2. Oktober 2026
Das ESG-Board bei Schüco als Sparringspartner
Mut zum Perspektivwechsel
Nachhaltigkeit entsteht nicht im Alleingang. Davon ist man bei Schüco überzeugt. Deshalb hat der Bielefelder Gebäudehüllenspezialist vor zwei Jahren ein besonderes Gremium geschaffen: Das ESG (Environmental, Social and Governance)-Board besteht ausschließlich aus externen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Gemeinsam mit Geschäftsführung und Management sowie den jeweils für das Thema zuständigen Fachverantwortlichen aus dem Unternehmen diskutiert das ESG-Board strategische Fragen rund um Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung – unabhängig und kritisch. Mit diesem Schritt unterstreicht das Unternehmen sein Engagement für ganzheitliches, nachhaltiges Handeln sowie seine ökologische und soziale Verantwortung.

Die Idee eines extern besetzten Gremiums entstand aus dem Anspruch, interne Expertise gezielt um externe Perspektiven zu erweitern“, sagt Hannah Butz, die unter anderem die Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie die internationale Umsetzung der CSRD bei Schüco verantwortet. „Im Arbeitsalltag hilft es, bestehende Sichtweisen immer wieder bewusst zu erweitern. Externe Expert:innen helfen dabei, Entwicklungen einzuordnen und kritisch zu hinterfragen, ob wir wirklich an den richtigen Themen arbeiten“, ergänzt Dr. Roman Kordtomeikel, Head of Group Sustainability.
Im ESG-Board kommen Erfahrungen aus Immobilienwirtschaft, Industrie, Politik, Wissenschaft und Umweltengagement zusammen. Den Vorsitz führt Dr. Andreas Mattner, Ehrenpräsident des ZIA. Weitere Mitglieder sind Nachhaltigkeitsexpertin Maria Hill, die den Bereich Nachhaltigkeit bei der ECE-Group verantwortet, Polarforscher und Umweltbotschafter Arved Fuchs, der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens Dr. Michael Vesper sowie Dr. Michael Six, Geschäftsführer von Goldbeck. Die unterschiedlichen Hintergründe wurden bewusst gewählt, um Nachhaltigkeit so umfassend wie möglich zu betrachten und strategische Fragestellungen der Bau- und Immobilienbranche aus verschiedenen Blickwinkeln einzuordnen.
Mindestens zweimal im Jahr trifft sich das ESG-Board für vier bis fünf Stunden mit Vorstand, Management und Fachverantwortlichen in Präsenz. Welche Expert:innen aus dem Unternehmen teilnehmen, richtet sich nach den jeweiligen Themen – von Klimastrategien über Compliance bis hin zu Personalfragen. „Es ist extrem bereichernd, sich in dieser Konstellation ungestört vom Tagesgeschäft über Nachhaltigkeitsthemen auszutauschen“, betont Hannah Butz.
Zukunftsfähigkeit sichern
Dabei versteht sich das Gremium ausdrücklich nicht als Kontrollin-stanz, sondern als strategischer Sparringspartner. „Es wird nicht einfach präsentiert und genickt. Es wird intensiv nachgefragt, diskutiert und auch widersprochen. Genau das bringt uns weiter. Aus dem Austausch entstehen im Nachgang meist viele konkrete Impulse für die weitere Arbeit. Auch hierfür stehen die Mitglieder des Boards für weitere Fragen zur Verfügung“, erklärt Dr. Roman Kordtomeikel. „Wir scheuen uns nicht, auch Arbeitsstände zu zeigen“, berichtet Hannah Butz. „Es muss nicht alles perfekt sein. Gerade in diesem Stadium entstehen häufig die besten Diskussionen.“

Der Nutzen des ESG-Boards zeigt sich auf unterschiedlichen Ebenen. Mal liefert der Austausch konkrete Impulse für aktuelle Entscheidungen, etwa wenn sich regulatorische Rahmenbedingungen ändern. Mal schärft er strategische Weichenstellungen zu Klima- oder Naturschutzprojekten. Und immer wieder entstehen daraus langfristige Initiativen, die über Schüco hinausreichen – beispielsweise gemeinsame Positionspapiere der Bauwirtschaft für politische Entscheidungsträger.
Nachhaltigkeit gilt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten häufig als Kostenfaktor. Diesen Einwand weisen beide nicht zurück – ordnen ihn aber anders ein. „Natürlich kostet Nachhaltigkeit Geld, ist aber auf lange Sicht eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens“, sagt Hannah Butz. Für Dr. Roman Kordtomeikel überwiegen deshalb die Chancen: „Wer heute vorausdenkt, reduziert langfristige Risiken und eröffnet sich gleichzeitig neue Möglichkeiten für Innovationen und Geschäftsmodelle.“
Den Kreislauf ankurbeln
Einen wichtigen Hebel für nachhaltigeres Bauen sehen beide in der Kreislaufwirtschaft: Aluminium und Kunststoff können bei entsprechender Trennung und Aufbereitung in vielen Fällen wiederverwertet und erneut in den Materialkreislauf zurückgeführt werden. Über die Tochtergesellschaft RE:CORE organisiert Schüco die Rücknahme ausgedienter Fenster- und Fassadensysteme, damit die hochwertigen Materialien wieder in neue Produkte einfließen können. „Von Werk- zu Wertstoffen“, bringt es Dr. Roman Kordtomeikel auf den Punkt. Gleichzeitig rückt die energetische Sanierung bestehender Gebäude stärker in den Mittelpunkt. „Etwa 80 bis 90 Prozent der Gebäude, in denen wir 2050 leben werden, stehen bereits heute“, sagt er. „Deshalb müssen wir den Bestand fit für die Klimaziele machen.“
Auch künftig soll das ESG-Board diese Entwicklung begleiten. Nicht als Gremium, das Lösungen vorgibt, sondern als kritischer Impulsgeber. Anderen Unternehmen rät Hannah Butz vor allem dazu, den Austausch zu suchen: „Externe Perspektiven sind unglaublich wertvoll. Gerade in Bielefeld und OWL bestehen für Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten zum Dialog und zur Vernetzung – etwa durch Veranstaltungen und verschiedene Austauschformate, die neue Impulse und gegenseitiges Lernen fördern.“ Nachhaltigkeit dürfe dabei nicht auf Berichtspflichten reduziert werden. „Sie ist ein Innovations- und Zukunftsthema und bleibt relevant“, sagt sie. „Wer sie nur dokumentiert, verpasst die eigentliche Chance.“