22. April 2026

Anja Vogel von der Effizienz-Agentur NRW berät

Nachhaltigkeit rechnet sich

Anja Vogel, Effizienz-Agentur NRW

Wie lassen sich ökologische Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg miteinander verbinden? Beim Partnertreffen von DAS KOMMT AUS BIELEFELD zeigt Anja Vogel von der Effizienz-Agentur NRW (efa), dass Ressourceneffizienz längst ein strategischer Wettbewerbsfaktor ist. „Wer Material, Energie und Prozesse konsequent weiterdenkt, kann nicht nur CO₂ einsparen, sondern auch Innovationen vorantreiben und Geschäftsmodelle zukunftsfähig aufstellen“, macht sie deutlich.

Die efa ist eine vom Landesumweltministerium beauftragte, neutrale Institution, die Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ressourcenschonender und zirkulärer Lösungen unterstützt. Die Beratungen, die in Kooperation zwischen Unternehmen, einem frei wählbaren externen Berater und der efa stattfinden, sind für kleine und mittlere Unternehmen anteilig förderfähig und richten sich an produzierende Betriebe ebenso wie an Dienstleister oder Handwerksunternehmen. Im Fokus stehen Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle, die so gestaltet werden können, dass Materialien und Prozessenergie effizienter genutzt werden. „Ressourceneffizienz bezieht sich hauptsächlich auf materielle und energetische Ressourcen“, erklärt Anja Vogel, deren Schwerpunkt in der Region Ostwestfalen-Lippe insbesondere auf Circular Economy liegt. Neben der Ermittlung von Einsparpotenzialen und der Erarbeitung konkreter Maßnahmenpakete im Rahmen der Beratungsprojekte berät die efa auch zu Fördermitteln und begleitet Investitionsentscheidungen und Innovationsprozesse.

Dass Ressourceneffizienz konkrete Wirkung entfaltet, zeigen Zahlen aus der Praxis. Rund 250 Projekte pro Jahr führen zu messbaren Einsparungen. „Es sind ungefähr 40.000 Tonnen weniger CO₂ in NRW pro Jahr“, rechnet die Diplom-Betriebswirtin vor. Gleichzeitig trägt die Finanzierungsberatung der efa dazu bei, Investitionen in nachhaltige Technologien anzustoßen. „Da sind wir mit 70 bis 100 Millionen Euro auch durchaus recht erfolgreich“, sagt die efa-Beraterin. Sie bringt dabei unterschiedliche Blickwinkel auf Ressourceneffizienz ein und zeigt anhand acht konkreter Beispiele aus dem Mittelstand, wie sich ökologische und wirtschaftliche Effekte miteinander verbinden lassen: von technischen Innovationen über organisatorische Veränderungen bis hin zu neuen Geschäftsmodellen.

Ein wichtiger Hebel liegt im Maschinenpark vieler Unternehmen. Investitionen in moderne Technologien können Energieverbräuche deutlich senken und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile bringen. „Moderne Technik rechnet sich – oft auch schneller als gedacht“, sagt Anja Vogel mit Blick auf ein mittelständisches Unternehmen aus dem Bereich Blechbearbeitung.

Es investierte in neue Schneidlaseranlagen und reduzierte damit seinen Energieverbrauch erheblich. „Das zahlt direkt auf Scope 1 und 2 der CO2-Bilanz ein“, macht sie deutlich. Förderprogramme unterstützen Unternehmen dabei, solche Investitionen umzusetzen und Innovationen schneller anzustoßen.

Neben technischen Lösungen spielen auch organisatorische Faktoren eine zentrale Rolle. „Ein sehr oft unterschätzter Blickwinkel und Hebel auf Ressourceneffizienz ist die Organisation“, erläutert die efa-Beraterin. Intransparente Prozesse führen häufig zu unnötigem Material- und Energieverbrauch. So konnte ein Unternehmen aus dem Bereich der Drahtherstellung durch die Einführung einer Ressourcenkostenrechnung und die Analyse von Wertströmen die Menge an Kupfer reduzieren und auch 700.000 Kilowattstunden Energie einsparen.

