2. Oktober 2026

Wie Dr. Wolff den Arbeitsalltag neu denkt

KI für alle

Alpecin, Plantur, Linola: Die Marken von Dr. Wolff kennen viele. Weniger sichtbar ist, wie stark KI inzwischen die Arbeit hinter den bekannten Produkten verändert. Das Bielefelder Familienunternehmen treibt seine digitale Transformation voran – mit eigenen Tools und einer klaren Idee: „KI für alle“.

„Ich frage mal WolffGPT – dieser Satz ist bei uns immer häufiger zu hören“, sagt Zhuo Li, Head of AI bei Dr. Wolff. Wo früher Informationen gegoogelt wurden, gehört die unternehmenseigene KI-Plattform zunehmend zum Arbeitsalltag. Sie strukturiert Wissen, hilft bei Texten und Übersetzungen, wertet Kundenfeedback aus oder unterstützt bei Kommunikations- und Marketingmaterialien.

KI für alle bedeutet nicht, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter über Nacht zum KI-Experten werden muss, aber wir erwarten Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren.

Eduard R. Dörrenberg

Seit 2023 beschäftigt sich Dr. Wolff systematisch damit, KI im Unternehmen zu verankern. Statt viele einzelne Tools einzuführen, setzt das Unternehmen mit WolffGPT Studio auf Basis von Langdock auf eine zentrale Plattform. Sie berücksichtigt Anforderungen an Datenschutz, Compliance und Governance, kann verschiedene KI-Modelle nutzen und interne Daten und Arbeitsprozesse einbinden. „WolffGPT Studio taucht heute an vielen Stellen des Arbeitsalltags auf“, erklärt Zhuo Li. Im Brand Management arbeiten KI-Agenten etwa mit hinterlegten Produktinformationen, Zielgruppen und Anwendungsszenarien und entwickeln daraus erste Konzepte für einen TV-Spot. Internationale Teams wiederum können Inhalte schneller auf die Besonderheiten ihrer Märkte zuschneiden.

Die Richtung ist klar: KI soll kein Spezialthema einzelner Abteilungen bleiben. „KI für alle bedeutet nicht, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter über Nacht zum KI-Experten werden muss“, betont CEO Eduard R. Dörrenberg. „Aber wir erwarten Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, Dinge auszuprobieren.“ KI-Kompetenz entsteht dabei nicht allein durch Schulungen, sondern vor allem durch Anwendung. Genau dafür gibt es das „AI Adoption Program“. Mitarbeitende lernen, WolffGPT Studio sinnvoll einzusetzen, gute Prompts zu formulieren, Ergebnisse kritisch zu prüfen und eigene Anwendungsfälle zu erkennen. Mehr als 110 „AI Pioneers“ tragen das Thema zusätzlich in die Fachbereiche. Einen Teil ihrer Arbeitszeit nutzen sie, um passende KI-Lösungen für ihre Teams zu entwickeln, Erfahrungen zu teilen und Kolleg:innen zu unterstützen.

Eduard R. Dörrenberg

Was daraus entstehen kann, zeigt „Product Lens“. Das gemeinsam mit Unfuture entwickelte Tool analysiert Kundenrezensionen aus aller Welt. Dr. Wolff verkauft Kosmetik- und Medizinprodukte in mehr als 60 Ländern, jedes Jahr kommen über verschiedene Kanäle zehntausende Bewertungen zusammen. „In diesen Bewertungen steckt enorm viel Wissen über Bedürfnisse, Anwendungen, Probleme und Produktchancen“, erklärt Zhuo Li. Product Lens macht dieses Feedback nutzbar: Kundenbedürfnisse lassen sich früher erkennen und Produktideen datenbasierter entwickeln. Doch KI soll nicht nur einzelne Aufgaben beschleunigen. 

Für die EU-Verpackungsverordnung PPWR hat Dr. Wolff eine KI-native Lösung entwickelt. Workflows und Agents analysieren relevante Unterlagen und zeigen, welche Verpackungsmaterialien konform sind und wo nachgesteuert werden muss. „Es geht nicht nur darum, einzelne Texte schneller zu schreiben. Es geht darum, komplette Arbeitsabläufe intelligenter zu machen“, erklärt Zhuo Li. Perspektivisch reicht das von der Analyse der Kundenbedürfnisse über die Produktidee bis zur Kommunikation in verschiedenen Ländern. Und auch vor der Produktion macht die Entwicklung nicht Halt. Gemeinsam mit vier Studierenden der Hochschule Bielefeld entstand „Lupus“, ein KI-gestütztes Wissenssystem für Maschinenbedienende. Tritt an einer Abfüllanlage eine Störung auf, liefert es eine strukturierte Antwort samt Quelle. Zuvor musste dafür eine 300 Seiten starke Dokumentation nach der passenden Lösung durchsucht werden.

In diesen Bewertungen steckt enorm viel Wissen über Bedürfnisse, Anwendungen, Probleme und Produktchancen.

Zhuo Li

Dass dieser Weg nicht ohne Umwege verläuft, zeigte sich schon beim Start von WolffGPT 2023. Großes Interesse traf auf Skepsis – vor allem beim Datenschutz. Intro-Sessions, ein umfangreiches Q&A und Transparenz begleiteten die Einführung. Das Learning daraus: Veränderungen früh erklären, Zeit zum Testen geben und nicht auf die perfekte Lösung warten. Starten, ausprobieren, weiterentwickeln und priorisieren. Denn für Dr. Wolff ist KI auch eine echte Chance im Wettbewerb mit großen internationalen Konzernen. Als Mittelständler fehlen mitunter deren Budgets und Kapazitäten, dafür sind die Entscheidungswege kürzer. KI kann helfen, Wissen schneller verfügbar zu machen, Markt- und Kundendaten besser zu nutzen und Prozesse effizienter zu gestalten. Entscheidend ist, die Technologie in reale Arbeitsprozesse zu bringen und die Beschäftigten zu befähigen, sie zu nutzen. „Unsere Unternehmensstrategie 2027 basiert auf fünf Säulen, und KI ist gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden ein Hebel für jede einzelne davon“, unterstreicht Eduard R. Dörrenberg. Wie weit dieser Hebel reicht, lotet Dr. Wolff gerade an immer mehr Stellen im Unternehmen aus.

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Dr. Wolff Group

Mit Traditionsmarken wie Alpecin, Alcina und Linola sowie Plantur, Vagisan, Bioniq® und Karex ist die in vierter Generation familiengeführte Dr. Wolff Group aus Bielefeld mit knapp 900 Mitarbeitern auf weltweitem Wachstumskurs.

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