15. Mai 2026
Qualität sichern. Zukunft gestalten. Ressourcen bewahren.
Wirtschaft LIVE zu Gast bei BST
Bei der 18. Ausgabe von „Wirtschaft LIVE“ öffnete die BST GmbH ihre Türen für DAS KOMMT AUS BIELEFELD. Im Mittelpunkt des Abends standen Zukunftstechnologien rund um Qualitätssicherung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Eine spannende Führung durch das Unternehmen rundete die Veranstaltung ab. Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer würdigte in ihrem Grußwort die Bedeutung mittelständischer Unternehmen für den Standort: „Unternehmen wie BST tragen dazu bei, Bielefelds Wirtschaft zu stärken. Sie schaffen Arbeitsplätze, investieren, bilden aus und übernehmen Verantwortung für die Menschen vor Ort.“
Wie modernste Technologien heute bereits Produktionsprozesse verändern und welche Bedeutung sie künftig für Industrie und Nachhaltigkeit haben, zeigten die anschließenden Vorträge der BST-Experten. Unter der Überschrift „Qualität sichern, Zukunft gestalten, Ressourcen bewahren“ gaben Alexander Heck, Vorsitzender des Vorstands der elexis AG, Geschäftsführer der BST GmbH und der EMG Automation GmbH, und Joachim Barthelme, Executive Vice President Business Unit Flexible Materials Einblicke in Technologien, Anwendungen und Zukunftsmärkte des Unternehmens. Zunächst erläuterte Alexander Heck, wie Qualitätssicherung in bahnförmigen Produktionsprozessen funktioniert – also überall dort, wo Materialien in bahnförmigen Prozessen auf Rollen verarbeitet werden. Dazu zählen u. a. Verpackungen, Etiketten, Hygiene-Artikeln und Windeln, Reifen oder Komponenten für Autobatterien. Fehler in diesen Produktionsprozessen verursachen enorme Kosten und verschwenden wertvolle Ressourcen. Alexander Heck verdeutlichte dies am Beispiel eines großen Getränkeverpackungsherstellers: Rund 178 Milliarden Verpackungen werden jährlich produziert. Bereits eine Fehlerquote von lediglich 0,1 Prozent würde bedeuten, dass 178 Millionen Verpackungen unbrauchbar werden. „Das ist extremer Materialverlust und wirtschaftlicher Schaden – aber eben auch unnötige Ressourcenverschwendung“, erklärte der CEO. BST entwickelt dafür Systeme zur Bahnlaufregelung, intelligenten Kamera- und Inspektionslösungen zur Qualitätssicherung. Sensoren erkennen kleinste Abweichungen in der Materialführung, während Aktorik unmittelbar eingreift, wenn „etwas im wahrsten Sinne des Wortes schief läuft“.
Ein Mü entscheidet
Gerade bei mehrfarbigen Druckprozessen müssen einzelne Druckfarben hundertstelgenau übereinanderliegen. Bereits minimale Abweichungen können die Druckqualität sichtbar beeinträchtigen. Zusätzlich überwachen Inspektionssysteme Farben, Oberflächen und Druckbilder. Kommt es zu Fehlern, erhalten Maschinenbediener automatische Hinweise und konkrete Handlungsempfehlungen. „Nichts ist teurer als eine Maschine, die stillsteht“, so Alexander Heck. Moderne Druckmaschinen produzieren mit Geschwindigkeiten von bis zu 800 Metern pro Minute – Fehler mit bloßem Auge zu erkennen, sei dabei unmöglich. Wie präzise diese Systeme arbeiten, zeigte der Vorstandsvorsitzende am Beispiel eines Milchkartons. Kleine Farb- und Registermarken auf dem Verpackungsboden sorgen dafür, dass Farben exakt stimmen und einzelne Druckschichten präzise übereinanderliegen. BST-Systeme können Fehler exakt lokalisieren, sodass fehlerhafte Bereiche gezielt entfernt werden, ohne den gesamten Produktionsprozess stoppen zu müssen.
