Johann Meyer zu Bentrup schon intensiv nachgedacht. Das Aha-Erlebnis kam, als seine Mutter ihm einen Zeitungsartikel mit den Worten „Wäre das nicht interessant für unsere Biogas-Anlage?“ in die Hand drückte. Der Bericht thematisierte die Grundlagenforschung zu Mikroalgen an der Universität Bielefeld. „Da habe ich gestaunt, dass wir in Bielefeld eine solch international anerkannte Forschung in diesem Bereich haben.“

Unser aller Lebensmittelpunkt ist in Bielefeld.

Dr. Johann Meyer zu Bentrup

Das Interesse war geweckt. Ein Anruf in der Biologie der Universität hatte weitreichende Folgen, denn Viktor Klassen ging an den Apparat. Die Welt ist klein, denn beide besuchten dasselbe Gymnasium in Bielefeld. Der Biologe beschäftigte sich seit seiner Dissertation mit dem Einsatz von Mikroalgen zur Gewinnung von Biogas. Mit der Neugier auf die Potenziale von Mikroalgen von Johann Meyer zu Bentrup rief Viktor Klassen bei Dominik Cholewa aus der Technischen Fakultät an, der sich ebenfalls schon seit seiner Promotion den Mikroalgen und den technischen Möglichkeiten hierzu gewidmet hat. In dieser Drei-Mann-Kombination erkannten alle recht schnell, dass jenseits von Bio-Methan zahlreiche Möglichkeiten mit den Mikroalgen, z. B. für die Nahrungsmittel- und die Arzneibranche, auf ihre Umsetzung warten. 

Ein gutes Team

„Wir kommen aus unterschiedlichen Bereichen“, sagt Landwirt Johann Meyer zu Bentrup, „aber, um unser Produkt voranzutreiben, brauchen wir einander. Uns eint die Natur.“ Und neben der Begeisterung und Faszination für die mikroskopisch kleinen Pflänzchen passt auch die zwischenmenschliche Ebene richtig gut. 

Die Aufgaben sind klar verteilt: Viktor Klassen und Dominik Cholewa kümmern sich um die Forschung und Johann Meyer zu Bentrup, der bereits gründungs- und projekterfahren ist, um die Struktur und den Vertrieb. Außerdem stellt er die Räumlichkeiten auf dem eigenen Hof zur Verfügung. Vielleicht die „intimste Art“, sich voll und ganz hinter ein Projekt zu stellen, wie er sagt. 

Dominik Cholewa und Viktor Klassen wagten also den Blick über den Tellerrand der Universität hinaus in die Selbstständigkeit. Für die beiden Wissenschaftler eine völlig neue Erfahrung. So mussten sie sich u. a. mit Gesellschaftsformen, Gutachten zur Lichtemission – der Hof liegt im Naturschutzgebiet –, Zertifizierungen und Patenten beschäftigen. „Da darf man sich wahrlich nicht entmutigen lassen“, sagt Dominik Cholewa. „Viele große Firmen melden schon die Produkte in der Entwicklung zum Patent an. Deshalb sieht es auf den ersten Blick so aus, als gäbe es bereits ein Patent. Das muss man erst lesen lernen“, ergänzt Viktor Klassen. „Ich habe in den letzten zwei Jahren jenseits der Wissenschaft sehr viel gelernt und viel gegoogelt“, lacht Johann Meyer zu Bentrup.

Passgenaue Produktion

Mit dem eigenen Labor sind die drei Gründer der Einrichtung einer Produktionslinie einen großen Schritt nähergekommen. Da die Algen kleine Alleskönner sind, will Algenium bedarfsgerecht nach Kundenanforderungen produzieren. Soll die Alge viel Protein oder doch lieber wichtiger Kohlenhydratträger sein, können die Anlagen entsprechend eingestellt werden. Die Gründer sind nicht auf das schnelle Geld aus und nicht auf der Suche nach den großen Investoren am Kapitalmarkt, sondern wollen sich von Bielefeld aus entwickeln. Bodenständige Ostwestfalen, die gegründet haben, um zu bleiben. „Es ist nicht unser Ziel, Algenium in ein paar Jahren meistbietend zu verkaufen“, unterstreicht Johann Meyer zu Bentrup. „Unser aller Lebensmittelpunkt ist in Bielefeld. Und wir sind alle drei viel zu begeistert, um das Projekt Mikroalgen in andere Hände zu legen. Als Landwirt denkt man ja auch eher in Generationen und nicht in Jahren“, ergänzt er lachend. Das mag auch nicht verwundern, wenn man bedenkt, dass der Ursprung und die Geschichte des Hofes Meyer zu Bentrup mit der fränkischen Besiedelung um 800 verbunden ist. Eine Urkunde vom 16. März 1305 belegt die Existenz des Hofes „Beringtorp”. Das ist eine lange Geschichte. Und Algenium kommt nicht nur aus Bielefeld, sondern bleibt auch in Bielefeld. 

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