16. September 2026

Vielfältige Teams. Starke Leistung – Wie generationenübergreifende Zusammenarbeit Unternehmen stärkt

Generationenvielfalt, Altersbilder und die Frage, wie Zusammenarbeit über Altersgrenzen hinweg gelingen kann: Genau hier setzte die Veranstaltung „Zu jung! Zu alt! Gemeinsam unschlagbar?“ der Initiative für Vielfalt im Bündnis Ostwestfalen und DAS KOMMT AUS BIELEFELD an. Bei der zweiten Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Vielfältige Teams. Starke Leistung“ ging es in der SchücoArena um ein Thema, das Unternehmen längst nicht mehr ignorieren können. Demografischer Wandel und Altersdiversität gehören zu den zentralen Herausforderungen moderner Arbeitswelten. Wie können Organisationen das Potenzial unterschiedlicher Generationen produktiv nutzen?

Für einen pointierten und gespielten Einstieg sorgten die Keynote-Speaker Gerda-Marie Adenau (64) und Tom Herzberg (28). Was für ein Bild haben die Generationen voneinander? „Eure Erwartungen sind einfach zu hoch“, konfrontierte Gerda-Marie Adenau ihren jungen Kollegen. Homeoffice, Vier-Tage-Woche, zwischendurch frei und am besten schon mit 26 ins Management? „Ich finde, das geht nicht.“ Tom Herzberg hielt dagegen: „Wie oft habe ich diesen Satz ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘ gehört. Ich kann es wirklich nicht mehr hören.“ Die Älteren seien veränderungsresistent, würden erst einmal tagen und neue Gremien bilden, bevor überhaupt etwas passiere. Und überhaupt: „Von jemandem, der sich E-Mails ausdruckt, Digitalisierung erklärt zu bekommen – darauf freue ich mich schon.“

Gerda-Marie Adenau bringt mehr als 40 Jahre Berufserfahrung mit, 25 davon im Siemens-Konzern. Als Mitgründerin der Initiative „Lebensphase 50plus“ beschäftigt sie sich seit Jahren mit Altersdiversität. Tom Herzberg ist Founders’ Associate bei Digital8, Europas führendem Digital-Native-Netzwerk, und entwickelt unter anderem Reverse-Mentoring-Programme, praxisnahe KI-Befähigungsangebote und Generationendialoge. In ihrer Keynote „Lebensphasen statt Altersgrenzen“ wollen sie vor allem eines: die eingangs formulierten Schubladen hinterfragen.

Zuschreibung vs. Realität

Tom Herzberg teilt die Generationen zunächst plakativ in „Digital Immigrants“, damit sind Traditionalisten, Babyboomer und Generation X auf der einen Seite und „Digital Natives“, also die Generationen Y, Z und Alpha, auf der anderen gemeint. Digital Natives sind ganz selbstverständlich mit digitalen Technologien aufgewachsen bzw. Gen Z kennt keine Welt ohne sie, während die Digital Immigrants Zugewanderte in der digitalen Welt sind und den Umgang mit der Technik lernen müssen.

Den Jüngeren werden Begriffe wie Flexibilität, Work-Life-Balance und Wertschätzung zugeschrieben, den Älteren Loyalität, Arbeitsmoral und Struktur – aber auch Veränderungsresistenz. Gerda-Marie Adenau erkennt sich durchaus in einzelnen Begriffen wieder, wehrt sich aber gegen die Verallgemeinerung. „Ich möchte auch eine sinnstiftende Arbeit und Wertschätzung.“ Und sie findet, dass die Gen Z einen wichtigen Impuls gesetzt hat: „Ich bin der Gen Z dankbar, dass sie diese Themen aufs Tapet gebracht hat.“ Die Diskussion über Work-Life-Balance und Sinnhaftigkeit habe den einseitigen Fokus auf Arbeit aufgebrochen. „Wenn man aber in eine Schublade gesteckt wird, ist sie auch schnell geschlossen“, weiß sie. „Man kommt nur sehr schwer wieder raus. Und das tut weh.“ Dabei sind sich die Generationen in ihren Grundwerten überraschend ähnlich. Bei der regelmäßig erscheinenden Trendstudie „Jugend in Deutschland“ von Klaus Hurrelmann und Simon Schnetzer stehen sowohl bei Babyboomern als auch bei der Gen Z dieselben drei Werte hoch im Kurs: Familie, Gesundheit und Freiheit. Klar gibt es Unterschiede, entscheidender als das Geburtsjahr ist jedoch das Umfeld. „Es ergibt keinen Sinn, in Generationen zu sprechen“, unterstreicht Tom Herzberg. „Das bildet die Realität nicht ab.“

Es ergibt keinen Sinn, in Generationen zu sprechen.

