19. Mai 2026

Ehrenamtliches Engagement bei Goldbeck

„Verantwortung endet nicht am Firmentor“ 

Ehrenamtliches Engagement ist für Unternehmen mehr als ein „nice to have“. In diesem Jahr bündelt Goldbeck die Aktivitäten der Mitarbeitenden im Rahmen eines „Social May“. Einen ganzen Monat lang engagieren sich Goldbeck-Teams in verschiedenen Bereichen. Anne Duncker, seit rund drei Jahren Head of Corporate Social Responsibility, berichtet im Gespräch, wie Engagement nach innen und außen wirkt. 

Frau Duncker, anstelle eines Social Days organisiert Goldbeck einen ganzen Monat des ehrenamtlichen Engagements. Warum? 

Wir möchten mit dem Social May gesellschaftliches Engagement sichtbarer machen und zugleich praktikabel organisieren. Bei 14.000 Mitarbeitenden europaweit wäre die Umsetzung an einem einzelnen Aktionstag schwierig. Deshalb verteilen wir die Aktionen auf einen ganzen Monat. So können Teams flexibel teilnehmen und wir schaffen mehr Aufmerksamkeit. Unser geschäftsführender Gesellschafter Jörg-Uwe Goldbeck betont, dass es bei aller marktwirtschaftlichen Orientierung wichtig sei, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Der „Social May“ stärke nicht nur die Gemeinschaft nach innen, sondern zeige, wofür das Unternehmen steht. Gleichzeitig passt das sehr gut zum bundesweiten Ehrentag rund um den 23. Mai, den Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier initiiert hat. Auch dort geht es ja darum, Engagement stärker wertzuschätzen. 

Welche Rolle spielt gesellschaftliches Engagement  in Ihrem Unternehmen?

Gesellschaftliches Engagement hat es bei uns im Grunde schon immer gegeben. Unser Unternehmensgründer Ortwin Goldbeck hat den Satz geprägt: „Verantwortung endet nicht am Firmentor“. Die Entscheidung, das Thema strukturiert anzugehen, kam von ganz oben. Unsere Geschäftsführung hat bewusst gesagt: Soziale Nachhaltigkeit gehört für uns dazu und ist kein „nice to have“, sondern Teil unseres Selbstverständnisses. Es braucht diese Rückendeckung, denn Engagement bringt ja nicht unmittelbar wirtschaftlichen Gewinn – aber es ist eine Investition in Gesellschaft und Unternehmenskultur. Für uns heißt das: Wir schauen nicht nur nach außen, sondern auch nach innen und stellen viele positive Effekte im Unternehmen fest. Wenn Menschen sich engagieren, lernen sie andere Lebenswelten kennen, entwickeln sich weiter und kommen anders miteinander ins Gespräch. Wichtig ist uns immer, dass wir mit unserem Engagement soziale Organisationen tatsächlich unterstützen und keinen zusätzlichen Aufwand verursachen. 

Wie haben Sie 2023 mit der Strukturierung des Engagements angefangen? 

Ich habe Führungskräfte gefragt, welche Themen ihnen am Herzen liegen. Viele haben gesagt, sie seien dankbar für ihre gute Ausbildung und ihren Arbeitsplatz in einem Unternehmen, das hervorragende Produkte herstellt und positiv zu unserer Gesellschaft beiträgt. Sie möchten gern etwas zurückgeben, indem sie junge Menschen, die vielleicht nicht so viel Glück hatten, unterstützen, ihren Weg zu finden. Das Bildungssystem in Deutschland ist nach wie vor nicht besonders durchlässig. Es gibt viele Angebote, wie Stipendien oder Netzwerke, aber viele junge Menschen kennen diese Angebote nicht. So kam es zu unserem ersten Schwerpunktthema: Bildung & Chancengerechtigkeit, das wir mit einem Mentoring-Programm angehen. Dies verbinden wir auch mit dem Thema Klimaschutz, was gut zu unserem Kerngeschäft passt. Kolleginnen und Kollegen gehen in Schulen und zeigen, welche Berufe es in diesem Bereich gibt.  Ein zweites Thema ist die Unterstützung bedürftiger Menschen, abgeleitet aus unserem Unternehmenswert „Menschlichkeit“. Und drittens setzen wir uns für gesellschaftlichen Zusammenhalt ein.

Wie erleben die Mitarbeitenden Aktionen zu diesen Themenbereichen?

Sehr positiv. Viele berichten, dass es besondere Tage sind, die im Gedächtnis bleiben. Teams wachsen noch mal enger zusammen, weil sie gemeinsam etwas Sinnvolles tun. Und es entstehen Begegnungen mit Menschen, die sie sonst vielleicht nie kennengelernt hätten. Der Blick über den Tellerrand hilft dabei, sich in die Lebensrealitäten anderer hineinzuversetzen. Gleichzeitig beobachten wir auch, dass Mitarbeitende sich Dinge zutrauen, die sie vorher noch nie gemacht haben. Jemand hält plötzlich einen Vortrag oder übernimmt Verantwortung im Mentoring. Das stärkt natürlich das Selbstbewusstsein.

