2. Oktober 2026

Mut zum Wandel

Transformation im Mittelstand

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Doch die Geschwindigkeit, mit der sich Unternehmen heute verändern müssen, hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Digitalisierung, gesellschaftlicher Wandel und wirtschaftliche Unsicherheiten stellen den Mittelstand vor neue Herausforderungen. „Ich kann mich heute nicht mehr darauf verlassen, dass mein Produkt oder meine Dienstleistung in fünf Jahren noch genauso nachgefragt wird“, sagt Dipl.-Volkswirt Dietmar Engel, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und geschäftsführender Partner bei HLB Stückmann.

Transformation verlangt den Mut, Bewährtes immer wieder zu hinterfragen. Und die Flexibilität, auf neue Anforderungen schnell zu reagieren. Drei Entwicklungen zwingen Organisationen zum Handeln: die Digitalisierung nahezu aller Geschäftsprozesse, ein zunehmend anspruchsvoller Arbeitsmarkt und ein makroökonomisches Umfeld, das etablierte Geschäftsmodelle permanent auf den Prüfstand stellt. „Keine Branche wird sich der Digitalisierung entziehen können – auch der Steinmetz nicht“, sagt Dietmar Engel. Wie tiefgreifend sich Transformation auswirkt, erlebt er aus zwei Perspektiven: im Austausch mit den Mandanten und als Partner von HLB Stückmann, einer der führenden selbstständigen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften in OWL. „Die klassischen Leistungen in Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung sind zwar geblieben, aber die Prozesse, wie wir unsere Dienstleistung erbringen, haben sich verändert“, beschreibt er die Entwicklung. Daten werden digital ausgetauscht, Analysen mit intelligenten Tools unterstützt und neue Dienstleistungen ergänzen das Portfolio. 

Mindestens ebenso wichtig ist der gesellschaftliche Wandel. „Mitarbeitende wünschen sich mehr als einen sicheren Arbeitsplatz. Sie erwarten Sinn, Entwicklungsmöglichkeiten, flexible Arbeitsmodelle und eine Unternehmenskultur, die Verantwortung übernimmt.“ Dabei warnt der Diplom-Volkswirt vor vorschnellen Urteilen über die junge Generation. „Die Gen Z erlebe ich als sehr motiviert und nicht weniger fleißig als Angehörige anderer Generationen.“ Entscheidend sei, den Menschen den Sinn hinter Entscheidungen zu vermitteln. „Wenn man das Warum erklärt, dann kann man jede Generation begeistern.“ Die Aufgabe von Führung bedeute heute vor allem zuzuhören, Erwartungen ernst zu nehmen und Mitarbeitende durch Trainings gezielt auf neue Anforderungen vorzubereiten.

Am Ende steht die Wertschöpfung

Transformation ist für Dietmar Engel eine notwendige Chance. Damit sie gelingt, ist es wichtig, eine weitsichtige Kosten-Nutzen-Rechnung zu erstellen, insbesondere beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. „Zu glauben, KI erhöht automatisch die Wertschöpfung, ist zu kurz gedacht“, betont der Dipl.-Volkswirt. Statt jedem Trend zu folgen, sollten Unternehmen genau analysieren, welche Technologien welchen Mitarbeitenden tatsächlich einen Mehrwert bringen. Auch Investitionen in Büroflächen, Benefits oder Arbeitsmodelle müssen zu Ende gedacht werden. „Welche Benefits werden tatsächlich angenommen oder auch erwartet? Und bringen sie mit Blick auf die Kosten einen strategischen Vorteil in puncto Arbeitgeberattraktivität?“, schildert er die Überlegungen. 

Unternehmenskultur, dazu gehört eine konstruktive Fehlerkultur, ist ein entscheidender Faktor. „Eine gute Fehlerkultur beschleunigt Transformationsprozesse deutlich“, ist Dietmar Engel überzeugt. Transformation sei vor allem eine Führungsaufgabe. „Wer Ressourcen realistisch plant, Veränderungen transparent kommuniziert und die Menschen im Unternehmen mitnimmt, schafft die Grundlage für nachhaltigen Wandel. Und dann gilt es, ins Handeln zu kommen. Denn viele Wege entstehen erst beim Gehen.“