23. April 2026
Innovation durch ungewöhnliche Wege bei Böllhoff
Mit künstlicher Intelligenz und Venture Aktivitäten zur digitalen Transformation
Wie lassen sich Innovation und Dynamik in gewachsenen Unternehmen stärken beschleunigen? Die Böllhoff-Gruppe schlägt dafür bewusst neue Wege ein: Mit einer neuen Organisationseinheit, Venture Clienting & Building, sowie Start-up-Beteiligungen schafft das Bielefelder Familienunternehmen gezielt Räume, in denen Innovationen schneller entstehen, getestet und wieder in die Organisation zurückgespielt werden können. Marcel Rösner verantwortet diesen Ansatz als Leiter des Digital Transformation Accelerator (DTA) der Böllhoff-Gruppe sowie als Geschäftsführer von Archimedes New Ventures.
„Meine Aufgabe ist es, digitale Transformation und KI-Skalierung im Unternehmen zu ermöglichen, zu beschleunigen und gleichzeitig durch Venture-Strukturen Innovationsräume zu schaffen“, erklärt Marcel Rösner. Der Ansatz zeigt exemplarisch, wie im Corporate-Umfeld Innovationsfähigkeit erweitert werden kann und Transformation aktiv gestaltet wird. Dabei werden sowohl kulturelle als auch organisatorische Veränderungen angestoßen. Die Ausgangssituation ist typisch für viele Mittelständler: gewachsene Strukturen, komplexe Prozesse und ein Fokus auf Effizienz sichern Qualität und Stabilität. Gleichzeitig verändert künstliche Intelligenz und steigender Wettbewerbsdruck die Anforderungen an die Transformationsgeschwindigkeit deutlich.
„Mit über 3.000 Mitarbeitenden, gewachsenen Strukturen und globalen Footprint setzt man natürlicherweise auf Stabilität und Effizienz – teilweise ist das eine Bremse für Innovation und Transformation“, sagt Marcel Rösner. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Wirtschaftsingenieur einen Ansatz, der bewusst zwischen Corporate-Struktur und unternehmerischer Dynamik vermittelt. Über Archimedes New Ventures bündelt die Böllhoff-Gruppe unterschiedliche Innovationspfade – von Venture Building über Startup Beteiligungen bis hin zu Kooperationen mit Start-ups in frühen Entwicklungsphasen. „Wir haben über die Jahre verschiedene Themen entwickelt und Teile auch wieder verworfen – von einer Beratungseinheit über eigene Gründungen bis hin zu einer Venture-Capital“, erläutert Marcel Rösner. Der Aufbau solcher Strukturen ist Teil einer strategischen Lernreise, bei der Böllhoff schrittweise neue Formen der Innovation und Transformation erprobt und zugleich den Transfer ins Kerngeschäft gestaltet.

Ein zentraler Impuls für die Venture-Aktivitäten liegt in der Erkenntnis, dass kleinere, unabhängige Einheiten häufig schneller handeln können als große Organisationen. „Die Startup-Welt und kleine Teams generell können viel schneller agieren als ein global tätiges Unternehmen – und da die Welt immer schneller wird, müssen wir Dinge anders machen“, erklärt Marcel Rösner. Ausgründungen und Beteiligungen schaffen die Möglichkeit, neue Ideen unter realen Marktbedingungen zu testen und Risiken gezielt außerhalb der Kernorganisation zu verorten. Gleichzeitig bleibt die strategische Verbindung zum Unternehmen erhalten. Venture Building ergänzt das bestehende Innovationssystem um zusätzliche Perspektiven und Handlungsspielräume. Die Kunst ist es das voneinander lernen zu gestalten – mit allen berstenden Herausforderungen.
Die Arbeit in Venture-Strukturen unterscheidet sich in vielen Punkten vom klassischen Unternehmensalltag. Schlankere Entscheidungsprozesse und ein hoher Grad an Eigenverantwortung ermöglichen schnellere Entwicklungs- und Entscheidungzyklen– ein wichtiger Faktor für Themen wie KI oder digitale Geschäftsmodelle. „Es gibt keine mehrstufigen Freigabeprozesse, schlanke Budgetzyklen und sehr pragmatische Abstimmungsschleifen“, unterstreicht Marcel Rösner. Gleichzeitig stellt diese Form der Zusammenarbeit besondere Anforderungen an die beteiligten Personen. „Es braucht Menschen, die Dinge gestalten wollen“, betont er. Für ein traditionsreiches Familienunternehmen wie Böllhoff bedeutet dies auch eine kulturelle Weiterentwicklung.
Ein wesentliches Element des Venture Ansatzes ist der bewusste Umgang mit Unsicherheit. Statt auf einzelne große Innovationsprojekte zu setzen, gibt es mehrere Units. „Man macht nicht eine große Wette, sondern viele kleine Wetten – als kluges Hypothesentesten“, erklärt Marcel Rösner. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, Erkenntnisse schnell zu gewinnen und Ressourcen gezielt einzusetzen. Wichtig ist, daraus zu lernen und nicht mehrfach an den gleichen Dingen zu scheitern. Für Böllhoff bedeutet dies, Innovation strukturiert zu erproben und gleichzeitig die Risiken für das Kerngeschäft kalkulierbar zu halten.
Die Zusammenarbeit mit Start-ups eröffnet nicht nur neue technologische Möglichkeiten, sondern liefert auch Impulse für neue Arbeitsweisen. „Geschwindigkeit, Experimentierfreude und die Haltung gegenüber Fehlern sind beeindruckend“, sagt Marcel Rösner. Während klassische Innovationsprozesse häufig stark planungsorientiert sind, arbeiten Start-ups stärker nach dem Prinzip „try, learn and adapt“ statt „plan, approve und execute “. Diese Denkweise prägt zunehmend auch Initiativen innerhalb der Böllhoff-Gruppe, etwa Programme zur Skalierung von Künstlicher Intelligenz. „Wir wollen mit dem Program „Scale AI“ nicht nur Technologie einführen, sondern das Ganze als Operating Model verankern. Dafür braucht es auch eine breite Befähigung in der Belegschaft, die wir jetzt mit Hochdruck ermöglichen werden“, erklärt Marcel Rösner.
Die Erfahrungen zeigen, dass ungewöhnliche Wege neue Dynamiken freisetzen können – insbesondere in kleinen, eigenständig agierenden Teams. Innovation und Transformation entsteht dort, wo Organisationen neue Wege zulassen, Verantwortung verteilen und Lernen als kontinuierlichen Prozess verstehen.