2. Oktober 2026
Bright Medicus
Praxis-as-a-Service
„Wir wollen Neues und Altes verbinden“, sagt Julia Trulley, Gründerin und Geschäftsführerin von Bright Medicus. Namensgeber war der Bestseller „Der Medicus“. „Wir stellen Hausärztinnen und Hausärzte in den Fokus, indem wir uns um Organisation, Administration und Technik kümmern. So können sie sich auf das konzentrieren, worauf es ankommt: ihre Patientinnen und Patienten.“
Was für Software längst selbstverständlich ist, soll künftig auch für Arztpraxen funktionieren: Praxis-as-a-Service. Bright Medicus stellt Hausärztinnen und Hausärzten die komplette Infrastruktur zur Verfügung – von modernen Räumen und Personalpool über IT und Terminmanagement bis zur Verwaltung. „Wir sind kein MVZ und betreiben keine Arztpraxen. MVZs, Kliniken und Kommunen können genauso wie Solo-Ärzt:innen unsere Kunden sein.“
Wir sind ein Infrastrukturdienstleister. Die Ärzte machen Medizin, wir kümmern uns um den Rest.
„Wir sind ein Infrastrukturdienstleister“, betont Julia Trulley. „Die Ärzte machen Medizin, wir kümmern uns um den Rest.“ So können Hausärztinnen und Hausärzte ihre Lotsenfunktion stärker wahrnehmen. Mit ihrem ganzheitlichen Blick auf die Patientinnen und Patienten vermeiden sie unnötige Doppeluntersuchungen und koordinieren die Versorgung. Die Idee entstand aus einem Problem, das das deutsche Gesundheitssystem zunehmend belastet: Immer mehr Hausärztinnen und Hausärzte gehen in den Ruhestand, während sich junge Medizinerinnen und Mediziner oft gegen die Selbstständigkeit entscheiden. Aktuell fehlen 5.000 Hausärztinnen und Hausärzte, vor allem in ländlichen Regionen.
Gemeinsam mit Hausarzt Dr. Dr. Alexander El Gammal, Mitgründer und Chief Medical Officer, entwickelte Julia Trulley ein Modell, das Ärztinnen und Ärzte organisatorisch entlastet und ihnen den Einstieg in die ambulante Versorgung erleichtert. Zum Team gehören außerdem Rebecca Zimmermann, Leitende MFA und Praxismanagerin, sowie CTO Sven Kronshage, der die technologische Infrastruktur verantwortet.
Die nachfolgende Generation möchte medizinisch arbeiten, scheut jedoch die unternehmerischen und administrativen Anforderungen einer eigenen Praxis. Anstatt Monate in Planung, Ausstattung und Organisation zu investieren, starten sie bei uns unmittelbar in einer bezugsfertigen Praxis.
Nicht die Medizin ist das Problem, sondern die Bürokratie. Praxisräume finden, Personal gewinnen, IT organisieren, Dokumentation bewältigen – all das kostet Zeit und Energie. „Die nachfolgende Generation möchte medizinisch arbeiten, scheut jedoch die unternehmerischen und administrativen Anforderungen einer eigenen Praxis“, sagt Julia Trulley. „Anstatt Monate in Planung, Ausstattung und Organisation zu investieren, starten sie bei uns unmittelbar in einer bezugsfertigen Praxis.“
OWL als Modellregion
Dabei versteht sich Bright Medicus ausdrücklich als Partner der niedergelassenen Ärzteschaft, der MVZs, Kommunen und Kliniken. Selbstständige und angestellte Ärztinnen und Ärzte arbeiten zusammen, medizinische Entscheidungen bleiben in ihrer Verantwortung. Ein zentraler Baustein ist die Digitalisierung. KI hilft, Abläufe besser zu planen. Online-Terminvergabe, Self-Check-in, Videosprechstunden und KI-gestützte Dokumentation sollen Wartezeiten verkürzen und das Praxisteam entlasten. Mithilfe einer eigens entwickelten interaktiven Karte will Bright Medicus Versorgungslücken früh erkennen und neue Standorte in Flächenregionen schaffen, in denen Hausärzt:innen fehlen. Kommunen können das eigenfinanzierte Med-Tech-Unternehmen mit Flächen und Gebäuden unterstützen. 2027 entstehen erste Praxen in Bielefeld und Gütersloh. Hier können sich sieben Ärztinnen und Ärzte wie in einem Coworking Space einmieten und gemeinsam die ganzheitliche Praxisinfrastruktur nutzen.
Ziel ist zunächst Ostwestfalen-Lippe, langfristig ist das Modell auf weitere Regionen und andere Fachrichtungen übertragbar. Julia Trulley ist davon überzeugt, dass gute Medizin mehr Zeit für Menschen braucht – auch in puncto Prävention. „Wir müssen ein System entwickeln, in dem jeder versteht, was mit ihm los ist und welche Möglichkeiten er hat.“ Genau dafür schafft Bright Medicus die Voraussetzungen.
Text: Dr. Eike Birck
Foto: Pannhorst Classics