2. Oktober 2026
Der Bielefelder Shortcut
Bürokratie abkürzen
Viele Gründerinnen und Gründer kennen das Problem: Sie wollen ihre Idee entwickeln, Produkte testen und erste Kunden gewinnen – und müssen sich gleichzeitig um Notartermine, Bankkonto, Steuernummer und Gesellschaftsstruktur kümmern. Die Lösung: der Bielefelder Shortcut. „Operativ handlungsfähig in 24 Stunden“ – so fasst Hanna Drabon den Bielefelder Shortcut zusammen. „Ein Satz muss reichen – das kennen Startups vom Pitchen schließlich bestens“, sagt die Projektleiterin des Bielefelder Startup Pakets lachend.
Sie kennt die Szene aus eigener Erfahrung: Hanna Drabon hat selbst ein Startup gegründet, ein Accelerator-Programm durchlaufen und gehörte zu den ersten Teams im Bielefelder Pioneers Club. Heute entwickelt sie bei der WEGE Projekte, „von denen ich mir damals selber gewünscht hätte, dass es sie gibt“.
„Gründer:innen lieben ihr Produkt und das Problem, das sie lösen wollen. Aber natürlich hat keiner Lust auf Bürokratie“, sagt sie. Ärgerlich wird es spätestens dann, wenn ein potenzieller Kunde das Produkt kaufen möchte, das Unternehmen aber noch nicht handlungsfähig ist. Für die Gründung braucht es beispielsweise ein Bankkonto, für das Konto aber eine bereits gegründete Gesellschaft. Was eigentlich schnell gehen sollte, kann Wochen oder Monate dauern. Der Shortcut will diese Henne-Ei-Problematik lösen.
Möglich wird die Abkürzung durch die Zusammenarbeit zentraler Akteure des Bielefelder Startup-Ökosystems: Die Volksbank in Ostwestfalen stellt die operative Gesellschaft und das kostenlose Geschäftskonto bereit, die Founders Foundation unterstützt die Start-ups bei den standardisierten Abläufen. Der Teuto Seed Club konzipiert den Prozess, das Bielefelder Startup Paket der WEGE fördert Kauf- und Mietkosten mit bis zu 64.000 Euro, die PGW Beratungsgruppe begleitet die Holdingstruktur steuerlich, während The Trailblazers bei Kommunikation und Sichtbarkeit unterstützen.
Bielefeld ist an deiner Seite
Entscheidend sind die Bielefelder Stärken: gute Vernetzung, kurze Wege und der „unfassbare Pragmatismus, der die Ostwestfalen auszeichnet“, betont Hanna Drabon. „Wir alle kennen uns schon sehr lange und haben ein großes Vertrauen ineinander.“ Dieses Vertrauen ermöglicht es den Partnern, Abläufe zu beschleunigen. Hinzu kommt ein gemeinsames Ziel: ein zukunftssicherer und innovativer Wirtschaftsstandort mit attraktiven Unternehmen und Arbeitsplätzen.

Das Angebot richtet sich an wissens-intensive, innovative und schnell skalierbare Startups. Für sie bereiten die Partner im Hintergrund alles vor – von der Steuernummer über das Geschäftskonto bis zur Holdingstruktur. Kommt das Gründerteam hinzu, kann es diese Struktur innerhalb von 24 Stunden und mit nur einem Notar-termin übernehmen und ist damit investment-ready.
Davon soll auch die Region profitieren. Einfachere Gründungsprozesse könnten mehr Menschen dazu bewegen, ihre Ideen tatsächlich in Unternehmen zu verwandeln – und damit Innovation, Investitionen und Arbeitsplätze nach Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe holen. Der Shortcut macht nicht nur Gründungen schneller, sondern zeigt, was ein funktionierendes Ökosystem leisten kann, wenn Institutionen ihre Kräfte bündeln. Dass sich das Prinzip auch auf andere Regionen übertragen lässt, glaubt Hanna Drabon ebenfalls. „Ökosysteme wachsen miteinander.“ Bielefeld könnte damit nicht nur Start-ups einen Shortcut bieten, sondern auch anderen Standorten zeigen, wie sich Bürokratie gemeinsam abkürzen lässt. „Wenn jemand vor der Entscheidung steht: Soll ich gründen oder traue ich mich nicht?, möchten wir zur Stelle sein und signalisieren: Du bist nicht alleine, wir helfen dir. Bielefeld ist an deiner Seite.“
Text: Dr. Eike Birck
Fotos: Patrick Pollmeier, Founders Foundation