1. August 2020
Gründungsstory: C.Leonardo

Nützlich & schön: Mode aus Bielefeld

Start-ups Story

Manche Talente erkennt man schon in der Kindheit. Cassian Zobel ist einer der jüngsten Maßschneider der Republik. „Ich habe schon als Kind gern gebügelt“, erzählt der 21-Jährige, der sich 2019 mit seinem Label C.Leonardo selbstständig gemacht hat. Denn Nähen ohne Bügeln – das geht leider nicht.

Ich habe schon als Kind gern gebügelt.

Cassian Zobel

Die ersten Nähversuche machte Cassian Zobel bereits in der Waldorfschule. Hier gehört Handarbeitsunterricht zum Lehrplan und das Nähen – keine Überraschung – war Cassian Zobels Lieblingsfach. Nach der Schule stand er vor der Frage Ausbildung oder Studium. „Ich habe mich für die Ausbildung entschieden, weil ich nicht zeitgleich zur Praxis noch die Theorie machen wollte. Wenn ich möchte, kann ich ja später immer noch studieren.“ Und der Ausbildungsplatz bei Puddingtown erwies sich als Glücksgriff, weil dort die Auszubildenden alle Bereiche kennenlernen und auch selbst Schnitte machen dürfen und mit Kundinnen in Kontakt kommen. Die Ausbildung schloss er im vergangenen Jahr als Kammer- und Innungssieger ab. Mit seinem Gesellenstück belegte er auf Bundesebene sogar den 1. Platz in der Kategorie „Die gute Form im Handwerk“. Nun steht er mit seinem Label C.Leonardo auf eigenen Füßen. 

Handwerk nach Maß

Unterstützung erhält der 21-Jährige von seinen Eltern, die beide auch kreativ unterwegs sind: der Vater als Malermeister und die Mutter als Stylistin. Freundin Aylin und Cassian selbst fungieren als Models. Das Atelier von Cassian Zobel befindet sich über dem väterlichen Betrieb. „Wenn ich dafür regulär Miete bezahlen müsste, wäre es mit der Selbstständigkeit schwierig“, resümiert der Maßschneider einige Monate nach der Gründung. „Ich hätte am Anfang nicht gedacht, dass es so schwierig wird, aber ich hoffe, dass mein Unternehmen in Zukunft so gut läuft, dass ich davon leben kann.“ 

Da auch beide Elternteile selbstständig tätig sind, konnten sie ihrem Sohn bei vielen Fragen weiterhelfen. „Der Papierkram ist nicht so meins“, schmunzelt Cassian Zobel, der deutlich lieber handwerklich arbeitet. An seinem großen Zuschneidetisch entwirft und fertigt er Mäntel, Hosen, Kleider und auch Brautkleider. „Eine große Ehre“, wie er feststellt. Schon während seiner Ausbildung hat er sich Maschinen, wie Schnellnäher, Kettelmaschine, industrielle Nähmaschine und Bügelstation angeschafft. Ihm macht besonders die Abwechslung, die sein Beruf bietet, Spaß. 

Alltag vs. Modenschau

Neben der eigenen C.Leonardo-Kollektion fertigt Cassian Zobel Maßanfertigungen für Kund*innen, die sich etwas Besonderes gönnen möchten. Beim ersten Treffen im Atelier, wo auch die Stoffe lagern, wird besprochen, was sich die Kundschaft vorstellt, wobei der Jung-Designer gern auch mit eigenen Ideen mit Rat und Tat zur Seite steht. Je nach Komplexität des Kleidungsstücks finden weitere Anproben statt. Etwa vier Wochen dauert es, bis die Arbeit getan ist. Dabei macht sich der 21-Jährige auch Gedanken um die ökologisch verträgliche und faire Produktion der Stoffe. „Bei Seide ist das schwierig“, stellt er fest. „Denn wirklich faire Seide gibt es nicht. Aber dafür biologische Baumwolle. Und anstelle von Tierleder kann man mit Ananasleder arbeiten.“ 

Mäntel haben es ihm besonders angetan – allein schon wegen der schönen Stoffe. Bei aller Begeisterung für schöne Mode – sie muss vor allem alltagstauglich und nützlich sein. Für eine Show dürfen die Accessoires dann auch gern auffällig und die Mode nicht unbedingt tragbar sein. „Ich könnte mir auch vorstellen, mal Stücke schwarz und weiß anzumalen, vielleicht noch mit Grau- und Ockertönen zu arbeiten. Die Farbe würde dann reißen, aber die Mode darunter wäre dann ja noch vorhanden.“ 

Ideen hat Cassian Zobel jede Menge, bleibt dabei aber ostwestfälisch bodenständig. „Ich möchte nicht riesig groß werden, aber ich würde sehr gern davon leben können. Und auch eine Verbindung von Gastronomie und Mode fände ich sehr spannend.“

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