1. November 2020
Gründungsstory: circuly

Benutzen statt besitzen

Start-ups Story

Es gab so einige Ideen, wie ihr gemeinsames Start-up heißen könnte. Deshalb legten Viktoria Erdbrügger und Nick Huijs Kriterien fest. So brauchte es beispielsweise eine freie Domain und der Name sollte auch international funktionieren. 50 Zettel, jeder mit einem Vorschlag, klebten schließlich an den Fenstern der Founders Foundation, wo die Idee für ihr Start-up reifte. „Jeder hier durfte voten. Am Ende fiel die Wahl auf circuly“, stellen die beiden Bielefelder zufrieden fest. „Wir sind eine Purpose-driven Company und der Name spiegelt bereits unseren grundlegenden Gedanken. Circular Economy – weg von der Einmal-Nutzung hin zur Kreislaufwirtschaft.“

Kaufen, nutzen, entsorgen – diese Denkweise beansprucht riesige Mengen an Rohstoffen und Energie und überschreitet kontinuierlich natürliche Grenzen einer Welt mit endlichen Ressourcen. Doch nicht nur der Blick auf die mögliche Wiederverwertung von Materialien ist eine Möglichkeit, nachhaltiges Wirtschaften voranzutreiben. Ökologisch sinnvoll ist auch der Ansatz, zu mieten statt zu besitzen. Dieser Gedanke treibt die Sharing Economy an und hat auch Viktoria Erdbrügger und Nick Huijs beflügelt, die sich über die Founders Foundation kennenlernten. Viktoria Erdbrügger war, wie Nick Huijs, mit einer ähnlichen Idee – nämlich Produkte zu vermieten statt zu verkaufen – in der Founders Foundation angetreten. Er wollte Kinderwagen, sie Powerbanks vermieten. Es wurden noch einige weitere Ideen über Bord geworfen, bis die finale Business-Idee stand. Mit einer von circuly entwickelten Software können Unternehmen ihre Produkte vermieten, statt sie nur zu verkaufen. „Damit decken wir neue Umsatzpotentiale für unsere Kund*innen auf und bringen Innovation und Nachhaltigkeit in den E-Commerce“, so Nick Huijs. „Mit unserer Software-as-a-Service können Händler*innen und Produzent*innen ihre physischen Produkte aus bestehenden E-Commerce Shops heraus schnell und einfach auch vermieten statt nur zu verkaufen.“ Mit ihrer Software unterstützt die 2019 gegründete circuly GmbH bereits bestehende Mietgeschäfte ebenso wie Unternehmen, die in das Vermietungsgeschäft einsteigen wollen. Dabei lässt sich das Mietgeschäft innerhalb kurzer Zeit lancieren und skalieren.

Nachhaltig Mehrwerte schaffen

„Wir haben von der Erde bis zum Mond und zurückgedacht, als es am Anfang darum ging, unsere Idee für ein Business-Modell zu konkretisieren“, stellt Viktoria Erdbrügger rückblickend fest. „Man lernt aus Fehlern. Wichtig ist es zu schauen, in welchem Markt man aktiv ist und wie sich dieser entwickelt“, fügt Nick Huijs hinzu. Den Niederländer, der in Enschede und Salt Lake City Computer Science studierte und Berufserfahrung als E-Commerce Manager mitbringt, zog es der Liebe wegen nach Bielefeld. Er stammt, wie Viktoria Erdbrügger aus einer Unternehmerfamilie. „Der Wunsch zu gründen, wurde uns quasi in die Wiege gelegt“, betont auch Viktoria Erdbrügger. Sie absolvierte in Hamburg ihren Bachelor in Wirtschaftspsychologie und ihren Master in München. Ihr gemeinsames Ziel: „Wir wollen etwas aufbauen, das einen nachhaltigen Mehrwert für die Gesellschaft bietet und gleichzeitig wirtschaftlich so attraktiv ist, dass wir die Art und Weise, wie wir konsumieren, grundlegend revolutionieren.“ Um circuly voranzubringen, hat sich das junge Start-up bereits personell verstärkt. Sechs Mitarbeitende sind an Bord.

Man lernt aus Fehlern. Wichtig ist es zu schauen, in welchem Markt man aktiv ist und wie sich dieser entwickelt.

Nick Huijs

In Corona-Zeiten hat circuly diese zu 100 Prozent virtuell gesucht und gefunden. „Wir arbeiten dezentral und damit auch international besetzt zusammen“, so Nick Huijs. Mitarbeiter*innen, größtenteils Entwickler*innen, hat das Bielefelder Start-up u. a. in Frankreich, Albanien und Estland. „Die gleiche Zeitzone macht es möglich, sich jeden Morgen auf eine Tasse Kaffee oder auch schon mal zum virtual Lunch zu treffen“, stellt Viktoria Erdbrügger mit Blick auf das Teambuilding fest. Sie hat selbst schon in neun verschiedenen Städten gelebt und gearbeitet. Durch ihr Studium und ihre Praktika war sie u. a. schon in Spanien, Großbritannien, Australien und Dänemark zuhause. Im August letzten Jahres startete sie an der Founders Foundation, wo sie auf Nick Huijs traf. Der Niederländer hatte bei seinem Studium in Salt Lake City, USA, seine Frau kennengelernt, eine Bielefelderin. „Da sie Lehrerin ist, haben wir nach zwei Jahren Pendelei zwischen Enschede und Bielefeld unseren Lebensmittelpunkt hierhin verlegt“, so Nick Huijs.

Werte, die verbinden

Die 26-jährige und den 29-jährigen Founder verbinden ähnliche Werte. „Wir sind sehr fokussiert und können rational über Ideen und Themen sprechen“, bringen sie ihre Gemeinsamkeiten auf den Punkt. Gelernt haben sie auf ihrer gemeinsamen Reise schon viel. Auch im Bereich Organisation. „Ich bin eine Strukturfanatikerin“, stellt Viktoria Erdbrügger, die aus dem Projektmanagement kommt, mit einem Schmunzeln fest. Nick Huijs geht durch seinen analytischen Background im Tech-Bereich dagegen kreativ nach vorn. Doch auch menschlich gesehen wollen sie künftig durch eine Tür gehen. „Die finale Entscheidung treffen wir dann doch aus dem Bauch heraus“, stellen beide unisono fest.

Den Accelerator der Founders Foundation haben sie im April 2020 beendet. „Danach haben wir unsere erste Finanzierungsrunde abgeschlossen und seitdem Investoren an Bord. Die „Seed-Runde“ ist für circuly jetzt der nächste Schritt. „Die Idee groß zu machen, ist es, was wir spannend finden“, betonen die beiden Bielefelder.

www.circuly.de

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