Gab es eine Aktion, die Sie persönlich geprägt hat?

Es gab einen Aktionstag, der mich sehr berührt hat. Ich war mit Auszubildenden bei einer Weihnachtsfeier für Menschen mit Behinderung. Wir haben Essen serviert und gemeinsam gesungen. Ich habe mit einer Frau gebastelt, die nicht sprechen konnte. Am Ende hat sie mich einfach angestrahlt und meine Hand gehalten. So ein direktes Feedback erlebt man im Arbeitsalltag selten – für mich war das ein besonderes Erlebnis. Das verändert etwas. Man sieht Menschen anders, baut Vorurteile ab und versteht besser, warum Unterstützung wichtig ist. Für mich ist das ein zentraler Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Und was hat das mit Demokratie und Selbstwirksamkeit zu tun?

Sehr viel. Gerade junge Menschen erleben im Engagement: Ich kann etwas bewirken. Dieses Gefühl – „Ich kann was, ich bin was“ – ist unglaublich wichtig. Wer sich als wirksam erlebt, beteiligt sich auch eher gesellschaftlich. Gleichzeitig hilft Engagement, den Blick zu weiten. Man merkt: Gesellschaft besteht aus ganz unterschiedlichen Gruppen, und wir müssen Lösungen gemeinsam finden. Das ist auch eine Grundlage für demokratisches Miteinander.

Was funktioniert gut – und wo liegen Herausforderungen?

Gut funktioniert Vielfalt. Unterschiedliche Formate, verschiedene Zugänge – das spricht mehr Menschen an. Eine Kollegin aus der Presseabteilung etwa hat einen Online-Workshop für NGOs gegeben: Wie schreibe ich eine gute Pressemitteilung? Andere wiederum wollen bewusst etwas ganz anderes machen als in ihrem Arbeitsalltag. So haben wir „skills based“- und „hands on“-Einsätze. Beide haben ihre Berechtigung. Wir schaffen den Rahmen für das Engagement: Mitarbeitende werden bezahlt freigestellt und sind versichert. Sie müssen sich natürlich in ihren Teams und mit der Führungskraft abstimmen. Die größte Herausforderung bleibt das Thema „Zeit“. Gerade in wirtschaftlich angespannten Phasen merken wir, dass Kapazitäten begrenzt sind. Deshalb ist es uns wichtig, sensibel zu kommunizieren und niemanden zu überfordern. 

Und wie sieht der Social May konkret aus?

Im Mittelpunkt stehen mehrere soziale Tage, die von unseren Teams bei GOLDBECK selbst gestaltet werden. So unterstützen Auszubildende und Mitarbeitende beispielsweise das Bildungs- und Umweltzentrum Hof Ramsbrock, einen Verein, der anschaulich über Klimawandel, Biodiversität und nachhaltiges Handeln informiert. Vor Ort, quasi „um die Ecke“ vom Bielefelder Unternehmenscampus, helfen wir ganz praktisch im Gemüsegarten, am Sumpfbeet oder beim Bau einer Trockenmauer. In Frankfurt engagieren wir uns im Mehrgenerationenhaus, das den größten Bürgergarten der Stadt betreibt. Hier geht es nicht nur um Urban Gardening, sondern auch um Begegnung, Austausch und gesellschaftlichen Zusammenhalt von Menschen verschiedener Generationen und Lebenswelten. Darüber hinaus machen wir gezielt auf unser Mentoring-Programm mit der Organisation „Rock Your Life!“ aufmerksam. In Lunch-&-Learn-Formaten können sich Kolleginnen und Kollegen informieren und selbst Mentor oder Mentorin werden. Ergänzt wird der Monat durch unseren Firmenlauf GOLDrun: Für jede teilnehmende Person spenden wir einen Betrag an den Verein „Lernort Stadion“, der sich für Demokratie, Teilhabe und Chancengerechtigkeit einsetzt. 

Ehrentag

Der bundesweite Mitmachtag findet zum Geburtstag des Grundgesetzes erstmals am 23. Mai statt. Initiiert wurde er von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der auch die Schirmherrschaft übernimmt. Am Ehrentag kann sich jeder Mensch engagieren, um gesellschaftliches Miteinander zu feiern. Ob Aufräumaktion, Straßenfest oder Spieleabend im Seniorenstift: Zum Ehrentag stehen Spaß und Gemeinschaft im Mittelpunkt.

Wer sich beteiligen möchte, findet auf der Website passende Angebote in der Nähe. 

www.ehrentag.de