„Wenn Unternehmen verstehen, an welchen Stellen Ressourcen verloren gehen, entstehen konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen. Das führt eigentlich immer zu sehr vielen Aha-Momenten in den Unternehmen“, erklärt Anja Vogel die Wirkung. „Mit diesem Wissen kann man die Fertigungsabfolge optimieren, Rüstzeiten reduzieren, aber auch die Qualität verbessern.“

Einen besonderen Schwerpunkt legt die efa-Beraterin auf Circular Economy, also der Entwicklung zirkulärer Wertschöpfungssysteme. Ziel ist es, Materialien, aber auch Produkte möglichst lange im Kreislauf zu halten und Sekundärrohstoffe einzusetzen. „Mein erster Blick gilt eigentlich immer der CO₂-Bilanz“, beschreibt Anja Vogel ihren Ansatz, um zentrale Hebel zu identifizieren. Häufig zeigt sich dabei, dass der Materialeinsatz den größten Einfluss auf die Umweltbilanz eines Unternehmens hat. Die CIRCO-Workshopreihe der efa ermöglicht Unternehmen einen strukturierten Innovationsprozess, in dem Produkte, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle systematisch analysiert werden. Ein Unternehmen aus der Baubranche, das hochwertige Klinker und Riemchen herstellt, entwickelte im Rahmen der Workshopreihe die Idee, Bauschutt von Baustellen wieder als Rohstoff einzusetzen. So entstand der „CircoBrick by Gillrath“. „Der Einsatz von Sekundärrohstoffen reduziert hier nicht nur den CO₂-Faktor beim Materialeinsatz, sondern auch beim Fertigungsprozess“, so Anja Vogel.

Circular Economy eröffnet darüber hinaus neue Perspektiven für Geschäftsmodelle. Statt Produkte ausschließlich zu verkaufen, entwickeln Unternehmen zunehmend serviceorientierte Angebote. „Im Kern geht es um die Frage, wie sich eine längere Nutzungsdauer des Produktes kapitalisieren lässt“, erklärt Anja Vogel. Ein Beispiel ist für sie das Modell „Cleaning as a Service“. Statt seine Reinigungsprodukte einmalig zu verkaufen, entwickelte ein Unternehmen mit Hilfe der CIRCO-Methode der efa die Idee, Reinigungsleistungen als Service anzubieten. Der eingesetzte Reiniger kann durch Filterprozesse mehrfach genutzt werden. „Zirkularität rechnet sich“, unterstreicht Anja Vogel. Gleichzeitig entstehen durch die kostenfreie CIRCO-Workshopreihe Netzwerke, in denen Unternehmen voneinander lernen und Erfahrungen austauschen.

Auch technologische Entwicklungen eröffnen neue Möglichkeiten, Ressourcen effizienter einzusetzen. Digitale Lösungen und KI-gestützte Prozesse, wie in einem Sägewerk, wo jetzt eine KI-gestützte Lochbandsäge zum Einsatz kommt, sorgen dafür, Produktionsabläufe zu optimieren oder Energieverbräuche zu reduzieren.

„Alle komplexen Entscheidungsprobleme in Unternehmen kann man heute algorithmus- oder KI-gestützt als Entscheidungshilfe ins Haus holen“, macht Anja Vogel deutlich.

Voraussetzung dafür ist eine belastbare Datenbasis, die Muster sichtbar macht und fundierte Entscheidungen ermöglicht. Gerade im Zusammenspiel mit Ressourceneffizienz können solche Projekte gezielt gefördert werden, etwa wenn KI zur Optimierung von Produktionsplanung oder Energiemanagement eingesetzt wird.

Die Erfahrung aus der Projektarbeit zeigt aus Sicht der Expertin, dass zirkuläre Lösungen allerdings oft Zeit benötigen, um sich zu entwickeln. Viele Detailfragen müssen geklärt werden, bevor neue Prozesse etabliert sind. Am Ende strukturierter Innovationsprozesse steht jedoch eine konkrete Roadmap, die Unternehmen Orientierung bietet. „Unternehmen haben dadurch ein fertiges Konzept in der Tasche, was sie umsetzen können“, sagt Anja Vogel. Die Begleitung durch die efa erleichtert den Einstieg und unterstützt Unternehmen dabei, Ideen systematisch zu entwickeln und umzusetzen.

Ressourceneffizienz ist damit weit mehr als ein ökologisches Thema für Anja Vogel. Vielmehr eröffnen sich dadurch für Unternehmen konkrete wirtschaftliche Chancen, die langfristig auch die Wettbewerbsfähigkeit stärken. „Es ist ein Business Case“, resümiert Anja Vogel. „Denn Zukunftsfähigkeit entsteht dort, wo ökologische Verantwortung und wirtschaftliches Denken zusammenkommen.“