1. Juni 2020
Gründungsstory: BitVox connected acoustics

Sprachassistenten als intelligente Helfer

Start-ups Story

Das junge Bielefelder Start-up BitVox möchte alle Mitarbeitenden in die digitalisierte Welt mitnehmen. Schließlich nutzt bereits jeder Dritte in Deutschland laut einer Bitkom- Trendstudie digitale Sprachassistenten. Mit innovativen Sprachinterfaces, mit denen Mitarbeiter*innen so interagieren wie von Mensch zu Mensch, realisiert das vierköpfige Gründerteam zurzeit schwerpunktmäßig digitale Projekte im industriellen Bereich. Von der Konzeption bis zur Umsetzung. Und optimiert so viele Prozesse.

„Wir revolutionieren mit unseren innovativen Assistenzsystemen die Arbeitsweise von Mitarbeitenden in der Industrie und sehen auch im Gesundheitsbereich großes Potenzial“, sagt Tobias Lehmann, CEO des bereits mehrfach ausgezeichneten Bielefelder Start-ups. Die BitVox connected acoustics GmbH, 2019 als Ausgründung der FH Bielefeld an den Start gegangen, konzeptioniert und entwickelt aktuell Sprachassistenzsysteme für verschiedene Produkte, Maschinen und Software zur Optimierung bestehender Prozesse. „Sprache übermittelt mühelos komplexe Sachverhalte“, stellt der 31-Jährige fest. „Und gegenüber einer herkömmlichen manuellen Texteingabe sind Sprachassistenten drei bis vier Mal schneller.“ 

Sprache übermittelt mühelos komplexe Sachverhalte. Und gegenüber einer herkömmlichen manuellen Texteingabe sind Sprachassistenten drei bis vier Mal schneller.

Tobias Lehmann

Einfach, schnell, intuitiv

Bislang werden Maschinen und Anlagen in der Industrie häufig über Taster oder Touchdisplays gesteuert. „Bei großen Anlagen fallen häufig zeitraubende Laufwege bei der Bedienung an oder die Bedienung erfordert oft mehrere Navigationsschritte“, erklärt Tobias Lehmann die Ausgangslage. Auch Smartphones und Tablets schränken die Bedienung ein. „Dabei lassen sich Bedienvorgänge inzwischen einfacher und schneller per Sprachkommando ausführen und auch Dokumentationsprozesse wickelt ein Sprachassistent wesentlich schneller ab“, stellt der Geschäftsführer fest. Gleichzeitig können Informationen durch digitale Assistenzsysteme Hands- und Eyes-Free bereitgestellt werden. Persönliche Assistenzsysteme, die die Digitalisierung unterstützen und durch die intelligente Vernetzung von Mitarbeiter*innen und Anlagen Prozesse vereinfachen und dadurch auch die Produktivität erhöhen, sind deshalb der Kosmos, in dem sich BitVox bewegt. Und über Expertise verfügt. Tobias Lehmann ist, wie CTO Dennis Kaupmann, der die Entwicklung leitet, Ingenieur. Beide haben bereits mehrere Jahre in der Forschung im Hochschulumfeld gearbeitet. Von Anfang an mit im Boot sind auch Ingenieurinformatiker Timo Kölling und Wirtschaftsingenieur Joel Sprenger. 

Hard- und Software für komplexe Prozesse

Die Bielefelder, die mittlerweile mit acht Köpfen ihr Start-up vorantreiben, stimmen sowohl Hard- als auch Software auf die individuellen Anforderungen ab und schaffen universelle und intuitive Nutzerschnittstellen. Auch für komplexe Anlagen und Systeme. „Sprache ist die natürlichste Art und Weise der Kommunikation“, unterstreicht Tobias Lehmann. „Unser Ziel ist es, mit intuitiven Bedienkonzepten die Mitarbeitenden bestmöglich in der digitalisierten Arbeitswelt von morgen zu unterstützen. Dafür entwickeln wir Algorithmen.“ Eine komplexe Herausforderung, die das heterogen aufgestellte Team engagiert angeht. Es kann auf Erfahrungen im Bereich der Sprachverarbeitung zurückgreifen. Die sammelte es bereits 2017 während eines mehrjährigen Projekts, angegliedert am Institut für Systemdynamik und Mechatronik (ISyM) der Fachhochschule Bielefeld. Die vier Bielefelder entwickelten HEA²R, ein Headset for Augmented Auditive Reality, und setzten auf die Kraft der Sprache. „Ursprünglich ging es uns darum die Beschäftigten, die im industriellen Bereich arbeiteten, vor Lärm zu schützen und ihnen gleichzeitig die Kommunikation zu erlauben, ohne den Gehörschutz abzusetzen“, skizziert Tobias Lehmann stichpunktartig die Anfänge. 

Sprache ist die natürlichste Art und Weise der Kommunikation. Unser Ziel ist es, mit intuitiven Bedienkonzepten die Mitarbeitenden bestmöglich in der digitalisierten Arbeitswelt von morgen zu unterstützen. Dafür entwickeln wir Algorithmen.

Tobias Lehmann

Es braucht Netzwerke, Mentoren und Strukturen

Als sich die Idee festigte, sich selbständig zu machen, stieß das Gründerteam schnell auf die Founders Foundation. „Die Founders liefern sehr guten Input, gerade für technologiegetriebene Gründungen. Anfangs hatten auch wir Schwierigkeiten, passende Ansprechpartner zu finden. Denn neben dem Willen zu gründen, braucht es auch ein Umfeld mit Netzwerken, Mentoren und einer Struktur“, so Tobias Lehmann und fügt hinzu: „Wir müssen als Gründer alles wissen, um alles machen zu können. Auch in Bereichen wie Finanzierung, Marketing oder Personal. Das ist alles neu und diese Prozesse laufen parallel, quasi ‚nebenbei‘. Gleichzeitig ermöglicht uns die Gründung, jeden Tag an spannenden Themen zu arbeiten, die wir – meist – selbst beeinflussen können.“ Und so denken die Bielefelder gerade wieder einen Schritt weiter. Denn auch in der Gesundheitsbranche bietet das Gespräch mit digitalen Assistenten vielfältige Möglichkeiten. Auch hier möchten die Gründer die menschliche Wahrnehmung nutzen, um Informationen über die Sprache zu digitalisieren. „Dafür dürfte es unter anderem auch in Praxen, Kliniken oder Pflegeeinrichtungen Bedarf geben“, so Tobias Lehmann. Die Philosophie, den Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen zu stellen, möchte das Start-up auch hier realisieren. „Deshalb führen wir gerade viele Expertengespräche“, so der Geschäftsführer. Bedürfnisse und Prozesse verstehen lernen, ist wesentlich für das technologiegetriebene Start-up. Es wird aktuell im Rahmen des „EXIST-Forschungstransfer“ durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das herausragende forschungsbasierte Gründungen aus der Wissenschaft unterstützt, gefördert. „Und so ganz nebenbei lernen wir mit jeder neuen Herausforderung viel dazu und können obendrein unseren Kundinnen und Kunden helfen, innovative Sprachinterfaces in ihre Produkte zu integrieren“, sagt Tobias Lehmann. 

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