Prozesse verknüpfen
Besonders wichtig sei dabei die Vernetzung der einzelnen Prozessschritte. Qualitätssicherung ende nicht bei der reinen Fehlererkennung. Vielmehr würden Bahnführung, Inspektion und Produktionsdaten in geschlossene Regelkreise integriert. Dadurch entstehe ein kontinuierlicher Datenaustausch über die gesamte Produktionskette hinweg. Das reduziere Produktionsausfälle, verbessere die Qualitätskontrolle und unterstütze zugleich den Wissenstransfer in Unternehmen. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des Ausscheidens erfahrener Mitarbeitender gewinne Automatisierung zunehmend an Bedeutung. Systeme könnten neue Beschäftigte trainieren und bei Fehlern konkrete Handlungsempfehlungen geben.
Joachim Barthelme richtete den Blick weiter in Richtung Zukunftstechnologien. Im Fokus seiner Ausführungen standen neue Anwendungen in der organisch gedruckten Elektronik – einem stark wachsenden Zukunftsmarkt. Dabei werden hauchdünne elektronische Strukturen auf flexible Materialien gedruckt. Die Dimensionen reichen von etwa 0,01 bis 200 Mikrometern und bewegen sich damit teilweise deutlich unterhalb der Dicke eines menschlichen Haares, das eine Stärke zwischen 17 und 150 Mikrometer aufweist. Einsatzgebiete finden sich unter anderem in der Photovoltaik oder in der Batterieproduktion.
Zentrale Bedeutung von KI
Auch hier spielt präzise Qualitätssicherung eine zentrale Rolle – und Automatisierung ist der Schlüssel zu mehr Effizienz und Nachhaltigkeit. Bei der Herstellung von Batterien werden beispielsweise Kupfer- und Aluminiumschichten benötigt; Material, das ebenfalls auf Bahnen verarbeitet wird. Bereits kleinste Partikel oder Einschlüsse können die Leistungsfähigkeit und Sicherheit der Batterien beeinträchtigen. Gleichzeitig machen Batterien heute einen erheblichen Anteil der Produktionskosten von Elektrofahrzeugen aus. Ausschussraten von über 20 Prozent sind allerdings in der Industrie keine Seltenheit. „Jeder Fehler, der zu spät erkannt wird, treibt die Kosten massiv nach oben“, erklärte Joachim Barthelme. Ziel sei deshalb, Fehler frühzeitig innerhalb des laufenden Prozesses zu identifizieren und sämtliche Produktionsdaten lückenlos zu dokumentieren. So könne zudem am Ende ein vollständiger Produktpass für jede einzelne Batteriezelle erstellt werden. Ähnliche Produktionsverfahren kommen auch bei Technologien zur Wasserstoffgewinnung zum Einsatz. Dort müssen Beschichtungen und Materialien ebenfalls hochpräzise verarbeitet und überwacht werden, um Effizienz und Sicherheit sicherzustellen.
Künstliche Intelligenz spiele dabei eine immer größere Rolle. KI-Systeme helfen BST heute bereits bei der Fehlerklassifizierung, Mustererkennung und Analyse minimalster Partikel. Sie unterscheiden beispielsweise, ob es sich lediglich um harmlose Einschlüsse oder um sicherheitsrelevante Defekte handelt. Für Joachim Barthelme ist KI zugleich ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen: „Ohne diese Technologien werden wir gegen die Konkurrenz aus Asien mit Blick auf Personalkosten und Lieferketten langfristig nicht bestehen können.“ Automatisierung und intelligente Qualitätssicherung seien deshalb nicht nur technologische Innovationen, sondern zentrale Voraussetzungen für Effizienz, Nachhaltigkeit und industrielle Wertschöpfung. „Deshalb muss Europa zusammenwachsen und vereint Lösungen hervorbringen.“.




























