13. Juli 2026

Zugehörigkeit schaffen

Best Practice aus der Unternehmenspraxis

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Der Arbeitsplatz ist weit mehr als ein Ort, an dem Aufgaben erledigt werden. Gleichzeitig haben sich Arbeitswelt und soziale Beziehungen verändert. Hybride Arbeitsmodelle und Homeoffice bieten viele Vorteile, machen aber Begegnungen nicht selbstverständlich. Zugehörigkeit entsteht nicht von allein. Wie Unternehmen dennoch ein Umfeld schaffen können, in dem Menschen sich willkommen fühlen, voneinander lernen und gerne langfristig bleiben, zeigen zwei Beispiele aus der Praxis.

NTT DATA Business Solutions AG: Menschen zusammenbringen und Räume für Zugehörigkeit schaffen

Als Diversity Lead Germany bei der NTT DATA Business Solutions AG beschäftigt sich Daniela Siekmann mit einer Frage, die weit über klassische Personalthemen hinausgeht: Wie gelingt es, dass Menschen sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen? Gemeinsam mit ihrer Kollegin Emilia Schneider entwickelt sie im Team „Diversity, Equity & Inclusion (DEI) und Wellbeing“. Der international agierende IT- und Beratungsdienstleister NTT DATA ist allein in Deutschland mit 14 Standorten vertreten. Viele Mitarbeitende arbeiten hybrid oder sind in Kundenprojekten unterwegs. Umso wichtiger ist es, Begegnungen bewusst zu ermöglichen.

Daniela-Siekmann, NTT DATA Business Solutions

Für Daniela Siekmann beginnt Zugehörigkeit bei der Vielfalt. „Diversity is a fact, Equity is a choice, Inclusion is an action“, beschreibt sie den Ansatz. Vielfalt sei zunächst eine Tatsache, Chancengleichheit eine bewusste Entscheidung und Inklusion ein aktiver Prozess. „Wurden wirklich alle gesehen, verstanden und respektiert?“, sei dabei die entscheidende Frage. Daraus entstehe schließlich Zugehörigkeit. „Was können wir als Unternehmen an Rahmenbedingungen, Strukturen und Kultur schaffen, damit Menschen am Arbeitsplatz sie selbst sein und sich entfalten können?“, erläutert sie. Die Strategie dafür wurde von der Unternehmensführung entwickelt und in der Employer Value Proposition verankert – also in dem Versprechen, das die NTT DATA Business Solutions AG ihren Mitarbeitenden gibt. „Wir wollen der Arbeitsplatz sein, wo Menschen wachsen“, fasst Daniela Siekmann den Anspruch zusammen.

Eigeninitiative gefragt

„Connect, Engage, Empower. Menschen zusammenbringen, sie zum Mitmachen motivieren und Räume schaffen, in denen sie voneinander lernen können“, so lautet die Aufgabe des Teams. „Es geht nicht darum, dass das Unternehmen alles vorgibt“, ergänzt Daniela Siekmann. Vielmehr gehe es darum, Mitarbeitende zu ermutigen, ihr Arbeitsumfeld aktiv mitzugestalten. Im besten Fall entstehe daraus das Gefühl der Zugehörigkeit. 

Was können wir als Unternehmen an Rahmenbedingungen, Strukturen und Kultur schaffen, damit Menschen am Arbeitsplatz sie selbst sein und sich entfalten können?

Daniela-Siekmann, NTT DATA Business Solutions

Wie das konkret aussieht, erläutert Emilia Schneider. Bereits beim Onboarding werden neue Kolleginnen und Kollegen nicht einfach mit Laptop und Zugangsdaten ausgestattet. Sie lernen das Unternehmen kennen und kommen direkt mit anderen Neueinsteigenden ins Gespräch. „Alle sitzen im gleichen Boot“, sagt sie. Hinzu kommen Sommerfeste, Weihnachtsfeiern oder Angebote, die auch Familien einbeziehen.

Emilia Schneider, NTT DATA Business Solutions

Weil Begegnung bei einem internationalen Konzern nicht nur vor Ort stattfindet, setzt NTT DATA Business Solutions AG auch auf digitale Formate. Im „Dialogue Room“ können Mitarbeitende Fragen an das Management richten und sich monatlich auf Augenhöhe austauschen. Das Format „People Connect“ bringt Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Teams, Rollen und Standorten zusammen. Wer möchte, kann sich für einen virtuellen Kaffee oder ein gemeinsames Mittagessen verabreden. „Es braucht Möglichkeiten, damit sich Menschen begegnen können. Erst dann können Beziehungen entstehen“, betont Emilia Schneider.

Netzwerke stärken

Eine zentrale Rolle spielen die Mitarbeitenden-Netzwerke. Ob LGBT+, Female Leadership, Family & Co., Väternetzwerk etc. – aus diesen Communities entstehen viele Ideen und Initiativen. „Gemeinsame Erlebnisse sind wichtig“, unterstreicht Daniela Siekmann. Es gibt Laufgruppen, Schach- und Dartturniere oder virtuelle Challenges. Regelmäßige Aktionstage wie der World Heart Day bilden feste Ankerpunkte im Jahresverlauf. Zum Weltherztag rief NTT DATA Business Solutions AG die Mitarbeitenden dazu auf, ihre Beiträge für mehr Herzgesundheit zu teilen. Ein Mitarbeiter aus Dresden lief die Form eines Herzens durch die Stadt und teilte seine Erfahrung im Intranet. 