Tom Herzberg

Lebensphasen statt Altersgrenzen

Was uns prägt, ist der Zeitgeist, unser Umfeld. Die Konsequenz daraus: Unternehmen sollten weniger in Generationen und stärker in Lebensphasen denken. Denn Menschen, die 20 Jahre auseinanderliegen, können vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Eine 30-Jährige mit kleinen Kindern, ein 40-Jähriger in einer zweiten Familienphase und eine 55-Jährige, die sich um pflegebedürftige Eltern kümmert, sie alle benötigen Flexibilität und Unterstützung bei Care-Aufgaben. „Schaut stärker nach diesen gemeinsamen Bedürfnissen“, empfiehlt Gerda-Marie Adenau, die mit 57 ein Masterstudium in Philosophie aufgenommen hat. „Lebensphasen hören nicht mit 50 auf“, lautet ihre Botschaft. Auch mit 55 oder 60 können Menschen Karriere machen, sich weiterbilden oder erstmals Führungsverantwortung übernehmen. Wer das Potenzial aller Beschäftigten nutzen will, muss deshalb die Alterslabel loswerden. Das gilt für Personalentwicklung, Recruiting und Gesundheitsmanagement. Fortbildungen sollten offen für alle sein und unterschiedliche Formate anbieten. „Gemeinsam miteinander und voneinander lernen“, lautet ihr Plädoyer. Spezielle „Seniorenkurse“ lehnt sie ab: Lernen sei individuell und keine Frage des Alters.

Konkrete Hebel für den Arbeitsalltag

Um unterschiedliche Sichtweisen einzubeziehen, empfiehlt Gerda-Marie Adenau, Feedback von einem Menschen einzuholen, der altersmäßig 20 Jahre entfernt ist. Sie selbst habe das mehrfach ausprobiert. „Das war nicht immer angenehm“, räumt sie ein. Aber es sei ausgesprochen hilfreich gewesen. Führungskräften rät Tom Herzberg zu einer „Frischzellenkur“: Reverse Mentoring. Warum nicht eine jüngere Mitarbeiterin oder einen jüngeren Mitarbeiter als Sparringspartner gewinnen? Themen wie Social Media, Digitalisierung, KI oder Nachhaltigkeit bieten sich an. Die Initiative müsse aber von den Führungskräften ausgehen. „Wenn ihr wartet, dass eine jüngere Person auf euch zukommt und euch das anbietet, wird das wahrscheinlich nicht passieren.“

Wie stark junge Perspektiven Unternehmen verändern können, zeigt er am Beispiel von Prada und Gucci. Beide Luxusmarken lagen 2014 beim Umsatz noch ungefähr gleichauf. Gucci setzte anschließend auf ein Shadow Board aus jungen Mitarbeitenden und externen Talenten, das das Management bei bestimmten Fragen herausforderte. Unter anderem entstand daraus die Idee, mit Influencern und Hip-Hoppern zusammenzuarbeiten – im Jahr 2015 für eine Luxusmarke keineswegs selbstverständlich. Laut Tom Herzberg halfen diese Impulse dabei, neue, junge Zielgruppen zu erreichen

Haut die Alterslabel weg!

Auf Unternehmensebene braucht es passende Rahmenbedingungen und eine Kultur, die Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglicht. Gerda-Marie Adenau berichtet von Frauen, die nach Jahren in Teilzeit – etwa weil die Kinder größer geworden sind – wieder Vollzeit arbeiten möchten. Trotz Erfahrung und Engagement bekommen sie häufig nicht die Chance, sich weiterzuentwickeln. „Die kommen einfach nicht mehr hoch.“ Ihr Appell: „Haut die Alterslabel weg! – beim Recruiting, bei Fortbildungen und im Gesundheitsmanagement.“ Statt Altersgruppen sollten Unternehmen mit Bedürfnissen und Future Skills arbeiten.

Am Ende steht deshalb nicht die Frage, wer „zu jung“ oder „zu alt“ ist, sondern wie Unternehmen Räume für unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven schaffen. Gerade weil zwischen den Generationen im Arbeitsalltag weiterhin ein Hierarchiegefälle besteht, müssten erfahrene Führungskräfte den ersten Schritt machen, sagt Tom Herzberg. Junge Mitarbeitende wiederum sollten ihre Sichtweisen einbringen und Verantwortung übernehmen.

Die Botschaft der beiden Speaker: Nicht vorschnell kategorisieren, sondern neugierig bleiben. Unterschiede nicht als Problem, sondern als Chance begreifen. „Lasst uns miteinander statt übereinander sprechen, damit wir die Potenziale am Arbeitsplatz ausschöpfen können.“

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GOLDBECK realisiert zukunftsweisende Immobilien in Europa. Das Unternehmen versteht Gebäude als Produkte und bietet seinen Kunden alle Leistungen aus einer Hand: vom Design über den Bau bis zu Serviceleistungen während des Betriebs.

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