23. April 2026
Innovationsmanagement im Unternehmen
Neues Denken, neue Wege: erfolgreiches Innovationsmanagement bei insensiv
Man braucht den Mut, Dinge zu machen – aber auch den Mut zu sagen: Das war nicht die richtige Idee“, sagt Eike Linnenbrügger. Der Leiter Marketing und Vertrieb der insensiv GmbH bringt damit eine Haltung auf den Punkt, die das Innovationsmanagements des erfolgreichen Bielefelder Familienunternehmens prägt. Für das mittelständische Technologieunternehmen ist Innovation gelebter Alltag: von neuen Produktideen über agile Entwicklungsprozesse bis hin zu starken Netzwerken aus Forschung und Praxis.
Innovation zwischen Kerngeschäft und Neuland
Für insensiv ist Innovation kein isolierter Unternehmensbereich, sondern fest in Struktur und Arbeitsweise verankert. Dabei unterscheidet das Unternehmen grundsätzlich zwischen zwei Innovationswelten: Weiterentwicklungen und Innovationen im Kerngeschäft und vollständig neuen Produktideen außerhalb des bisherigen Marktes. Im Kerngeschäft – den kamerabasierten Technologien zur Verifizierung von pfandhaltigen Getränkeverpackungen am Leergutrücknahme-Automaten – entstehen Innovationen oft als sogenannte Lückenschlüsse im Portfolio. Also dort, wo Kund:innen neue Anforderungen formulieren oder sich regulatorische Rahmenbedingungen ändern. So resultieren Lösungen rund um Rücknahmeautomaten oft aus Detailfragen im Betrieb – etwa aus Anforderungen an Geschwindigkeit, Robustheit oder Wartungsfreundlichkeit. „Häufig geht es aber auch direkt um eine ganz neue Idee“, erklärt Eike Linnenbrügger. „Denn bei uns spielt immer auch der klassische Erfindergeist eine entscheidende Rolle.“

Während Weiterentwicklungen im Kerngeschäft meist nah am Markt und aus den Teams heraus entstehen – etwa im Vertrieb, in der Entwicklung oder direkt aus Kundenanforderungen heraus – liegt die strategische Innovationsentwicklung bei insensiv auf Geschäftsführungsebene. Um die Vielzahl neuer Ansätze künftig strukturiert weiterzuentwickeln, wurde jetzt die 100%ige Tochtergesellschaft insensiv develop als eigene Einheit für Innovationen außerhalb des Kerngeschäfts geschaffen. „Mein Schwiegervater Christian Gieselmann, Geschäftsführer der insensiv GmbH und Gründer von insensiv develop, hat noch viele Produktideen jenseits unseres Kerngeschäfts im Kopf, die er zukünftig realisieren möchte“, unterstreicht Eike Linnenbrügger. Die Basis bildet das fundierte Know-how aus über drei Jahrzehnten im Bereich der Bildverarbeitung, Kameraentwicklung, Robotik Drohnentechnologie und Steuerungstechnik. „Wir verfügen über umfassende Ressourcen in den Bereichen Software, Elektronik und Konstruktion, um Zukunftsthemen voranzutreiben und marktreife Lösungen bis zur Serie zu realisieren“, betont Eike Linnenbrügger. Ein Beispiel ist die autonome Logistik im Gesundheitsbereich. Der Einsatz mobiler Robotik soll den automatisierten Transport von Proben und Medikamenten in Krankenhäusern ermöglichen und so Beschäftigte im Gesundheitssystem entlasten. Insensiv hat eine Sensorik zur Kollisionsvermeidung sowie ein Annahmemodul für die Transportautomatisierung entwickelt. Ziel ist es, neue Themenfelder voranzutreiben, ohne bestehende Geschäftsbereiche zu belasten, und gleichzeitig Kooperationen mit externen Partnern zu erleichtern. Die Innovationskultur ist dabei stark mittelständisch geprägt: kurze Entscheidungswege, direkte Kommunikation und ein hoher Praxisbezug.

Freiraum für Ideen
Während strategische Produktinnovationen meist auf Führungsebene entschieden werden, sind die Mitarbeitenden des inhabergeführten Unternehmens ausdrücklich aufgefordert, Prozesse, Werkzeuge oder technische Lösungswege aktiv weiterzuentwickeln. „Unsere Mitarbeitenden haben bei uns einen wahnsinnig großen Freiraum für Ideen und Innovationen, insbesondere in ihren jeweiligen Fach- und Zuständigkeitsbereichen“, unterstreicht Eike Linnenbrügger. „Gleichzeitig sind wir ziel- und nicht handlungsorientiert, was die Vorgaben angeht.“ Das Unternehmen arbeitet dabei mit agilen Methoden, angelehnt an Scrum. Kurze Iterationszyklen, kleine Arbeitspakete und regelmäßige Abstimmungen sorgen dafür, dass Ideen schnell überprüft und angepasst werden können. „Ganz prägend ist dabei unsere Einstellung. Statt zu sagen ‘das geht nicht’, lautet unser Ansatz immer ‘was wäre der Weg dahin?’”, erklärt Eike Linnenbrügger die grundsätzliche Einstellung. Gleichzeitig ist allen im Unternehmen klar, dass nicht jede Idee zum Erfolg führt. Gerade in frühen Innovationsphasen ist die Quote erfolgreicher Produkte gering. „Das erleben wir natürlich auch”, erklärt Eike Linnenbrügger.
Innovation entsteht selten allein
Ein wichtiger Bestandteil des Innovationsmanagements liegt für insensiv in der Zusammenarbeit mit externen Partnern. Dazu gehören Hochschulen, Forschungsprojekte, Netzwerke der Gründerszene sowie Kooperationen mit potenziellen Kunden. „Wir arbeiten mit Hochschulen zusammen, um Ideen und Methoden reinzuholen – aber auch neue Mitarbeitende“, sagt Eike Linnenbrügger. Werkstudierende spielen dabei eine zentrale Rolle für Nachwuchsgewinnung und Wissenstransfer. Gleichzeitig nutzt insensiv Netzwerke gezielt, um an Zukunftstechnologien zu arbeiten – etwa in Robotik, KI oder Drohnentechnologie. Eine zentrale Erfahrung aus vielen Projekten: Innovation scheitert selten an der Technik. „Es wird schwierig, wenn man sich überschätzt – etwa beim Time-to-Market oder bei der Marktrelevanz eines Produkts“, weiß Eike Linnenbrügger. Auch technisch überzeugende Produkte können zu früh kommen – oder an Marktmechanismen scheitern, etwa wenn öffentliche Ausschreibungen Innovation nicht abbilden.
Um kundenspezifische Produkte zu entwickeln, bleibt Innovation für insensiv ein zentraler Erfolgsfaktor. „Wir werden immer versuchen, Produkte zu entwickeln, die eine sehr spitze Nische haben – idealerweise mit Alleinstellungsmerkmalen und geringer Konkurrenz“, beschreibt Eike Linnenbrügger die strategische Ausrichtung. Langfristig arbeitet das Unternehmen daran, Innovationsprozesse durch insensiv develop stärker zu systematisieren. „Bislang entstehen Ideen oft organisch“, so Eike Linnenbrügger. „Was es aber immer braucht ist Mut: Sowohl, um neue Ideen umzusetzen, als auch, um sich von Projekten zu trennen.“