Gemeinsame Erlebnisse sind wichtig.

Emilia Schneider, NTT DATA Business Solutions

Das Thema Zugehörigkeit ist im Unternehmen eng mit Gesundheit verknüpft. Vor einigen Jahren wurde das betriebliche Gesundheitsmanagement in den Bereich Diversity integriert. Ein wichtiger Baustein sind die Mental Health First Aider. Dahinter stehen speziell geschulte Ansprechpersonen, an die sich Mitarbeitende mit Sorgen und Ängsten wenden können – beruflich wie privat und selbstverständlich vertraulich. Ergänzt wird das Angebot durch Mentoringprogramme, Role-Model-Talks, Breakout Sessions oder Austauschformate rund um Themen wie beispielsweise Resilienz, Elternzeit oder die Vaterrolle. Das Ziel: voneinander lernen und miteinander wachsen.

BGW Bielefeld: Zusammenhalt durch gemeinsame Erlebnisse

Zugehörigkeit ist auch für die Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen mbH (BGW) ein Thema. Der größte Wohnungsanbieter in OWL beschäftigt 178 Mitarbeitende und 12 Auszubildende bewirtschaftet rund 12.000 Wohnungen und 272 Gewerbeobjekte. Janina Milde arbeitet im Bereich Finanzierung und kaufmännisches Projektmanagement und koordiniert zusätzlich das betriebliche Gesundheitsmanagement. Oliver Klingelberg leitet das Sozialmanagement der BGW, verantwortet die Quartiersarbeit und das gesellschaftliche Engagement des Unternehmens. Beide eint die Überzeugung, dass ein gutes Miteinander aktiv gestaltet werden muss.

Janina Milde, BGW

Ein wichtiger Baustein ist dabei das betriebliche Gesundheitsmanagement. „Vorsorge und Fitness liegen uns besonders am Herzen“, berichtet Janina Milde. Ziel sei es, dass die Mitarbeitenden gesund zur Arbeit kommen und gesund bleiben. Pilates am Morgen, Yoga in der Mittagspause oder Krafttraining am Abend gehören ebenso zu den Angeboten wie Badminton, Fußball oder Padel-Tennis. Hinzu kommen gemeinsame Fahrradtouren und Firmenläufe. Seit einigen Jahren ist die BGW regelmäßig beim Hermannslauf dabei.

Dabei gehe es nicht um sportliche Höchstleistungen. Viel wichtiger seien die gemeinsamen Erlebnisse. Nach den Läufen werde häufig noch zusammen gegessen und die Erfahrungen ausgetauscht. „Sport verbindet“, bringt es Janina Milde auf den Punkt. Gleichzeitig entstünden Kontakte zwischen Menschen, die sich im Arbeitsalltag sonst vielleicht nie begegnet wären.

Interdisziplinäre Begegnungen

„Arbeit ist mehr als ein Ort, an dem Aufgaben erledigt werden“, betont Oliver Klingelberg. „Die betriebseigene Kantine oder die Kaffeemaschine sind wichtige Orte für den kollegialen Austausch. Hier wird nicht nur über Projekte gesprochen, sondern auch über private Themen.“

Arbeit ist mehr als ein Ort, an dem Aufgaben erledigt werden.

Oliver Klingelberg

Einen besonderen Stellenwert haben in puncto Zusammengehörigkeit die interdisziplinären Projektteams der BGW. Mitarbeitende aus technischen, kaufmännischen und sozialen Bereichen arbeiten häufig ein oder zwei Jahre lang gemeinsam an Modernisierungs- oder Neubauprojekten. Der Projektabschluss wird gemeinsam gefeiert. 

Oliver Klingelberg, BGW

Mehrmals im Jahr engagieren sich Kolleginnen und Kollegen der BGW gemeinsam für soziale Projekte. Unter dem Motto „Wir für Bielefeld“ setzen sie sich zum Beispiel für die Pflege des Teutoburger Waldes ein, unterstützen den Schulbauernhof in Ummeln oder haben beispielsweise im vergangenen Jahr einen Kleiderflohmarkt mit Modenschau und- einen Bücherflohmarkt organisiert und die Erlöse jeweils gespendet.

„Engagement für soziale Stadtentwicklung stärkt den Zusammenhalt“, sagt Oliver Klingelberg. Dabei kämen Menschen aus allen Bereichen zusammen – vom Reinigungsteam bis zur Geschäftsführung. „Man lernt sich bei solchen Aktionen noch einmal anders kennen, hat Spaß und bewirkt etwas Gutes.“ Sein Fazit: „Gemeinsame Erlebnisse stärken den Zusammenhalt.“ Dazu gehören auch die Klassiker: die Terrassenparty des Betriebsrats, Weihnachtsfeiern oder Veranstaltungen für Kolleginnen und Kollegen, die in den Ruhestand gehen. Alle Angebote, Events oder Aktionen können jedoch nur stattfinden, weil sie vom Unternehmen ausdrücklich gewollt und gefördert werden. Denn beide Praxisbeispiele haben gezeigt, dass Zugehörigkeit nicht zufällig entsteht. Sie wächst dort, wo Menschen sich begegnen, gemeinsam aktiv werden und voneinander lernen. Oder, wie Daniela Siekmann es formulierte: „Wir schaffen die Räume – mit Leben gefüllt werden sie von den Menschen.“